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Landsberg

07.02.2018

So arbeitet die Sicherheitswacht in Buchloe

Günther Schuster und Silvia Heindle sind in der siebenköpfigen Sicherheitswacht in Buchloe tätig. In Landsberg sollen sie jetzt bald Kollegen bekommen.
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Günther Schuster und Silvia Heindle sind in der siebenköpfigen Sicherheitswacht in Buchloe tätig. In Landsberg sollen sie jetzt bald Kollegen bekommen.
Bild: Mareike Keiper/Archiv

In Landsberg reagieren etliche Bürger skeptisch auf den Plan, eine Sicherheitswacht einzurichten. Wie aber sind die Erfahrungen andernorts? Das LT hat sich in Buchloe umgehört, wo es seit 2012 solche Streifen gibt.

Auch Landsberg soll eine Sicherheitswacht bekommen – und manche unserer Leser (LT berichtete) halten von der Idee nicht viel. Sind ihre Ablehnungsgründe berechtigt? Wie sind die Erfahrungen andernorts? Beispielsweise in Buchloe: Dort gibt es die Freiwilligenstreifen schon seit 2012.

Vor allem die auch im Landsberger Stadtrat geäußerte Sorge, möglicherweise könnten die Falschen sich für einen solchen Dienst melden, zerstreut der Leiter der Buchloer Polizeiinspektion, Bernhard Weinberger: „Wir haben nicht einen Bewerber gehabt, der dafür nicht geeignet gewesen wäre.“ Das seien alles ganz normale Leute aus einem bürgerlichen Umfeld gewesen. Eine gewisse Fluktuation hat es aber gegeben, 2015 waren statt der angestrebten acht Streifengänger nur noch fünf aktiv, momentan sind es sieben. Gründe für den Ausstieg seien Wegzug oder stärkere berufliche Verpflichtungen gewesen, sagt Weinberger, und er betont, dass es aus dienstlicher Sicht keinen Anlass für eine Beendigung gegeben habe.

Zwischendurch passieren auch mal aufregendere Dinge

Mit schweren Straf- oder Kriminalfällen haben die Angehörigen der Sicherheitswacht noch nicht zu tun gehabt: „Der Ehrlichkeit halber muss man auch sagen, dass in Buchloe nicht so viel los ist“, sagt der örtliche Polizeichef dazu. Zwischendurch passieren aber schon mal etwas aufregendere Dinge, wie die im vergangenen Sommer die beiden Sicherheitsleute Silvia Heindle und Günther Schuster der örtlichen Zeitung erzählten: Heindle erinnert sich lebhaft an einen Dachstuhlbrand. „Normalerweise war das Gartentor vor dem Haus zu, aber an diesem Abend stand es offen und davor lungerten Jugendliche herum.“ Eine halbe Stunde später meldete die Polizei den Brand per Funk. Heindle konnte die jungen Leute ausfindig machen – wodurch die Polizei auch den Brandstifter fand.

Schuster erzählt von einem Fall beim Rote-Meile-Ball. Bei seiner Schicht fand er ein junges Mädchen, umzingelt von drei Männern. „Sie wirkte apathisch“, sagt er. Als die Sicherheitswacht kam, seien die Männer verschwunden. Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass das Mädchen wohl K.O.-Tropfen eingeflößt bekommen hatte. Womöglich habe die Sicherheitswacht die Jugendliche vor Schlimmerem bewahrt.

Ansonsten sind es eher die kleinen Regelverstöße, mit denen die Sicherheitswacht zu tun hat: Sie weist etwa auch mal Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, darauf hin, wo sie ihr Auto abstellen und wo nicht. Oder sie schaut nach der Parkmoral in der Buchloer Haupteinkaufsstraße, der Bahnhofstraße. Aber auch da gilt: Eine Sicherheitswacht ist keine Hilfspolizei und keine Verkehrsüberwachung.

Was die Sicherheitswacht nicht darf

Selber Strafzettel hinhängen dürfen die Leute von der Sicherheitswacht nicht, sie können nur die Polizei informieren, die dann tätig wird. Die Rechte der Streifengänger sind auf die sogenannten „Jedermann-Rechte“ beschränkt: Jemanden auf sein Verhalten ansprechen, die Polizei rufen, vielleicht auch mal zur Verhütung von Schlimmerem einen anderen festhalten oder für jemanden Nothilfe zu leisten. „Ermittlungsarbeit leisten sie keine“, erklärt Weinberger. Sie müssen auch genauso wie jeder andere die Unverletzlichkeit der Wohnung beachten und dürfen nicht so einfach private Grundstücke betreten. Sollte jemand mal mit der Sicherheitswacht aneinandergeraten, würde er auch nicht gleich Gefahr laufen, eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte zu bekommen. Eine Nötigung könnte aber durchaus im Raum stehen. Ebenso gelte der Tatbestand einer Beleidigung für Sicherheitswachtleute genauso wie für Beamte. Aber solche Fälle habe es seit Einführung der Sicherheitswacht nie gegeben, betont Weinberger.

Zurückhaltend ist Weinberger mit einer Einschätzung zur Frage, inwieweit eine Sicherheitswacht Straftaten verhindert, vor allem, wenn es um Vandalismus geht. Das könne grundsätzlich statistisch schwer erfasst werden. Der Inspektionsleiter gibt dabei zu bedenken, dass die Sicherheitswacht nicht mitten in der Nacht durch Buchloe spaziert, wenn am ehesten solche Taten zu erwarten seien. Wenn sie aber in den Abendstunden unterwegs sei, könne sie durchaus potenzielle Einbrecher abschrecken. Und da, wo sich gerne Jugendliche treffen, wie etwa in einem Park, führe die der Sicherheitswacht durchaus dazu, dass es nicht zu „Ausfällen“ komme, wie es Weinberger ausdrückt.

Zugang zum Polizeiwissen hätten die Angehörigen der Sicherheitswacht nicht, betont Weinberger: „Es gibt keinen Rückfluss von polizeilichen Daten.“ Der Kontakt mit der Polizei beschränke sich auf die Über- und Rückgabe der Funkgeräte vor und nach einer Streife und am Ende eines Einsatzes schreiben die Streifengeher einen kleinen Bericht.

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