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Landkreis Landsberg

08.04.2021

So viele Menschen lehnen im Kreis Landsberg AstraZeneca ab

Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca erhitzt die Gemüter. Die Impfkampagne im Kreis Landsberg könnte unterdessen Fahrt aufnehmen.
Foto: Matthias Bein/dpa (Symbolfoto)

Plus Viele sehen AstraZeneca kritisch. Ein Leser moniert, dass er ohne Vorgespräch im Impfzentrum abgewiesen wird. Die Landsberger Impfkampagne nimmt unterdessen Fahrt auf.

Der Wirbel um den Corona-Impfstoff von AstraZeneca zehrt weiter an den Nerven. Ein Leser aus Penzing hat sich nun an unsere Redaktion gewandt: Bei einem Termin im Penzinger Impfzentrum sei er bereits an der Anmeldung abgewiesen worden, da er den britisch-schwedischen Wirkstoff kritisch sehe. Er habe überhaupt keine Chance auf ein Gespräch mit einem Arzt gehabt. Gegenüber dem LT äußert sich Impfzentrumsleiter Peter Rasch zu dem Vorfall. Bei einem Pressetermin verrät er außerdem, weshalb die Impfkampagne im Kreis Landsberg nun Fahrt aufnehmen könnte.

Er sei beileibe kein Impfgegner, sagt der Penzinger Wolfgang Herrmann (76) im Gespräch mit dem LT. Als Transall-Navigator sei er bei der Bundeswehr beruflich bedingt auf der ganzen Welt umhergereist und habe alle Impfungen erhalten, die man sich nur vorstellen könne. Doch den Wirkstoff von AstraZeneca möchte er lieber nicht in seinem Körper haben. „Für mich hat er nicht nur ein Imageproblem, sondern es muss tatsächlich einen Haken geben“, sagt Herrmann. Zunächst sollte der AstraZeneca-Impfstoff – wie berichtet – nur bei Jüngeren verwendet werden, seit vergangener Woche sollen nur noch über 60-Jährige das Vakzin erhalten. Wolfgang Herrmann wisse deswegen nicht mehr, was er noch glauben soll. „Noch vor drei Wochen hätte ich einfach meinen Arm hingehalten.“

Unverrichteter Dinge musste Wolfgang Herrmann aus dem Penzinger Impfzentrum wieder abziehen. Er lehnte den Impfstoff von AstraZeneca ab.
Foto: Julian Leitenstorfer

Impfung mit AstraZeneca: "Man fühlt sich ausgeliefert"

Von den Beschäftigten am Penzinger Impfzentrum fühlt er sich ungerecht behandelt. Bereits an der Anmeldung gab Herrmann an, nicht mit AstraZeneca geimpft werden zu wollen. „Mir wurde dann wie einem Rebell mit einer Handbewegung die Türe gewiesen.“ Dabei hätte er sich zumindest ein Gespräch mit einem Arzt gewünscht – der müsse schließlich entscheiden, welches Vakzin er bekomme. Der Penzinger selbst glaubt, dass bei ihm wegen Vorerkrankungen eine Impfung mit einem mRNA-Vakzin die weitaus bessere Option wäre. Seiner Frau sei bei ihrem Termin am Tag darauf ein Vorgespräch mit einem Arzt ermöglicht worden. Am Ende lehnte auch sie den Impfstoff von AstraZeneca ab. „Ihr wurde gesagt, dass die Regierung bestimmt hat, dass über 60-Jährige nur noch AstraZeneca bekommen. Man fühlt sich ausgeliefert“, moniert Wolfgang Herrmann.

Auf LT-Nachfrage sagt Peter Rasch, Leiter des Penzinger Impfzentrums, dass grundsätzlich jedem Impfkandidaten ein Aufklärungsgespräch zustehe. Allerdings betont er auch: „Der Ton macht die Musik.“ Zu dem konkreten Fall könne er sich zwar nicht äußern, allerdings gebe es immer mehr Menschen, die barsch und unverschämt aufträten. Dann könne es schon einmal passieren, dass jemand bereits an der Anmeldung abgewiesen wird. Insgesamt lehnten nach Raschs Schätzungen 20 Prozent der Besucher im Penzinger Impfzentrum AstraZeneca ab. Diskussionen um den britisch-schwedischen Impfstoff dürften dort allerdings bald Geschichte sein: Eine Lieferung mit 400 Dosen wird in Penzing noch erwartet, danach soll der britisch-schwedische Wirkstoff (zunächst) nur noch an Hausärzte geliefert werden.

Viele Dosen für Penzinger Impfzentrum angekündigt

Bereits in einem Pressegespräch am Donnerstag, in dem sich unter anderem auch Landrat Thomas Eichinger (CSU) zur aktuellen Corona-Lage äußerte, hatte Peter Rasch den rauen Umgangston gegenüber Mitarbeitern des Impfzentrums kritisiert. Manuel Müller-Hahl (Leiter Contact-Tracing-Team) und Dr. Birgit Brünesholz, Leiterin des Gesundheitsamts, berichteten von ähnlichen Erfahrungen in ihren Bereichen. „Für unsere Mitarbeiter ist das sehr schlimm“, sagt Brünesholz. Einige seien sogar schon in Tränen ausgebrochen.

Impfzentrums-Chef Peter Rasch.
Foto: Julian Leitenstorfer

Impfzentrumsleiter Peter Rasch hatte aber auch positive Nachrichten parat. Der Landkreis Landsberg scheint schon jetzt von der bundesweit versprochenen Impfstoff-Flut im April zu profitieren. Für Freitag sind 1578 Dosen Biontech/Pfizer, 300 Dosen Moderna und 400 Dosen AstraZeneca angekündigt. In den kommenden sieben Tagen sollen insgesamt rund 5000 Dosen nach Penzing geliefert werden. „Ich glaube das aber erst wirklich, wenn der Impfstoff auch im Kühlschrank ist“, so Rasch. Jüngst hatte es immer wieder Lieferprobleme gegeben – vergangene Woche waren beispielsweise 400 Dosen Moderna nicht eingetroffen.

Ab nächster Woche wird in der ehemaligen Feuerwache geimpft

Inzwischen habe sich das Impfzentrum bei rund 450 Impfungen pro Tag eingependelt – vorausgesetzt, es ist genug Impfstoff verfügbar. Ziel ist es laut Rasch, in Zukunft zwischen 800 und 1000 Impfungen pro Tag durchzuführen. Um das zu erreichen, sollen ab Montag acht „Impfstraßen“ in der ehemaligen Feuerwache am Penzinger Fliegerhorst in Betrieb gehen. Im Tower, wo aktuell noch geimpft wird, sind dann nur noch die Verwaltung und Lagerräume untergebracht. „Sie können dann so viele Dosen liefern, wie sie wollen. Wir bringen sie unters Volk“, zeigt sich Peter Rasch zuversichtlich.

Nach aktuellem Stand haben im Kreis Landsberg 14.712 Personen ihre Erstimpfung erhalten und 6828 ihre Zweitimpfung. Insgesamt haben damit 5,58 Prozent der Einwohner bereits eine zweite Dosis bekommen – der Landkreis liegt damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt (5,6 Prozent). Bei den Erstimpfungen sei man hingegen knapp einen Prozentpunkt hinten dran.

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