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Dießen

09.02.2018

Stuckenberger und die Dießener Bäche

Herwig Stuckenberger vom Verein Kulturlandschaft Ammersee hat eine Dokumentation der Dießener Bäche verfasst. Hier steht er an der Abzweigung des Feuerkanals vom Mühlbach südwestlich des Klosterhofs.
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Herwig Stuckenberger vom Verein Kulturlandschaft Ammersee hat eine Dokumentation der Dießener Bäche verfasst. Hier steht er an der Abzweigung des Feuerkanals vom Mühlbach südwestlich des Klosterhofs.
Bild: Uschi Nagl

Buch des Heimatforschers dokumentiert, wie sie entstanden sind und welche Funktion der Mensch ihnen gab. Und was es mit der Wasserkraft auf sich hat

Bis heute prägen Bäche und Weiher die Landschaft in und um Dießen. Ihre Quellen liefern Trinkwasser und Energie zur Stromerzeugung. In der Vergangenheit trugen die Gewässer maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Marktgemeinde bei. Heimatforscher Herwig Stuckenberger hat nun zu diesem Thema eine kenntnisreiche und reich bebilderte Broschüre vorgelegt. Herausgeber ist der Verein Kulturlandschaft Ammersee-Lech. Gefördert wurde die Publikation durch das Leader-Programm.

Auf 66 Seiten berichtet Stuckenberger über „Die Dießener Bäche“, die er aus heutiger Sicht auch als „Elemente der Kulturlandschaft“ versteht. Im Mittelpunkt steht die Entstehungsgeschichte des Bächesystems, dessen Umbau durch das Kloster Dießen und die heutige Nutzung der Gewässer. Das Cover des DIN-A4 Formats ziert eine herbstliche Aufnahme des romantischen Nixenweihers, die Rückseite illustriert eine historische Schwarz-Weiß-Aufnahme des Mühlbachs.

Der Urbach verlief von St. Alban zum Seehof

Gebildet, so Stuckenberger, haben sich die Bäche durch das Schmelzwasser der Gletscher in der Würmeiszeit. Der Dießener Urbach, der einst zwischen dem heutigen Seehof und St. Alban von Norden nach Süden verlief, bildete mehrere Weiher. Der Metzgerweiher oder der Romenthalweiher bestehen in veränderter Form bis heute. Im heutigen St. Georgen erfolgte vor zirka 2000 Jahren der Durchbruch des Urbachs nach Osten, der Tiefenbach entstand, von dem später durch das Kloster Diessen der heutige Mühlbach abgezweigt wurde.

„Seit der Gründung im Jahr 1132 bis zur Säkularisation hat das Augustiner-Chorherrenstift das Bächesystem in Dießen im großen Stil umgestaltet und dessen Ausbau und Nutzung maßgeblich geprägt“, so Stuckenberger. Mühlen und Schmieden nutzten die Wasserkraft, Fischweiher wurden befüllt, insbesondere der Metzgerweiher lieferte im Winter das Eis, mit dem das Bier in den Bierkellern gekühlt wurde.

Sogar für Baumaterial sorgten die Gewässer: In Lachen, am heutigen Albangraben, bildeten sich große Tuffvorkommen, die als begehrtes Baumaterial noch im 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Ebenso wie an der nördlichen Umwallung des heutigen Metzgerweihers, wo lange Zeit der Abbau von Tuffstein für den Hausbau betrieben wurde. So wurde das größte Gebäude Dießens, das ehemalige Kloster St. Vinzenz, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu hundert Prozent aus Tuffstein erbaut.

Am Kalkofenbach in Wengen wurde ein Kalkofen betrieben

Am Kalkofenbach in Wengen, so Stuckenberger, wurde ein Kalkofen betrieben, er lieferte die Grundlage für den typischen Kalkanstrich und die Herstellung von Mörtel. Besondere Bedeutung kam natürlich der Ableitung des Mühlbachs vom Tiefenbach zu: Er stärkte die wirtschaftliche Entwicklung des Klosters und in seinem weiteren Verlauf zum See natürlich auch die Entwicklung des Handwerks in Dießen.

Von zirka 1462 bis zum Jahr 1700 stand am Kirchsteig eine Kugelschmiede, die mit der Wasserkraft des Mühlbachs betrieben wurde. In Fließrichtung des Baches folgten weitere neun Sägewerke und Mühlen bis hinunter zum Untermüllerplatz. Hier stand die Untermühle, die bis 1909 mit einem Wasserrad betrieben und 1975 abgebrochen wurde. Zahlreiche Fischweiher, die ab dem Jahr 1580 urkundlich nachweisbar sind, prägten – auch nördlich der Mühlstraße – das Ortsbild von Dießen. Einige wenige sind noch heute entlang des Mühlbachs an der Reitstege zu bewundern.

Der Feuerbach versorgte die Klosterökonomie

Die letzte große Baumaßnahme der Augustiner Chorherren am Bächesystem war der Bau des sogenannten Feuerkanals: Der unterirdische Kanal zweigt – kaum sichtbar – in der südwestlichen Ecke des Klosterhofs vom Mühlbach ab. Er diente der Wasserversorgung der Klosterökonomie und der Stallungen auf der Westseite des Klosterhofs. Die schönsten Kindheitserinnerungen an die Bäche von Dießen sind für Herwig Stuckenberger mit Bischofsrieder Bach verbunden. In Bischofsried, erinnert sich der Pensionär, habe es früher noch ein Wirtshaus gegeben, das er sonntags gerne mit seiner Mutter besucht habe. „Die Spaziergänge am Bach entlang waren immer wieder ein wunderschönes Erlebnis.“

Abgabe Die Broschüre „Die Bäche von Dießen“ ist kostenlos in der Geschäftsstelle des Ammerseekuriers, Fischerei 18, erhältlich. Eine freiwillige Spende kommt dem Verein Kulturlandschaft Ammersee-Lech zugute.

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