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Windkraft

24.02.2014

„Streitgespräch“ mit wenig Streit

Teilnehmer der Diskussion waren unter anderen (von links): Martin Stümpfig, Thomas Frey, Robert Sing, Erwin Karg, Viktoria Horber, Norbert Schön, Albert Rösch und Wolfgang Michalke.

120 Besucher und zehn Fachleute bei der Podiumsdiskussion in der Fuchstalhalle

Fuchstal Als ein Streitgespräch zu einem Thema, das die Gemüter erregt, war die Podiumsdiskussion der Landsberger Grünen angekündigt worden. Davon war in der Fuchstalhalle nicht viel zu spüren. Gegner des Windparks der Gemeinden Denklingen und Fuchstal waren nur vereinzelt erschienen. Die etwa 120 Besucher wurden von zehn Fachleuten aus unterschiedlichen Perspektiven informiert.

Grünen-Landratskandidatin Renate Standfest war es, die Argumente der Bürgerinitiative „Wald-Windkraft-Wahnsinn“ vorstellte. Die Einladung zur Teilnahme auf dem Podium hätten die Verantwortlichen der Initiative ausgeschlagen, so Standfest. Dietmar Loose, Bürgermeister aus Unterdießen, der als Gegenpart eingeladen worden war, schränkte ein, er habe nicht grundsätzlich etwas gegen die Windkraft. Ganz persönlich bedauere er es aber, wenn man Eingriffe in das größte geschlossene Waldgebiet Südbayerns vornehme. Er befürchte, dass angesichts günstiger Rahmenbedingungen langfristig die Zahl der Windräder noch höher als angedacht ausfallen könnte.

Der Wald und die Anlagen

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Im Interesse der Energiewende müsse man Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes hinnehmen, waren sich die übrigen Podiumsteilnehmer einig. Thomas Frey vom Bund Naturschutz ging auf die Zustimmung seines Verbandes zu den früher einmal in Bayern geplanten 1500 Anlagen ein. Den Sachsenrieder Forst halte man in Abwägung aller Belange „für einen besonders geeigneten Standort“. Revierförster Ludwig Pertl lobte den im Vergleich zur benötigten Fläche hohen Ertrag der Windräder. Der Wald könne die Aufstellung auf jeden Fall verkraften, meinte er. Einig war man sich in der Kritik an der Politik der Staatsregierung. Der Ministerpräsident habe die ursprüngliche Zielsetzung „scheibchenweise gemeuchelt und gemordet“, so Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg. Auch CSU-Bürgermeister Norbert Schön aus Zöschingen, das über einen Windpark mit acht Anlagen verfügt, erklärte, dass er den Kurswechsel bedauere. Deutlich wurde Landtagsabgeordneter Martin Stümpfig, der energiepolitische Sprecher Bündnis90/Die Grünen. Er habe sich nicht träumen lassen, dass „so leichtfertig das kaputt gemacht“ werde, was jahrelang aufgebaut wurde. Der geplante Fuchstaler Windpark falle unter den Vertrauensschutz, meinte er, schließlich lebe man ja „in keiner Bananenrepublik“.

Unter anderem an Bürgermeister Karg, der erklärt hatte, er glaube derzeit überhaupt nicht mehr an eine Verwirklichung, richtete Stümpfig die Aufforderung, man dürfe angesichts der guten Rahmenbedingungen nicht „die Flinte ins Korn werfen“. Wolfgang Michalke von der Gesellschaft „Windstrom Süd“ sprach von einer zufriedenstellenden Rendite des eingesetzten Kapitals, und Albert Rösch stellte das genossenschaftliche Beteiligungsmodell an der Erzeugung erneuerbarer Energien der „VR-BürgerEnergie“ vor. Einer der rund ein Dutzend Fragesteller wollte von Bürgermeisterin Viktoria Horber die von Denklingen beabsichtigte Anzahl von Windrädern erfahren, in Fuchstal hatte man sich für fünf ausgesprochen. Dies werde der neue Gemeinderat festlegen, sagte sie. Früher habe man gemeinsam mit Fuchstal 18 Anlagen für notwendig gehalten, um die in beiden Gemeinden benötigte Strommenge zu erzeugen. Die Bedenken eines anderen Besuchers wegen einer seiner Ansicht nach hohen Brandgefahr entgegnete Planer Robert Sing mit dem Hinweis auf die für eine Anlage fällige Prämie der Haftpflichtversicherung. Der vergleichsweise niedrige Betrag von 200 Euro im Jahr zeige, wie gering das Risiko auch von den Versicherern eingeschätzt werde, meinte er.

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