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Landkreis Landsberg

22.01.2019

Streamen oder doch lieber ins Kino?

Julia Anders aus Eresing nutzt Streamingdienste. Die 19-Jährige schätzt daran, dass sie jederzeit genau das anschauen kann, was sie sehen will.
Bild: Thorsten Jordan

 Dienste wie Netflix und Amazon Prime bekommen immer mehr Abonnenten. Wie sich das auf die Kinobranche auswirkt und wie junge Leute aus dem Landkreis Filme und Serien schauen.

Ein Kinoticket kostet durchschnittlich 8,63 Euro (Quelle Statista 2017). Für einen Streaming-Dienst wie Netflix zahlt man pro Monat 7,99 Euro, um dann unbegrenzt Filme und Serien sehen zu können. Besonders junge Menschen nutzen sogenannte Video-on-Demand-Angebote, also die Möglichkeit, Videos über einen Online-Dienst direkt anzusehen. Deshalb stellt sich die Frage, wie sehr Streaming-Dienste zur Konkurrenz für das klassische Filmmedium Kino geworden sind.

„Ich gehe ungefähr einmal im Monat ins Kino“, sagt Verena Storhas aus Landsberg. „Dass ich nicht öfter gehe, liegt am Geld. Für jeden Kinobesuch zahlt man fast zehn Euro“, sagt die Studentin. „Das Angebot bei Streaming-Diensten wie Amazon Prime Video ist einfach so groß. Es ist günstiger, bequemer und vor allem spontaner als Kino.“ Das Kino habe aber einen größeren Erlebnisfaktor. „Die große Leinwand und die Akustik sind schon besonders. Für mich gehört aber zum Konzept Kino auch dazu, den Film mit Freunden zu sehen.“

Auch in Landsberg gibt es bald noch mehr Filme als sonst

Bei den Streaming-Diensten gibt es nicht nur Kinoproduktionen zu sehen, sondern auch Filme von unabhängigen Filmemachern. Doch nicht nur online kann man diese Filme sehen, sondern auch in Landsberg. Dieses Wochenende startet das Snowdance Independent Film Festival. Dort werden Filme gezeigt, die mit wenig oder keiner staatlichen Förderung produziert wurden. Ist eine solche Veranstaltung interessant für junge Besucher? Wie oft gehen junge Menschen aus dem Landkreis noch ins Kino? Und wie oft nutzt die Jugend Streaming-Dienste? Filmfestivals wie Snowdance sieht Verena Storhas als Ergänzung zum Kino. „Es werden Filme gezeigt, die keine großen Blockbuster-Produktionen sind. Ich habe vergangenes Jahr einen Film gesehen, der mich besonders durch die gewählten Kameraperspektiven, überzeugt hat. Es werden Filme gezeigt, die thematisch anders und vielfältiger sind.“ Deshalb will die 19-Jährige auch dieses Jahr Snowdance wieder besuchen.

Der finanzielle Aufwand ist höher

Der 20-jährige Moritz Haisch aus Landsberg hat zwar selbst keinen Zugriff auf Streaming-Dienste, öfters ins Kino gehe er aber deshalb nicht. „Höchstens alle drei Monate“, sagt er. Das würde vor allem am „finanziellen und zeitlichen Mehraufwand“ gegenüber dem Heimkino liegen. „Zu streamen ist auf Dauer zwar günstiger, aber dafür ist ein Kinobesuch für mich noch mal was ganz anderes. Es ist ein Erlebnis. Man kann durch die große Leinwand und den ordentlichen Ton den Film richtig auf sich wirken lassen.“ Moritz Haisch findet das Schöne an Film-Festivals wie Snowdance, dass dort Werke von weniger bekannten Künstlern zu sehen sind. „Oft behandeln die Filme andere Themen, die nicht dem Massengeschmack entsprechen.“ Er selbst hat die vergangenen Jahre auch ein paar Filme bei Snowdance angeschaut.

Die 19-jährige Julia Anders aus Eresing geht nicht oft ins Kino. „Ich gehe nur dann, wenn Filme laufen, die ich unbedingt sehen will. Vielleicht sechs Mal im Jahr. Ansonsten warte ich, bis sie online verfügbar sind.“ Dafür würde sie jeden Tag streamen. „Auf Netflix kann ich jederzeit genau das anschauen, was ich will. Das ist einfach ein Vorteil gegenüber dem Kino.“ Streamen würde sie hauptsächlich alleine, während Kino für sie eine Gemeinschaftsaktivität sei. „Man geht mit seiner Familie oder Freunden ins Kino.“

Die Jungen kommen nicht mehr so oft ins Kino

Rudolf Gilk vom Olympia Filmtheater in Landsberg sagt, er spüre keinen Rückgang bei den Kinobesuchern. Das würde aber auch daran liegen, dass sein Kino generell eher ältere Menschen besuchen. „Früher gab es in unserem Kinobetrieb eine Sommerflaute, aber durch das Open-Air-Kino sind die Besucherzahlen mittlerweile das Jahr über konstant.“ Streaming sehe er, im Hinblick auf die jüngeren Kinogänger, aber schon als Konkurrenz für den klassischen Betrieb.

Im Cineplex Penzing gebe es viele verschiedene Angebote für Kinobesucher, wie zum Beispiel die Ladies First Preview oder die „Echte-Kerle“-Preview, „um das Angebot immer attraktiv zu halten“, sagt Oliver Kühne. Er ist Bezirks- und Vertriebsleiter der Kinogruppe Rusch. Da das Kino ein ausgewogenes und vielfältiges Filmangebot habe, sei kein Rückgang bei den Besucherzahlen zu spüren. „Wir haben von Kinderfilmen bis zum Kulturprogramm alles. Teilweise haben wir 45 unterschiedliche Filme im Programm. Da ist dann für jeden was dabei.“ Angebote wie Netflix sehe er nicht als Konkurrenz, da das Kinoerlebnis seiner Meinung nach einfach besser sei. Vielmehr sehe er Streaming-Dienste wie auch DVDs als Unterstützung für den Kinobetrieb an, da diese viele Kinofilme übernehmen würden.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Streamen und Kino: Beides hat was

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