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Landsberg

24.07.2018

Stadttheater: Kultur fast vor der Haustür

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Florian Werner leitet das Stadttheater Landsberg seit fast zehn Jahren. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er über die Herausforderungen des Hauses.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Das Stadttheater Landsberg wird 140 Jahre alt. Theaterleiter Florian Werner über Besucherzahlen, Angebot, Herausforderungen und die Tochter eines berühmten Musikers.

Am Mittwoch, 25. Juli, beginnen die Jubiläumsveranstaltungen zum 140-jährigen Bestehen des Landsberger Stadttheaters. Florian Werner leitet seit 2009 das Haus an der Schlossergasse. Der Intendant ist studierter Theaterwissenschaftler. Alois Kramer sprach mit ihm im sogenannten Theatergarten oberhalb des Foyers.

Herr Werner, Sie feiern ab dem 25. Juli den 140. Geburtstag Ihres Hauses, was bieten Sie den Zuschauern?

Florian Werner: Vor den Veranstaltungen zum 140. des Theaters gibt es noch ein anderes Jubiläum, denn wir haben dieses Jahr 200 Jahre Bayerische Verfassung und 100 Jahre Freistaat. Am 19. Juli war die letzte Performance des Stationentheaters „Komm wir machen eine Revolution“. Zum Theaterjubiläum zeigt der Regisseur Ioan C. Toma als Sommertheater sein antikes Theater-Kabarett-Stück „Sokrates und die Hebammenkunst“ nach Texten von Platon in der alten Übersetzung von Schleiermacher.

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Die alten Texte werden erschreckend aktuell. Wer denkt bei dialogischer Wahrheitssuche nicht an Fake News oder bei machtpolitischer Skrupellosigkeit nicht an das eine oder andere Staatsoberhaupt? Musikalisch feiern wir mit einem Partykonzert der Dachauer Bigband im Foyer. Schließlich konnte Edmund Epple, unser Konzertplaner, die Tochter von Johnny Cash, Rosanne Cash, für einen Auftritt in Landsberg gewinnen. Das Konzert ist übrigens leider schon komplett ausverkauft.

Thema ausverkauft. Wie viele Veranstaltungen gibt es im Stadttheater so aufs ganze Jahr gesehen?

Werner: Wir haben mittlerweile fast 300 Veranstaltungen im Jahr. Das heißt statistisch, das Haus wird etwa sechs Mal in der Woche bespielt oder irgendetwas anderes findet dort statt. Das ist eine maximal gute Auslastung. Seit 2009 leite ich das Stadttheater. Als ich anfing, hatten wir etwa 26.000 bis 27.000 Besucher im Jahr. Jetzt liegen wir bei an die 40.000. Das Theater ist gut verankert im Bewusstsein der Bewohner. Auch neu Zugezogene schätzen das kulturelle Angebot in Landsberg sehr. Das Konzept eines Mehrspartentheaters, auch mit Musik und Film, funktioniert hervorragend. Was Edmund Epple an Musik nach Landsberg holt, ist erstaunlich.

Die Veranstaltungszahlen steigen

Mir liegen neben dem Sprechtheater auch die besonderen Sparten wie Puppen- und Maskentheater sehr am Herzen. Das, was sich Regietheater nennt und sich aus meiner Sicht etwas überlebt hat, scheitert bei uns oft an den technischen Möglichkeiten und am Platz. Die denken und arbeiten immer großvolumig. Neben unseren Veranstaltungen bieten wir den Raum ganz viel anderen Kulturschaffenden für ihre Gastpiele als Einmietungen an, wie jüngst dem Tanzstudio Ammersee. Das ist wichtig, dass es hierfür genug Raum gibt. Es gibt da so viele, daher stiegen ja auch die Veranstaltungszahlen so an. Viele Menschen in Stadt und Umland haben begriffen, dass sie nicht unbedingt nach München fahren müssen, um Kultur zu erleben.

Die Stadt trägt das Haus, gibt’s andere Einnahmequellen?

Werner: Richtig, das schätzen wir sehr, dass die Stadt als Träger hinter uns steht. Aber wir sind dankbar, dass wir auch Sponsoren und Unterstützer haben, die es uns möglich machen, manchmal ganz besondere Abende zu bieten, die halt ihren Preis haben. Unser Förderverein Till (Theater in Landsberg) hat mittlerweile an die 170 Mitglieder. Die tun richtig viel für das Theater. Der „Kaukasische Kreidekreis“ vom Berliner Ensemble und der Auftritt von Rosanne Cash zum Beispiel wären ohne Geld von außerhalb nicht möglich gewesen.

Privatleute und Banken helfen mit

Das ging nur Dank Till und vor allem der Delo-Herold-Stiftung des Ehepaars Herold aus Dießen. Dann gibt es noch die Familie Alexander Holzmann, die seit Jahren privates Geld ins Kinder- und Jugendtheater steckt. Besonders schön ist für uns auch, dass all diese selbst regelmäßig zu Veranstaltungen kommen. Das ist echtes Interesse an der Sache und eine tolle mentale Unterstützung. Nicht zuletzt hilft uns natürlich auch die Sparkasse, unser Sponsor, dauerhaft und dazu die Sparkassenstiftung, die uns beim „Sommertheater“ kräftig unter die Arme greift.

Nach welchen Kriterien suchen sie die Veranstaltungen aus?

Werner: Es muss zu unserem Haus und unserem Publikum passen. Da hilft mir doch tatsächlich mein Studium der Theaterwissenschaften. Ich habe mir dadurch ein gutes Handwerkszeug zugelegt, Stücke und Kulturveranstaltungen zu beurteilen. Ich möchte, dass unser Publikum sowohl Angebote hat, die es möchte, aber auch solche, die es weiterbringt, und sicher auch welche, die es unterhält. Es ist die Mischung, die es ausmacht. Soweit wir es umsetzen können, ist Komplettversorgung das Ziel.

In zwei Jahren wird die Sanierung des alten Stadttheaters 25 Jahr alt. Wie sehen sie das?

Werner: Grundsätzlich ist das Stadttheater toll. Welche Stadt hat so was schon. Aber wir müssen festhalten, dass vor 23 Jahren an vielen Ecken gespart werden musste. Manche Lücke ist nicht schließbar, so zum Beispiel dass die Gastronomie keine Küche hat. Nun ist aber auch Vieles, gerade im Technikbereich, massiv veraltet. Heute kommen auch viele neue Regelungen dazu, ich erwähne hier nur den Brandschutz, die erfüllt werden müssen. Das kostet natürlich Geld. Ich hoffe nicht, dass wir demnächst in einen Investitionsstau geraten.

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