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Landsberg

18.02.2019

Stalker vor Gericht: Bis zu 109 Anrufe bei der Ex - pro Tag

Weil er seine Ex-Freundin ständig angerufen hat, musste sich ein 56-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht Landsberg verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Wegen Telefonterrors muss sich ein 56-Jähriger vor dem Landsberger Amtsgericht verantworten. Zur Verhandlung erscheint der Mann mit ordentlich Restalkohol.

„Setzen Sie sich doch bitte auf der Anklagebank ganz nach hinten. Sonst fällt meine Protollführerin um.“ Dies riet der Richter Alexander Kessler gestern einem 56-jährigen Angeklagten vor dem Amtsgericht Landsberg. Dort musste sich der Mann wegen Telefonterrors gegenüber seiner ehemaligen Partnerin verantworten.

Zehn Minuten vor Beginn der Verhandlung war Alexander Kessler telefonisch signalisiert worden, dass der Mann ziemlich nach Alkohol riechen würde. Das war in der Tat der Fall: Bei einer flugs von der Polizei vorgenommenen Kontrolle ergab sich ein Atemalkoholwert von 0,94 Promille. Trotzdem waren sich der vorsitzende Richter und der Beschuldigte einig, dass der Mann verhandlungsfähig sei.

Mit fast einem Promille im Gerichtssaal

Ihm wurde von Staatsanwalt Konstantin Huber angelastet, dass er eine 60-jährige Frau zwischen Januar und Juli 2018 mit einer Unmenge von Handy-Anrufen bombardiert haben soll. Tagsüber und mitunter mitten in der Nacht soll er sie ständig angerufen haben, obwohl sie ihm klipp und klar mitgeteilt hatte, dass sie das nicht möchte. Im Herbst 2017, so die Anklageschrift, hatten die beiden zwei Monate eine Liebesbeziehung geführt. Dann wollte die Frau nichts mehr von ihm wissen.

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Der 56-Jährige, der seit 15 Jahren alleine in einer Kellerwohnung in einer Gemeinde im nördlichen Landkreis lebt, wollte das Aus aber nicht wahrhaben. Er rief ständig bei seiner Ex an – an einem Tag waren es sogar 109 Anrufe. Ein anderes Mal soll er in einer Woche über 300-Mal versucht haben, die Frau zu erreichen. Selbst als sie ihre Nummer wechselte, hatte die Frau keine Ruhe vor dem Mann. Es bimmelte weiter – nach wie vor auch zu den unmöglichsten Zeiten.

Am Wochenende betrinkt sich der Mann regelmäßig

Warum er denn so mitteilungsbedürftig gewesen sei, wollte Staatsanwalt Konstantin Huber vom Angeklagten wissen. Der druckste zunächst ein wenig herum, ehe er lapidar meinte: „Ich bin in dieser Beziehung krank im Kopf.“ Bei dieser Gelegenheit räumte er ein, dass er ein Alkoholproblem habe – aber nur noch am Wochenende, wie er sagte. Seit Oktober 2018 stehe er wieder in Lohn und Brot. Seither greife er nur noch von Samstagnachmittag bis spät in die Nacht zum Sonntag hinein zur Flasche. Wodka sei bei ihm gefragt. Damit betrinke er sich bis zur Kante, bestätigte er dem Richter. Der riet dem Angeklagten, der nicht vorbestraft ist, schleunigst etwas gegen seine Alkoholabhängigkeit zu unternehmen, wenn er nicht eines Tages im Gefängnis landen wolle.

Der Mann hat hohe Schulden

Zudem forderte der Richter Alexander Kessler den Mann auf, die Meinung von anderen Leuten zu respektieren. Konkret: Die Hinweise seiner ehemaligen Freundin, dass er keinen Kontakt mehr mit ihr aufnehmen solle, hätte er nicht in den Wind schlagen dürfen. Der Mann, der nach eigenen Angaben einen hohen Schuldenberg mit sich herumschleppt, hat mittlerweile Privatinsolvenz beantragt. Sonst wäre das Urteil, eine Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro, vermutlich höher ausgefallen. Richter und Staatsanwalt bewegten sich hierbei auf einer Linie. Hinzu kommen die Kosten des Verfahrens, das bereits als abgeschlossen gilt. (eh)

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