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Landsberg

12.02.2020

So stehen die Landratskandidaten zu Natur und Bauern

Thomas Eichinger (von links) und seine Herausforderer Wolfgang Buttner (ÖDP), Tobias Linke (Bayernpartei) und Dr. Peter Friedl (Grüne) hatten im Dorfgemeinschaftshaus die Gelegenheit ihre Positionen zu Naturschutz, Landwirtschaft und Klimaschutz vorzustellen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Naturschützer und Landwirte fühlen den Landratskandidaten im Landkreis Landsberg auf den Zahn. Was Thomas Eichinger, Wolfgang Buttner, Tobias Linke und Dr. Peter Friedl sagen.

Wie positionieren sich die vier Landratskandidaten zu den Themen Landwirtschaft, Naturschutz und Klimaschutz? Dies wollten die Kreisgruppen des Bund Naturschutz (BN), des Bauernverbandes (BBV) und des Verbandes landwirtschaftlicher Fachbildung (VlF) wissen. Sie hatten zur Podiumsdiskussion nach Eresing geladen, und über 100 Zuschauer, die sich auch an der Diskussion beteiligten, waren gekommen.

Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU) und seine Herausforderer Dr. Peter Friedl (Grüne), Wolfgang Buttner (ÖDP) und Tobias Linke (Bayernpartei) stellten sich kurz vor und äußerten sich zu vier Themen-Komplexen. Die Redezeit war begrenzt, direkte Konfrontationen gab es kaum, das Rede-Aus wurde mit einer Kuhglocke besiegelt. Die Moderation übernahm der promovierte Agrar- und Gartenbauingenieur, Dr. Helmut Nebel aus Kaufering.

Flächenverbrauch und Ökologie: Hier lag der Fokus der Redebeiträge schnell bei dem Thema neues Landratsamt. Wolfgang Buttner und Peter Friedl kritisierten, dass wertvollstes Ackerland verbraucht wird, wenn am Penzinger Feld ein neues Landratsamt entsteht. Sie und auch Tobias Linke forderten, noch einmal zu überdenken, ob nicht am Flugplatz Penzing Möglichkeiten für den Behördenbau bestünden.

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Thomas Eichinger erläuterte, dass beim Landratsamt die Grenze von 50 Prozent Mitarbeitern, die in Außenstellen arbeiteten, erreicht sei. In den vergangenen sechs Jahren habe er sich um den Penzinger Flugplatz bemüht, es habe ihm aber keiner sagen können, ob und wann dort etwas möglich sei. Grundsätzlich kann sich Eichinger vorstellen, dass ein Kommunaler Zweckverband, der aus Landkreis, Gemeinde und Freistaat besteht, das ehemalige Bundeswehrgelände entwickelt. Die Gemeinde Penzing hat das Vorkaufsrecht, wird sich laut Eichinger aber angesichts der finanziellen Dimensionen einen Partner oder Investor suchen müssen. Als in der späteren Diskussion auch die Kosten für ein neues Gebäude am Penzinger Feld angesprochen wurden, verwies Eichinger auf die Mietkosten in Höhe von 700.000 Euro jährlich, die für die Außenstellen ausgegeben werden. Hinzu kämen die Fahrzeuge für die Mitarbeiter.

Naturschutz und Landwirtschaft: Die Konkurrenz von Naturschutz und Landwirtschaft um Flächen, aber auch die gesellschaftliche Stimmung nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wurden thematisiert. „Wir müssen als Gesellschaft die Leistung der Landwirte mehr schätzen“, sagte Peter Friedl. Der Landkreis solle den Landwirten beratend zur Seite zu stehen und auch eigene Programme, beispielsweise für Ackerrandstreifen, auflegen, so Friedls Vorschlag. Tobias Linke will die Landwirte mehr in die Entscheidungsprozesse einbinden. Wolfgang Buttner verwies auf den LT-Artikel vom Dienstag, wonach die Erzeugerpreise nicht die Kosten für die Fleisch- oder Milchproduktion deckten. Deutschland habe die günstigsten Lebensmittel. „Wir konsumieren zu viel“, plädierte Buttner für weniger Fleischkonsum.

Thomas Eichinger verwies hinsichtlich der Entwicklung von Ausgleichsflächen darauf, dass ein Landschaftspflegeverband gegründet und ein Ökoflächenkataster erstellt würden. „Wir haben einen Mitarbeiter eingestellt.“ Der Landkreis habe auch eine eigene Förderung für Streuobstwiesen aufgelegt. Und er kaufe Flächen an, erläuterte Eichinger zu einer Frage, die sich um den Schutz von Mooren drehte.

Mittels Bebauungsplan Steingärten und Thujenhecken verhindern

Josef Arnold, Kreisvorsitzender der VlF, forderte, dass in Sachen Naturschutz auch die Privatgartenbesitzer in die Pflicht genommen werden. Peter Friedl gab ihm da recht: „Wer sein Kreuz beim Artenschutz gemacht hat, darf keine Mähroboter fahren lassen oder Steingärten anlegen und Thujenhecken pflanzen.“ Kommunen könnten versuchen, über Bebauungspläne Einfluss zu nehmen.

Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft: Friedl kritisierte, dass der Kreistag den Antrag von BBV-Kreisobmann Johann Drexl abgeschwächt habe, Verpflegung in Landkreisliegenschaften wie beipielsweise in den Schulen auf 30 Prozent Bio und 30 Prozent regional umzustellen. Eichinger antwortete, dass der Landkreis die Verpflegung ausschreibe und die Gefahr bestehe, dass man keinen Pächter mehr finde. Buttner plädiert für regionale, biologisch angebaute und vegetarische Lebensmittel und Tobias Linke fehlt die Akzeptanz bei den Verbrauchern.

Klimaschutz: Zu diesem Punkt forderte Buttner, der auch bei der ehrenamtlich agierenden Landsberger Energieagentur (Lena) arbeitet, dass ein kommunales Energiemanagement aufgebaut wird. Friedl und Linke brachten ein, dass der Öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden muss. Linke hält es für wichtig, dass Bürger an Windkraft-, Biogas- oder Fotovoltaikanlagen beteiligt werden. In Sachen E-Auto erläuterte der Elektromeister, dass wenn die Ladekapazitäten ausgeweitet werden, für diese Infrastruktur „jede Straße aufgerissen werden muss“. Er wisse nicht, ob dies ökologisch sei. Und Kobalt und Lithium würden unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut.

Hackschnitzel- und Pelletsheizungen in den Schulen

Eichinger führte an, dass der Landkreis die eigenen Liegenschaften auf erneuerbare Energien umstelle. Die Realschule in Schondorf habe eine Holzpelletheizung und das Ammersee-Gymnasium eine Hackschnitzelheizung. Man könne aber nicht vorgeben, dass jemand nicht mehr mit Öl heizen dürfe.

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