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Landsberg

11.10.2019

Soziales Leben in Landsberg: Was gibt es im Westen Neues?

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Im ehemaligen Ulrichsstüberl soll ein Quartiersmanagement für den Landsberger Westen etabliert werden.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Stadträte diskutieren, wie das Leben im Westen der Stadt verbessert werden kann. Wie soll das Konzept einer offenen Mittelschule aufgehen? Und wie sieht man das Thema auf der Straße?

Im Landsberger Westen soll ein Quartiersmanager das soziale Miteinander und das Engagement der Bewohner stärker aktivieren. Eine solche Stelle zu schaffen, beabsichtigt die Stadt schon länger. Aktuelle Neuigkeiten dazu hat es jetzt im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats gegeben.

Dabei ging es auch darum, wo das Quartiersmanagement angesiedelt wird. Bislang sollte dieses in der Mittelschule stationiert werden – vor allem im Hinblick auf das dortige Konzept einer „offenen Schule“. Davon will sich die Stadt jetzt offenbar verabschieden. Als neuer Standort ist ein seit Jahren leer stehendes Geschäftslokal am St.-Ulrich-Platz im Gespräch. Dort hatte sich einst das „Ulrichsstüberl“ befunden. Woher der Sinneswandel kommt? Mathias Rothdach vom Referat für Stadtplanung und Umwelt verwies auf die Einschätzung der Regierung: „Sinnvoll wären ein eigenes Quartiersmanagement und eine eigene Stelle für die offene Schule zu installieren, weil das Dinge sind, die nicht der gleichen Profession zuzuordnen sind.“ Auch wären die Räume in der Schule „sehr bescheiden“, so Rothdach weiter. Als besser geeignet werde das ehemalige Ulrichsstüberl erachtet, das gerade vom Eigentümer saniert werde. Es sei barrierefrei erreichbar, liege zentral im Landsberger Westen und biete dank der großen Schaufenster „sehr viele Möglichkeiten der Kommunikation und des Zusammenkommens“.

Ein Erfahrungsbericht aus Memmingen

Welche Impulse und Aktivitäten davon ausgehen könnten, erläuterte die Soziologin Katrina Dibah-Lavrorante, die in Memmingen als Quartiersmanagerin tätig ist. Dort sei beispielsweise ein Arbeitskreis entstanden, der sich mit der Geschichte des Stadtviertels befasse, ein Stadtteil-Arbeitskreis organisiere Spaziergängergruppen, Feste, Ausflüge, Basare, Infoveranstaltungen, Angebote für Senioren oder ein sogenanntes „Mädchenzimmer“. Ganz wichtig sei es immer auch, die Bewohner zu aktivieren und zu beteiligen, etwa auch bei Bauvorhaben. Ein wichtiger Teil der Stadt-teilarbeit sei auch die Kooperation etwa mit Schulen, Krankenkasse, Künstlern oder Ferienprogramm. Diesen Punkt griff auch gleich Margarita Däubler (SPD) auf: Sie fragte nach Begegnungsmöglichkeiten zwischen Familien und älteren Menschen und Aktionen wie „Urban Gardening“ (Gartenbau in der Stadt). Moritz Hartmann (Grüne) knüpfte ebenfalls beim Stichwort „Kooperation“ an: Gerade Akteure wie das Mehrgenerationenhaus oder die Wohnungsbaugenossenschaft sollten in die Quartiersarbeit miteinbezogen werden. Am Standort Ulrichsstüberl fand er vor allem den „Café-Charakter“ gut.

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Und was ist mit der Mittelschule?

Kritisch sah Doris Baumgartl (UBV) die Abkehr vom Standort Mittelschule: „In Unser Landsberg 2035 wollten wir das doch mit der offenen Schule verbinden und die Mittelschule als Zentrum definieren. Diese haben wir mit einem großen Veranstaltungssaal und einer großen Küche ausgestattet und in die schönen Außenanlagen haben wir viel Geld gesteckt.“ Margarita Däubler setzte Baumgartls Überlegungen fort: „Wir wollten dort das Umfeld einbinden, der offene Pausenhof wird nicht von allein laufen, das ist wie am Pater-Rupert-Mayer-Platz, da hat man ein paar Bänke aufgestellt, aber der bespielt sich nicht von allein.“ Dagegen meinte Moritz Hartmann, ein Quartiersmanager löse die Probleme rund um die Schule nicht. Dort werde ein Streetworker benötigt. Der Ausschuss empfahl dem Stadtrat, das Quartiersmanagement weiterzuverfolgen und die Stelle auszuschreiben.

Ähnlich wie Hartmann argumentierte auch der vom LT befragte Mittelschulrektor Christian Karlstetter. Wo ein Quartiersmanager tätig werde, sei ihm eigentlich egal, sagte er. Ihm gehe es darum, dass jemand ein Auge auf das nicht verschlossene Schulgelände und das Umfeld habe. Am Eingang an der Ostseite habe sich an den Treppen bereits ein „Skaterparadies“ entwickelt, auch erste bauliche Schäden seien entstanden. Am Hindenburgring sei ein beliebter Rauchertreff mit Gettoblaster-Betrieb, mit der Folge, dass sich manche jüngere Schüler nicht durch die Unterführung trauten. Abends werde auf dem Gelände gefeiert. In der Früh lägen Zigarettenkippen, Glasscherben und leere Pizzaschachteln herum. Werden der Hartplatz und der Pausenhof geöffnet, verstärke sich das Problem, befürchtet der Rektor.

Rektor Christian Karlstetter appelliert an den Stadtrat

„Deshalb war meine Bitte, dass die Schule nicht alleingelassen wird“, sagt Karlstetter, „es geht mir dabei nicht nur um den guten Ruf der Mittelschule, sondern auch um das Vermögen der Stadt.“ Die Schule werde künftig noch stärker zum Anziehungspunkt: „Der Skaterpark ist weg, als Nächstes folgt das Jugendzentrum und alle anderen Schulen haben Riesenzäune, wo sollen die Jugendlichen denn sonst hin?“ Wenn das Schulgelände außerhalb der Unterrichtszeiten offenbleiben soll, müsse eine Aufsicht bis spätabends gegeben sein.

Eine Stimme vom St.-Ulrich-Platz

Und wie sehen die Bewohner im Landsberger Westen die Aussicht auf ein Quartiersmanagement? An den vergangenen kühl-regnerischen Tagen war am St.-Ulrich-Platz kaum jemand auf der Straße. Im Buswartehäuschen traf das LT einen Rentner und seine Mutter. Ihnen beiden, die allein in ihren Wohnungen leben, sei es eigentlich nicht langweilig, sagten sie. Und viele Landsberger nutzten schon die vorhandenen Angebote nicht: „Wenn was ist, geht keiner hin, zum Beispiel beim Seniorennachmittag auf der Wiesn“, meinte der Rentner. Ansonsten sei er meistens zu Fuß unterwegs, „da treffe ich immer Leute“. Seine Mutter gehe zu Veranstaltungen der Kirche. Allerdings, das räumt er auch ein: Durch die Bundeswehr hätten die Bewohner schon immer häufig gewechselt, und seit deren Abzug seien viele russisch- oder türkischstämmige Menschen gekommen, zu denen er keinen Kontakt habe.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Der Westen in Landsberg: Wo sich das Leben abspielt

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