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Dießen

14.05.2015

Sogar König Ludwig II. war Kunde

Eröffnung des Dießener Töpfermarktes: Michael May und Marktleiter Wolfgang Lösche (Lösche Fayence) mit  Bürgermeister Herbert Kirsch
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Eröffnung des Dießener Töpfermarktes: Michael May und Marktleiter Wolfgang Lösche (Lösche Fayence) mit  Bürgermeister Herbert Kirsch
Bild: Thorsten Jordan

Schauspielerin Michaela May bei der Eröffnung des Töpfermarktes. Sie stammt aus einer alten Hafner-Familie

„Ich stamme aus einer uralten Hafnerfamilie und bin mit Ton groß geworden“, berichtete Schauspielerin Michaela May am heutigen Donnerstag bei der Eröffnung des 15. Dießener Töpfermarkts. Seit 1670 sei das Hafnerhandwerk in ihrer Familie verbrieft. „Die Arbeit mit Ton gab es für mich als Kind schon am Küchentisch. Wir haben Becher in Würsteltechnik geformt“, so May, die in München und Riederau aufwuchs und regelmäßig in Dießen ist. Hier wohnt ihre Mutter Anneliese Mittermayr im Augustinum. Die 93-jährige Dame ist immer noch künstlerisch aktiv und begleitete ihre Tochter zum Töpfermarkt. Auch Michaela Mays Ehemann, der Regisseur Bernd Schadewald, war dabei.

Michaela May stammt aus der ehemaligen Hafnerei Mittermayr in der Hackenstraße 4 in München. „Der Künstlername May wurde dem Mittermayr entnommen“, erklärte sie. Fast 300 Jahre lang baute das Unternehmen Kachelöfen, auch für illustre Kunden, darunter die Wittelsbacher. Beim Töpfermarkt erinnerte May an den großen Handwerksbetrieb in der Münchner Innenstadt zur „guten alten Zeit“, mit Produktion und Verkauf, mit Pferdeställen und Wagenremisen.

Auch Michaelas Vater Josef Mittermayr arbeitete nach dem Krieg in dem Familienunternehmen, Mutter Anneliese wirkte im Ofenbau mit. „Meine Mutter hat die Kacheln bemalt, aber auch figürlich modelliert“, erzählt May. Josef Mittermayr war als Quereinsteiger in den Hafnerberuf gekommen, stieg in den 1960er Jahren aber wieder aus, um seinem Beruf als Lehrer nachzugehen. Als Studiendirektor übernahm er die Leitung einer Münchner Berufsschule. Anneliese Mittermayr hingegen blieb bei der Arbeit mit Ton; noch heute töpfert sie einmal in der Woche und erinnert sich gern an ihre Jugend in der Hackenstraße. Als die Aufträge weniger wurden, weil die Menschen Heizungen in ihre Häuser einbauten, stellte die Hafnerei Mittermayr ihren Betrieb ein.

Jahrelang befand sich das Familienarchiv der Hafnerfamilie bei Michaela May. Aber, so erzählt die Schauspielerin und Grimme-Preisträgerin, als „68erin“ habe sie die Tradition nie besonders interessiert – bis sie eine Laune des Schicksals 2008 mit dem Bayerischen Wirtschaftsarchiv in Verbindung brachte. Erst dabei habe sie die Begeisterung für die eigene Familienchronik entdeckt, als sie in den vom Vater sorgsam aufbewahrten Familienfundstücken stöberte. „Heute habe ich noch 15 Kisten mit Material“, so Michaela May. Die Handwerksbriefe aus ihrer Familie habe sie der IHK zur Verfügung gestellt.

Und wie war das mit dem Schlafzimmer von König Ludwig II.? „Ja, mein Ur-Großvater hat einen braunen Kachelofen für Ludwigs Schlafgemach gebaut“, erzählt die Schauspielerin. Ein zweiter Kachelofen ihres Ur-Großvaters stehe heute am Ende der Ausstellung auf Schloss Neuschwanstein. „König Ludwig hat ihn bestellt, aber er fand ihn wohl zu kitschig. In einem Brief brachte er zum Ausdruck, dass die Kacheln das falsche Grün hätten“, schmunzelt die Schauspielerin.

Bilder vom Töpfermarkt gibt es hier in der Bildergalerie.

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