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Landsberg

27.10.2020

So sollen die Stadttauben in Landsberg umgesiedelt werden

Im Stadtgebiet von Landsberg gibt es an die 700 Stadttauben.
Bild: Thorsten Jordan

Plus In Landsberg leben rund 700 Tauben. Anwohner in der Altstadt beschweren sich über Dreck, Kot und Lärm. Jetzt gibt es eine Lösung, wie die Population verringert werden kann.

Manche Landsberger sprechen von einer regelrechten Taubenplage. Anwohner in der Altstadt sind genervt von Dreck, Kot und Lärm. Und tatsächlich: Eine Zählung hat ergeben, dass an die 700 der Vögel in der Innenstadt leben. Doch wie kann die Population verringert werden? Maßnahmen, die Tiere zu vergrämen, haben in der Vergangenheit nichts gebracht. Die Stadttauben zu jagen, zu vergiften oder einzufangen und einzuschläfern, widerspricht dem Tierschutz. Jetzt wurde den Stadträten eine andere Lösung vorgestellt, die in einem ersten Schritt umgesetzt wird.

Da Stadttauben in der Natur in der Regel kein ausreichendes Futterangebot vorfinden, sind sie auf die Fütterung durch den Menschen angewiesen. Die Tauben haben sich dem Leben in der Stadt gut angepasst und nutzen als Körnerfresser die von Menschen achtlos hinterlassenen Lebensmittelreste. So haben sich die Stadttauben mehr oder weniger zu Allesfressern entwickelt. Da Stadttauben fast ein halbes Jahr mit Brüten und Aufzucht beschäftigt sind, sind schnelles Futter und in der Nähe liegende Wasserquellen, die in der Regel in Innenstädten ausreichend vorhanden sind, für sie der Grund, dort zu nisten.

Mit sogenannten Spikes versuchen Anwohner die Tauben zu vertreiben.
Bild: Julian Leitenstorfer

Und so vermehren sich Stadttauben häufig unkontrolliert und rasant. Die Kotmassen verunreinigen Gebäude und zerstören diese auf Dauer. Auch in Landsberg. Die Lösung der Vergrämung durch sogenannte Spikes, die verhindern sollen, dass sich die Tauben niederlassen, führen nicht zum Rückgang der Taubenpopulation. Denn die Stadttauben wechseln einfach auf das nächste Gebäude an ihrem bevorzugten Futterplatz. Falken, die auch in Landsberg Jagd auf die Stadttauben machen, erlegen meist nur schwächere Tiere.

Die Diplom-Landschaftsökologin Dr. Sonja Kübler aus Landsberg hat im Juni und Juli im gesamten Stadtgebiet die Standorte und die Anzahl der Stadttauben ermittelt. Sie geht davon aus, dass mindestens 700 Exemplare dort leben. Allgemein werde eine stadtverträgliche Taubenmenge von maximal einem Prozent der Bevölkerung angegeben. Für Landsberg bedeute das etwa 300 Stadttauben bei rund 30.000 Einwohnern. Doch wie kann die Population verringert werden, ohne den Tieren Schaden zuzufügen?

Taubenschläge wurden in Landsberg verschlossen

Mit dem Thema hat sich der Jugendbeirat beschäftigt und auch eine Lösung gefunden. Und so wurde im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats jetzt die Errichtung von betreuten Taubenhäusern vorgeschlagen. Diese könnten von den Stadttauben als Nist- und Futterplatz genutzt werden, müssten aber auch regelmäßig betreut werden – unter anderem Futter und Wasser nachfüllen, Kot in Säcke füllen und tote Tauben entsorgen. Zudem müssten die abgelegten Eier durch Attrappen ersetzt werden, um eine weitere Vermehrung zu stoppen. Die kostengünstigste Lösung wäre der Einbau von Taubenschlägen als fugendichte Gehäuse in ungenutzten Dachböden in der Altstadt. Am besten geeignet wären dafür städtische Gebäude, andere öffentliche Gebäude oder Türme. Bei den Erhebungen in der Landsberger Altstadt wurden in einigen privaten Gebäuden ehemalige Einflugvorrichtungen entdeckt, die jedoch von den Eigentümern aus vielfältigen Gründen geschlossen wurden.

Ein Taubenschwarm vor der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Stadträtin Jennifer Lübke (Grüne), die sich noch als Jugendbeirätin mit der Situation der Stadttauben beschäftigt hatte, warb im Ausschuss für die Errichtung eines Taubenhauses für rund 40 Tiere. Als Standort schlug sie den Jesuitengarten unweit des Heilig-Geist-Spitals vor. Mit dem Bau eines Taubenhauses würden auch weitere Maßnahmen einhergehen. So müsste in der Bevölkerung dafür geworben werden, die Tiere nicht mehr zu füttern. Die Betreuung der Stadttauben im Taubenhaus sollten Experten übernehmen.

Wer übernimmt die Betreuung der Vögel?

Tiefbauamtsleiter Hans Huttenloher bezifferte die Kosten für ein Taubenhaus in dieser Größe (40 Tiere) zwischen 4000 und 6000 Euro und den monatlichen finanziellen Aufwand für Futter und Betreuung auf etwa 600 Euro. Die Tiere, die ins Taubenhaus einziehen sollen, müssten eingefangen und umgesiedelt werden. Die Idee eines Taubenhauses stieß bei den Stadträten auf positive Resonanz. Wobei Petra Kohler-Ettner (CSU) das Taubenhaus in der vorgeschlagenen Größe zu klein fand angesichts einer Population von etwa 700 Tieren. Ihr war es auch wichtig, dass vor dem Bau eines solchen Hauses geklärt werden müsse, wer die Betreuung der Tauben übernimmt. Dieser Ansicht war auch Jonas Pioch (Landsberger Mitte). Sollten sich keine Ehrenamtlichen finden, müsste am Ende der Bauhof einspringen und die Arbeiten übernehmen.

„Wir müssen einen Anfang machen“, sagte Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV). Für sie war klar, dass der Auftrag zur Errichtung eines Taubenhauses im Jesuitengarten damit einhergeht, geeignete Betreuer für die Tiere zu suchen. Das war auch Zweitem Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) wichtig: „Wir sollten den Ehrenamtlichen eine Aufwandsentschädigung anbieten.“

Dieter Völkel (SPD) freute sich über den Fortschritt in der Tauben-Frage. „Ein Taubenhaus ist doch wesentlich besser, als die Tiere zu vergiften.“

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