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Blaues Haus

30.06.2017

Spannende Widersprüche

Bilder einer Ausstellung von Wahl/Kinau im Blauen Haus in Dießen.
Bild: Michael Fuchs-Gamböck

Hannes Kinau und Christian Wahl stellen aus

Es ist eine spannende Ausstellung, die den Besucher bei der Vernissage im Dießener „Blauen Haus“ erwartet, begleitet am Eröffnungsabend von den so ruppigen wie einfühlsamen Klängen des Cellisten Alexander Sascha Vaymer. Spannend deshalb, weil die zwei bei der Ausstellung vertretenen Künstler zum einen enge Freunde sind. Zum anderen völlig verschiedene Herangehensweisen an ihre kreative Arbeit besitzen.

Beide Artisten leben seit rund zwei Dekaden in der Ammersee-Region, es handelt sich um den gebürtigen Berliner Christian Wahl (76), in Dießen zu Hause, ausgebildeter klassischer Musiker, aber laut eigener Aussage „vor allem leidenschaftlicher Maler“. Und dann der Oberbayer Hannes Kinau (68), in Windach ansässig, pensionierter Kunsterziehungslehrer, der über seine Arbeit feststellt: „Ich arbeite bevorzugt mit schweren Brocken – das war früher Stein, heute ist es ausschließlich Holz. Ich liebe es, wenn mich Material herausfordert“, lacht er.

Wahl und Kinau sind Freunde seit bald 20 Jahren, verbunden im Geist der Kreativität. Jetzt haben die zwei Seelenverwandten ihre erste Gemeinschaftsausstellung organisiert, unter dem lässigen Titel „Cafè Venezia“, die Exponate sind bis einschließlich 9. Juli zu sehen. Unterschiedlicher könnten künstlerische Ansprüche an die eigene Arbeit nicht sein – hier die meist großformatigen „Übermalungen“ von Wahl, der historische wie aktuelle Schwarz-weiß-Fotografien auf Leinwände druckt und ihnen kraft des „Übermalens“ eine ganz neue Interpretation verleiht, nicht selten melancholisch. Dort die vor allem nicht-figürlichen Arbeiten aus verschiedenen Holzarten von Kinau, gerne archaisch. „Hannes hat das klassisch Venezianische“ in sich. Also das Üppige, das Bacchantische, das Lebensbejahende bei aller Tristesse. Hannes ist Chaot wie ich. Und trotzdem ist er vollkommen diszipliniert und organisiert - ebenfalls wie ich -, wenn es um die eigene Arbeit geht. Es bedarf rigoroser Planung, wenn man ein Stück Holz zu einem Stück Kunst gestalten möchte.“

Hannes Kinau meint über seine Kunst: „Ich habe gerne was Handfestes, Starkes, das zur Bearbeitung vor mir liegt. Obwohl Holz durchaus für Überraschungen gut ist: Fäulnis, innere Rinde, Holzwürmer. Es ist schön, sich auf die Unberechenbarkeit des Materials einlassen zu müssen. Eine echte Herausforderung. Es wäre schön, wenn ich mit meinen Werken dieses Überraschende vermitteln kann. Und Christian mit seinen Arbeiten ebenfalls.“

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