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Landsberg

29.10.2019

Stadtmuseum Landsberg: Eine ganze Etage rund um die NS-Zeit

Sonderausstellungen im Erdgeschoss, darüber die Geschichte Landsbergs seit der Stadtgründung und im zweiten Stock das 20. Jahrhundert: So sieht das Konzept für das Landsberger Stadtmuseum aus.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Museumsleiterin Sonia Fischer erklärt, wie sie künftig die Historie der Stadt präsentieren will. Neben den Ereignissen des 20. Jahrhunderts hat sie dabei auch einen Orden im Blick.

Auch wenn es seit der jüngsten Stadtratssitzung ungewisser denn je ist, wann das Neue Stadtmuseum in Landsberg wiedereröffnet werden kann: Zumindest das Konzept für die künftige Präsentation der Stadtgeschichte stößt bei den Stadträten auf weitgehende Zustimmung. Das wurde bei dem Ortstermin im Museum und in der Sitzung selbst deutlich. Kritik äußerte lediglich ein Stadtrat.

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Trotzdem hing das Konzept von Museumsleiterin Sonia Fischer etwas in der Luft. Denn, so wurde in der Sitzung deutlich, ein Abschluss der geplanten Sanierung bis Anfang 2024, die Übergabe für die Landesausstellung „Räuber und Banditen“ und anschließend die neue Dauerausstellung stehen infrage.

Landsberg und die Weltgeschichte

Das von Fischer vorgetragene Konzept gründet auf den baulichen Voraussetzungen im Museumsgebäude. Im Erdgeschoss soll der Platz vor allem für Sonderausstellungen verwendet werden. In den Stockwerken darüber möchte Fischer auf der ersten Ebene eine Gesamtschau von der Gründung der Stadt bis heute geben und im zweiten Obergeschoss erzählen, wie die Landsberger Zeitgeschichte mit der Weltgeschichte verknüpft ist. Dazu soll der Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs über die NS-Zeit (Stichworte Hitlers Festungshaft, Stadt der Jugend, KZ-Außenlager) und die Nachkriegszeit geschlagen werden. Gerade diese Themen hält Fischer für „eine große Chance, viele Besucher zu erreichen“. Dabei solle in einem Raum vermittelt werden, wie die NS-Zeit in Landsberg konkret aussah, und in einem anderen, wie politisch Andersdenkende und jüdische Bürger verfolgt und ausgegrenzt wurden – bis hin zur Vernichtung von Existenzen.

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In einem dritten Raum wolle sie Täter und Verfolgte zusammenführen: durch die Darstellung des DP-Lagers in Landsberg, eines der bedeutendsten in der amerikanischen Besatzungszone, und des Kriegsverbrechergefängnisses.

Auch die eigene Rolle des Museums wird zum Thema

In einem weiteren Raum soll es nicht nur um den wirtschaftlichen Aufbau und die Amerikanisierung der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg gehen, sondern auch um die eigene Rolle des Stadtmuseums. Denn dieses profitierte auch von der Beschlagnahme jüdischer Besitztümer: Auf diesem Wege kam das Museum in das Eigentum zahlreicher Werke der Holzhauser Künstlergruppe „Die Scholle“. Zwischen der Stadt und den jüdischen Erben sei jedoch ein gerichtlicher Vergleich geschlossen worden, der auch nach heutigen Aspekten noch Bestand habe, wie Fischer verdeutlichte.

Um die weitere Geschichte und das Selbstverständnis der Stadt soll es im ersten Stock gehen: Die Stadt und ihre Bauten, das soziale und wirtschaftliche Gefüge, die geistige Prägung und der Naturraum waren dabei Punkte, die Fischer erwähnte. Ein ganzer Raum solle den Jesuiten gewidmet werden, die rund 200 Jahre in der Stadt waren. „Das waren Top-Wissenschaftler“, erklärte Fischer, „das gibt es woanders nicht als Thema, das ist ein Alleinstellungsmerkmal für dieses Museum.“ Ein weiterer Raum stehe unter dem Motto „Salz Macht Wege“.

Stadtrat Weisensee kritisiert "frontale Präsentation"

Im Parterre ist neben Räumen für Sonderausstellungen Platz vorgesehen, um den Besuchern einen „Appetizer“ zu servieren. Ein 15-minütiger Film solle einen Vorgeschmack auf die Ausstellung geben oder bei Stadtführungen ein Fluchtpunkt vor schlechtem Wetter sein.

Während Fischers Konzept ansonsten allgemein Zustimmung fand, stellte Dr. Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) nicht nur den Standort des Museums, sondern auch Fischers Überlegungen zur Präsentation der Stadtgeschichte infrage: „Eine frontale Präsentation ist nicht mehr zeitgemäß. Die Entwicklung geht hin zu einer interaktiven Darstellung, eine Tafel liest heutzutage keiner mehr.“

Sonia Fischer hatte zuvor jedoch nicht nur auf zwei von fünf Preisen verwiesen, die das Stadtmuseum bei dem Kultur-Hackathon „Coding da Vinci“ erhalten hatte. Ein interaktives und audiovisuelles Projekt erzählte dabei die vor rund 300 Jahren auf einer Holztafel mit sieben Kupferstichen dargestellten Biografien von Jesuiten neu.

So viel Geld könnte es kosten

Die Kosten für eine neue Dauerausstellung wurden ganz grob auf rund 2,5 Millionen Euro beziffert. Doch das dürfte der bei Weitem kleinere Teil des Geldes sein, das die Stadt für das Gebäude neben der Heilig-Kreuz-Kirche aufwenden muss. Dazu könnten laut Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) noch vier bis sechs Millionen Euro kommen, die in die Sanierung des Gebäudes gesteckt werden müssen.

Ein bauliches Problem zeigte Museumsleiterin Sonia Fischer gleich zu Beginn des Ortstermins auf, als sie die Stadträte auf die Westseite des Hauses führte. Dort sind großflächige Schäden an der Fassade sichtbar. Diese rührten daher, dass die Fallrohre der Dachrinnen einen zu geringen Querschnitt haben, erklärte Fischer. Bei starken Regenfällen schwappe das Wasser über die Rinnen und treffe auf die Mauern, Lisenen und Fenster.

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