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Dießen

18.08.2020

So war der Start für Dießens neue Bürgermeisterin

Seit 1. Mai ist Sandra Perzul Bürgermeisterin in Dießen: Die 40-Jährige blickt auf ihre ersten 100 Tage im Amt zurück.
Bild: Christian Rudnik

Plus Warum Dießens neue Bürgermeisterin Sandra Perzul die ersten 100 Tage wirklich als Schonfrist erlebt hat. Vom Start im Lockdown, langen Gemeinderatssitzungen und großen Erwartungen.

Bei den Kommunalwahlen im März sind im Landkreis etliche neue Bürgermeister gewählt worden. Seit Mai sind sie im Amt. Im LT ziehen sie eine Bilanz nach 100 Tagen. Heute die Dießener Bürgermeisterin Sandra Perzul (Dießener Bürger).

Dießen Die Corona-Lage hat auch der neuen Dießener Bürgermeisterin Sandra Perzul einen eher gedämpften Start in das neue Amt beschert. Denn dick gefüllte Terminkalender auch mit Anlässen abends und an den Wochenenden erwarteten Perzul und die anderen neuen Bürgermeister dieses Mal nicht. Die Abende habe sie deshalb in den vergangenen Wochen öfters genutzt, um das aufzuarbeiten, was tagsüber liegen geblieben ist, sagt Perzul. Die ersten 100 Tage gelten als Schonfrist, und Corona hat dazu auch in gewisser Weise beigetragen.

Dass sie mehr im Rampenlicht stehen würde, war ihr klar

Aber pünktlich mit Ablauf der ersten 100 Tage tut sich auch da etwas: Mitten in der Ferienzeit, an einem Sonntagvormittag, hat die Dießener Feuerwehr ihre Jahreshauptversammlung abgehalten, und die Jagdgenossenschaften, die ihre Versammlungen im Frühjahr absagen mussten, treffen sich nun mitten in den Sommerwochen, erzählt Perzul.

Die Corona-Situation brachte es auch mit sich, dass die neue Dießener Bürgermeisterin noch gar nicht so stark in der Öffentlichkeit zu sehen war. Gab es doch mal Termine, dann nahmen dabei meist nur wenige Menschen teil, blickt sie auf die ersten Wochen zurück. Angesichts eines solchermaßen gedämpften Starts in eine neue Tätigkeit sieht die 40-jährige Bürgermeisterin noch gar nicht so viele Unterschiede zu ihrer bisherigen Tätigkeit im öffentlichen Dienst, die sie bei der Arbeitsagentur in Weilheim ausübte. „Auch in dieser Position hatte ich viel mit der Öffentlichkeit zu tun, mit Netzwerkpartnern, unseren Kunden und den Arbeitgebern“, erklärt sie. Kommunikation und Dienstleistungsgedanke seien auch da wesentliche Elemente gewesen. Dass man als Bürgermeisterin noch mehr im Rampenlicht stehen würde, sei ihr im Vorfeld klar gewesen – das kannte sie auch aus der Warte der Medien, nachdem sie nebenberuflich etliche Jahre als Berichterstatterin für den Ammersee Kurier in Dießen tätig gewesen war.

So war der Start für Dießens neue Bürgermeisterin
25 Bilder
Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Dießen
Bild: Julian Leitenstorfer

Auch wenn in dieser Hinsicht der Einstieg in das Bürgermeisteramt auch bei ihr etwas ruhiger verlief – eine Sache habe sie vielleicht doch etwas unterschätzt, das sei die thematische Vielfalt. Dass auf die Planung für neue Urnengräber auf dem Friedhof gleich Termine im Kindergarten und im Bauhof folgen, sei zu erwarten, aber: „Dass so viele Facetten hinter den Themen stecken, weiß man als Bürger nicht.“

