1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Startet Kapitän Reisch bald mit einer neuen "Lifeline"?

Landsberg

21.08.2018

Startet Kapitän Reisch bald mit einer neuen "Lifeline"?

Flüchtlingsretter Claus-Peter Reisch (links) und Mitstreiter Martin Ernst sammeln fleißig Spenden für ein neues Schiff.
Bild: Thorsten Jordan

Die Organisation "Mission Lifeline" sammelt Geld für ein neues Rettungsschiff. Der Landsberger Kapitän Claus-Peter Reisch steht am Donnerstag wieder vor Gericht.

Vor dem Termin mit unserer Redaktion hat Claus Peter Reisch schon mit zwei Journalistinnen aus Stuttgart gesprochen. Während des Interviews meldet sich das Vorzimmer des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Am Samstag wird der Kapitän der „Lifeline“ auf der Demo der Organisation Seebrücke in München auftreten – vorausgesetzt er kann wie erwartet nach einem Gerichtstermin auf Malta am Freitag wieder nach Landsberg zurückkehren.

Der Seenotretter, der mit seiner Crew 234 Flüchtlinge vor Libyen gerettet und tagelang vor Malta gelegen hatte - ohne Erlaubnis, die Menschen an Land zu bringen -, ist weiterhin ein gefragter Gesprächspartner. Manchmal sucht er aber auch das Gespräch: Der 57-Jährige versuchte schon früher Spenden für die Seenotrettung zu akquirieren und verstärkt dies nun. Denn die Hilfsorganisation „Mission Lifeline“ will ein neues Schiff kaufen. Und das nicht, weil die „Lifeline“ nicht mehr tauglich ist. „Wir haben ein Bombenschiff“, sagen Reisch und sein Erster Offizier Martin Ernst im Gespräch. Doch der ehemalige Fischkutter liegt im Hafen von Valletta und ist beschlagnahmt.

Reisch: Die Argumentation der Behörden ist vorgeschoben

Denn dem Landsberger wird in Malta der Prozess gemacht, da die „Lifeline“ nach Auffassung der Anklage nicht die richtigen Papiere hat. Sie fährt unter niederländischer Flagge mit einem Zertifikat des dortigen Wassersportverbandes. Reisch hält die Argumentation für vorgeschoben. „Bei uns wäre das eine Ordnungswidrigkeit.“ Für ihn geht es nur darum, die Seenotretter zu blockieren: Auch das Schiff Sea-Watch III, das ganz anders zertifiziert ist, und das Flugzeug Moonbird dürfen nicht starten, wie Reisch erzählt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Reisch und Ernst glauben auch nicht daran, dass sich dies so schnell ändern wird: Selbst wenn am 11. September - wie geplant - ein Urteil gesprochen wird, prognostizieren sie, dass die juristischen Auseinandersetzungen weitergehen werden. Reisch selbst hatte schon gesagt, dass er bei einer Verurteilung in die Zweite Instanz gehen werde. Er glaubt aber auch, dass dies die gegnerische Seite tun wird, sollte er freigesprochen werden.

Mehrere Promis helfen Reisch

So oder so, die Lifeline wird nach Meinung der "Mission-Lifeline"-Mitglieder so schnell nicht wieder losfahren. Also bemüht sich die Dresdener Hilfsorganisation um ein neues Schiff. Wer Interesse hat, kann auf der Homepage beobachten, wie viele Spenden eingegangen sind. Mit über 300.000 Euro sind rund 63 Prozent der benötigten Summe erreicht. Und Claus Peter Reisch versucht, Menschen zu Geldgaben zu bewegen. Sänger Udo Lindenberg hat er einfach ein Fax geschickt, und auch die Kabarettisten Urban Priol und Christoph Sieber angeschrieben. Unterstützung gab es auch für Reisch in der Rechtssache: Der Satiriker Jan Böhmermann sammelte 200.000 Euro und Kollege Klaas Heufer-Umlauf kam mit dem Spendenaufruf „Jetzt retten wir“ auf 185.000 Euro.

"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch ist in München gelandet. In einer Erklärung erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union. Seit Stopp der Seenotrettung sind 277 Menschen ertrunken.
Video: dpa

Grundsätzlich macht es Reisch seine derzeitige Bekanntheit natürlich leichter, eine Gelegenheit zu bekommen, von seinen Erfahrungen zu berichten. Nicht nur auf Demonstrationen pro Seenotrettung ist er zu Gast, am 13. September, ist er zum SWR Nachtcafé eingeladen. Das Thema sei „Gewissensentscheidungen“, so Reisch. Auch das Bayerische Fernsehen will ihn in der Reihe Lebenslinien porträtieren. Und nächsten Mittwoch ist er bei Bodo Ramelow in Erfurt zum Gespräch. „Ministerpräsident Söder hat mich nicht eingeladen“, so Reisch. Dafür haben die Lifeline-Seenotretter Bundesinnenminister Horst Seehofer zu sich eingeladen.

Reisch freut sich über die positive Resonanz auch auf vielen Veranstaltungen. Am Donnerstag muss er sich jedoch noch einmal mit Negativem auseinandersetzen: Um 10 Uhr ist der nächste Gerichtstermin in Valletta. Begleiten wird ihn der Landsberger Stadtrat Stefan Meiser. Dem ÖDP-Politiker ist es ein Anliegen, Solidarität zu beweisen und dort auch der Crew der "Lifeline" seinen Dank auszusprechen. „Ich werde auch das Schiff besuchen", so Meiser. Er hatte Reisch für den Ehrenring der Stadt Landsberg vorgeschlagen und war damit an die Öffentlichkeit gegangen, was zu politischen Querelen führte. Persönlich kennengelernt hat Meiser Reisch und dessen Erster Offizier Ernst bei der gemeinsamen Fahrt zum Augsburger Friedensfest. Dort gab es laut Meiser auch das Modell eines Flüchtlingsbootes zu sehen. „Man muss sich vorstellen, dass die Menschen in diesen Plastikteilen unterwegs sind. Ich bin selber Segler und weiß, wie selbst die Adria schon sein kann.“

Mit Claus-Peter Reisch haben wir jüngst auch für unseren Podcast gesprochen. Hier können Sie reinhören:

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Claus-Peter Reisch wird vorgeworfen, das Rettungsschiff «Lifeline» ohne ordnungsgemäße Registrierung in maltesische Gewässer gesteuert zu haben. Foto: Matthias Balk
Landsberg

Prozess gegen "Lifeline"-Kapitän: Urteil schon im September?

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden