Konzert

30.06.2015

Späte Romantik

Auftakt der Konzertreihe in Mariä Himmelfahrt: Daniel Beckmann (links) und Johannes Skudlik.
Bild: Jordan

Beckmann spielt in Landsberg

Mächtig, schwer und laut klangen die Akkorde der Orgel am Samstagvormittag in der Landsberger Stadtpfarrkirche. Der Mainzer Daniel Beckmann hatte das Auftaktkonzert zum 30. Landsberger Orgelsommer in Mariä Himmelfahrt unter den Aspekt spätromantischer, konzertanter Orgelliteratur gestellt und die Kompositionen der hervorragenden Akustik des Kirchenraumes angepasst. Hier können sie wirken, hier können sie sich entwickeln, hier haben sie Luft und Raum. Beckmann ist mit großen Kirchen vertraut. Zwei Orgelgiganten, Max Reger (1873 bis 1916) und Marcel Dupré (1886 bis 1971), hatte Beckmann aufs Programm gesetzt. Die drei Präludien und Fugen aus opus 7 des Franzosen Dupré gehören zu den ganz schwierigen Werken und sie loten die Register der Orgel intensiv aus. Sie lassen die Bässe wummern, die Trompeten strahlen und geizen nicht mit Akkorden. Obwohl sie mit der Bezeichnung „Präludium und Fuge“ in der klassischen Tradition eines Johann Sebastian Bach stehen, sind sie modern, fast avantgardistisch. Die Kompositionen entstanden während Duprés Zeit als Student – der 26-Jährige hatte noch keinen Abschluss – am Pariser Konservatorium im Jahr 1912. Zwei Jahre später sollte Dupré den Prix de Rome bekommen, eine begehrte Auszeichnung für Organisten. Sein Orgellehrer war Alexandre Guilmant, sein Kompositionslehrer Charles-Marie Widor. Namen, die uns in den vergangenen Orgelsommern oft begegnet und auch in diesem Jahr wieder zu hören sind. Nr. 1 beginnt mit großem Pathos, hat orchestralen Charakter, gleichsam wie die anderen beiden Stücke ein sinfonisches Werk für die Orgel. Mit Arpeggien der rechten Hand geht es weiter, um mit gewaltigen Klängen abzuschließen. Nr. 2 ist im Gegensatz zum ersten Werk eher verhalten und lyrisch, lässt Flöten klingen, Nr. 3 bietet zarte, fast ätherische Musik.

Max Regers „Fantasie und Fuge“ aus opus 135b in d-Moll, geschrieben im Jahr 1916, ein Jahr vor seinem Tod und seine letzte bedeutende Orgelkomposition, ist dem Kollegen Richard Strauß gewidmet. Sie ist seismographisch für eine künstlerische Umbruchsituation in Regers Schaffen. Kaskaden von chromatischen Tonfolgen eröffnen die Fantasie. „Keine Note zuviel“, wie Reger seinem Freund Karl Straube schrieb. Beckmann knüpft einen dichten Klangteppich, auf Orgeldonner folgen leise Passagen. Der Stilwechsel von der Spätromantik zur Neuen Musik offenbart sich in diesem Werk. Reger war übrigens beim Wiener Kreis von Arnold Schönberg der meistgespielte Komponist. Das zeigt seine Bedeutung für die moderne Musik. Der Musikwissenschaftler Carl Dalhaus sagte: „Regers Musik hinterläßt, im Unterschied zu der von Mahler oder Berg, bei Hörern, die wenig oder nichts begriffen haben, das ebenso deutliche wie unangenehme Gefühl, daß sie nichts begriffen haben.“ – Viel Applaus für eine furiose erste Matinee des Landsberger Orgelsommers von den rund 120 Zuhörern.

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