Der Vorgänger der neuen Bürgermeisterin ist jetzt Gemeinderatsmitglied

Im Gemeinderat ging es in den ersten Sitzungen teilweise recht lebhaft zu, und die ersten Sitzungen zogen sich bis nach Mitternacht hin. Perzul selber nahm sich dabei weitgehend zurück. Zur Sache sprachen überwiegend die in der Verwaltung zuständigen Mitarbeiter, in die anschließende Debatte im Plenum schaltete sich Perzul wenig ein. „Ich bin niemand, der sich in den Vordergrund drängt, gerade am Anfang, wenn sich ein neuer Gemeinderat erst finden muss, soll jeder zu Wort kommen.“ Da sollte man es etwas laufen lassen. Die jüngste Gemeinderatssitzung sei inklusive des nichtöffentlichen Teils schon gegen 22 Uhr zu Ende gewesen. Außerdem, meint Perzul, hätten es die Corona-Abstandsregeln mit Sitzungen in der Mehrzweckhalle nicht gerade erleichtert, sich zusammenzufinden.

Offenbar weniger aufgeregt als auf der politischen Bühne verlief der Start in der Verwaltung. Perzul schwärmt von einem sehr offenherzigen und freundlichen Klima und von einer „tollen Verwaltung“, die sie unterstütze und freundlich aufgenommen habe. Und sie sei „in der glücklichen Lage, in sehr gutem Kontakt zu meinem Vorgänger zu stehen, der mir die Übergabe leicht gemacht hat“, erzählt sie. Dass in Dießen geredet wird, Herbert Kirsch sei regelmäßig im Rathaus zugegen, weiß Sandra Perzul. Tatsächlich war ihr Vorgänger auch schon bei einigen Terminen mit dabei. Das habe aber Gründe gehabt. Der vor Kurzem verabschiedete Kämmerer Max Steigenberger sei halt auch in der 24-jährigen Amtszeit Kirschs im Amt gewesen, und als jüngst der Bildband über die Kunst im Rathaus vorgestellt wurde, sei es auch darum gegangen, Kirschs Arbeit hierfür zu würdigen. „Ansonsten ist Herr Kirsch aber einer von 24 Gemeinderäten und genauso oft oder nicht oft wie die anderen im Rathaus“, versichert seine Nachfolgerin, „er geht nicht ins Rathaus und berät mich. Die Entscheidungen treffe ich, aber ich kann ihn anrufen.“

Die Bürgermeisterin nimmt das Bauamt in Schutz

Auf einer neuen Bürgermeisterin ruhen große Hoffnungen – oft auch von denen, die in der Vergangenheit ihre Interessen nicht hinreichend berücksichtigt sahen, etwa wenn es ums Bauen oder den Verkehr geht, wie Sandra Perzul sagt: „Was mir dabei wichtig ist: Ich höre mir an, um was es geht, und dann frage ich mich, was kann ich machen oder kann ich aus rechtlichen Gründen nichts machen.“ Die Gemeindeverwaltung befindet sich oft in einem Spannungsverhältnis: Manchmal legen Verwaltung und Bauausschuss das Baurecht restriktiver aus als das Landratsamt, in anderen Fällen wird kritisiert, dass die Gemeinde zu wenig gegen die bauliche Verdichtung tut. Zielscheibe der Kritik ist oft das gemeindliche Bauamt. Dieses nimmt Perzul ausdrücklich in Schutz: „Da wird sehr geschaut, dass es für die Bürger passt.“ Dazu gehöre laut Perzul aber auch, einem Antragsteller zu dessen Schutz gleich zu sagen, wenn etwas aus Sicht der Gemeinde nicht genehmigungsfähig sei.

Eine richtige Sommerpause gibt es für Sandra Perzul nicht, aber Ende August nimmt sie eine Woche Urlaub. Danach geht es weiter: Die konkrete Ausgestaltung der Seeanlagen wird den Gemeinderat ab September beschäftigen, bis zum Neustart im September müsste auch der Container für den Riederauer Kindergarten betriebsbereit sein, und nach wie vor ist Sandra Perzul dabei, sich einen Überblick über alles zu verschaffen: zusammen mit den Referenten in den gemeindlichen Liegenschaften und auch bei Verkehrsschauen an neuralgischen Punkten, die immer wieder für Diskussionen sorgen.

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