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Landsberg

22.12.2020

So geht es Landsberger Käsehändlern in der Krise

Käse, so weit das Auge reicht: Ruth und Patrick Vogel im Tölzer Kasladen am Hauptplatz in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Käse ist ein Lebensmittel für die kalte Jahreszeit. Unsere Zeitung hat mit zwei Landsberger Käsehändlerinnen über ihr Metier und ihre Sorgen gesprochen.

Was dem Kind das Gelbwurstradl an der Metzgertheke, ist dem Hund das Stückchen Käse im Zedermarkt. Auf diese spezielle Leckerei wartet die kleine Foxi brav, aber beharrlich vor der Ladentür zum Käseland. Die schwarze Hundedame holt sich dort ihr tägliches Leckerli ab. „Sie geht nicht weg, bis sie was bekommen hat, aber sie geht nie ins Geschäft“, sagt Ladeninhaberin Alexandra Protopapa über den knuffigen Besucher.

Da jeder glücklich und zufrieden sein soll, wie es am Schild an der Ladentür heißt, bekommt jeder Vierbeiner ein Stückchen Käse von der 39-Jährigen und ihren Mitarbeitern – als Entschädigung für die Auflage der Lebensmittelhygieneverordnung, die Hunden den Zutritt untersagt. „Die Hunde lieben Käse, und wir haben viele Kunden mit Hunden, die sich darüber sehr freuen“, sagt Protopapa. Foxi sei eine Ausnahme. Sie werde auch bedient, wenn Frauchen nichts kauft.

Das Sortiment umfasst Milchprodukte aller Art

Seit 2016 befindet sich das Käseland neben der Zuckerdose im nördlichen Teil der Zederpassage. Alexandra Protopapa, die schon vor dem Umzug aus der Hauptpassage als Angestellte im Käseland verkaufte, ist inzwischen die Inhaberin des Ladens. Ihr Sortiment besteht aus Milchprodukten aller Art. Den Schwerpunkt bildet Käse von der Sennerei Gunzesried, einer Genossenschaft im Allgäu, deren Lieferanten ihren Tieren ausschließlich Heu und Gras füttern. Hinzu kommen Bio-Sorten vom Käsehändler Schilcher aus Kinsau, auch aus Ziegen- und Schafmilch, sowie Feinkostsalate, Quark und Frischkäse.

Alexandra Protopapa in ihrem Geschäft in der Zederpassage in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Die Kalkulation der Frischware sei derzeit schwer, sagt die Käsespezialistin. Mit Corona habe sich das Einkaufsverhalten verändert. Derzeit kauften die Kunden weniger frische Ware ein, dafür mehr Hartkäse, auch größere vakuumierte Stücke. Der Renner ist, wie jedes Jahr um diese Zeit, Raclettekäse. Der Ganzjahresverkaufsschlager ist der Bergkäse aus Gunzesried. Neben dem „normalen Einkauf“ bietet das Käseland-Team Geschenkkörbe an und liefert Platten im Catering aus. Viele Firmen würden dies als Ersatz für abgesagte Weihnachtsfeiern buchen. Der Zusatzeffekt sei, dass sich Landsberger Unternehmer damit gegenseitig unterstützen, freut sich Protopapa.

Viele Kunden wollen einfach nur reden

Das Weihnachtsgeschäft sei ungewohnt ruhig, weswegen viel Frischware weggeworfen werden müsse. Ihr fehle Umsatz, sagt sie ganz deutlich. „Ich habe viel Ware bestellt, weil ich schwer einschätzen kann, was ich brauche.“ Bereits im ersten Lockdown habe sich gezeigt, dass die meisten Kunden „einfach nur reden“ wollten. Die Menschen seien verunsichert, sagt Protopapa. Bereits im Frühjahr hielt sie jeden Tag bis 18 Uhr offen, und lange bevor es die offiziellen Auflagen verlangten, stellte sie Desinfektionsmittelspender auf. „Die Leute sind froh, dass wir ihnen zuhören.“ Protopapa wünscht sich einen familiären Umgang in ihrem kleinen Laden. Einer älteren Dame, die sich vor der Einsamkeit am Heiligen Abend fürchtet, bot sie an, auf einen Plausch vorbeizuschauen.

Seit 2015 führt Ruth Vogel aus Hagenheim den Tölzer Kasladen am Hauptplatz. Wie ihre Kollegin im Zedermarkt arbeitete sie zuvor schon als Angestellte im jetzigen eigenen Laden. Sie ist Franchisenehmerin bei dem Hersteller von handwerklichem Käse in Bad Tölz und hat – ebenso wie ihr Mann Patrick, der im Verkauf mitarbeitet – an der dortigen Akademie eine Ausbildung zur Fromelière gemacht, vergleichbar dem Sommelier beim Wein.

Der Käse wird wie in einem Kiosk verkauft

Seit Corona wird der Käse in dem winzigen Laden „wie in einem Kiosk“ an der Tür verkauft. Der Laden hat elf Quadratmeter, eine andere Form von Kundenverkehr würden die Hygieneschutzauflagen nicht zulassen. Im Frühjahr verkürzte Ruth Vogel die Öffnungszeiten. „Das war auch familiär ganz gut“, sagt die Mutter von zwei Teenagern, die ursprünglich Juristin ist. Ihr Sortiment bietet Käse aus vielen europäischen Ländern, auch Bioprodukte. Spezialisiert sei sie auf handwerklich hergestellte und ursprungsgeschützte Sorten wie Roquefort, Feta, Camembert aus der Normandie oder Allgäuer Bergkäse. Ergänzt wird das Angebot durch Frisches wie Milch, Quark, Butter und Joghurt sowie Geschenkkörbe. Besonders gefragt in der Vorweihnachtszeit: Käse für Fondue und Raclette.

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