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Landsberg

26.04.2020

Tätowierer in der Krise: Die Nadel surrt nicht mehr

Tätowierer Bene Bader aus Landsberg darf sein Studio noch nicht aufmachen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Auch Tattoostudios dürfen wegen der Corona-Krise nicht öffnen. Zwei Tätowierer aus dem Landkreis erzählen, wie sie die Situation meistern und sie die freie Zeit nutzen.

Es ist still geworden in den Tattoostudios im Landkreis. Die Nadel surrt nicht mehr. Kunden, die vor Wochen begonnen haben, sich großflächige Tattoos stechen zu lassen – dafür werden mehrere Sitzungen benötigt – würden ihre halbfertigen Werke gerne beendet sehen. Aber wann die Studios wieder öffnen dürfen, ist derzeit völlig unklar. Auch die Tätowierer Sabine Nagel aus Dießen und Bene Bader aus Landsberg tun sich schwer mit einer Einschätzung.

Mit Blick auf Österreich hofft Bader auf eine Öffnung noch im Mai. Mithilfe der Soforthilfe und viel Unterstützung durch Eltern und Sponsoren könne er maximal noch bis Juni durchhalten. Seine zwei Mitarbeiter seien derzeit in Kurzarbeit. 30 Tätowierer aus aller Herren Länder, viele aus Portugal und Brasilien, beschäftigt Bader zudem übers Jahr. Diejenigen, die zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen da waren, mussten eilig in ihre Heimatländer ausfliegen und sich dort erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Ihre Aufträge und auch die von Bader – die Auftragsbücher waren für fast neun Monate gut gefüllt – sind komplett weggebrochen. „Ich tätowiere seit 20 Jahren, und jetzt waren wir gerade mal richtig gut aufgestellt. Dass jetzt alles wegbricht, ist der Oberhammer.“

Sabine Nagel aus Dießen hat dieses Tattoo entworfen. Es trägt den Titel "Santa Muerte" (heiliger Tod).
Bild: Sabine Nagel

Auch wenn die Kunden drängeln: Neue Termine können Tätowierer wie Sabine Nagel und Bene Bader derzeit nicht vereinbaren. Und genau darin sieht Nagel eine große Gefahr für die Gesundheit von Kunden, die mit dem Tattoo stechen nicht länger warten wollen. „Der Shutdown spielt den Hinterhoftätowierern in die Hände. Die arbeiten oft schwarz und werden nicht vom Gesundheitsamt überwacht“, sagt Nagel. So könnten Krankheiten übertragen werden oder Entzündungen entstehen.

Diese Tätowierer hielten sich auch nicht an die strengen Regeln und Hygieneauflagen, die ein Studio einhalten müsse. Dazu zählt, dass alle Flächen gut zu desinfizieren sind, Teppiche sind tabu, ein Betriebstagebuch muss geführt und mit Handschuhen gearbeitet werden. Nagel hat darüber hinaus eingeführt, dass der Arbeitsbereich nicht mit Straßenschuhen betreten werden darf. Dass eine Maskenpflicht für Tätowierer kommen wird, damit rechnen Nagel und Bader. „Das ist kein Problem, wir sind das schon gewohnt und haben immer Masken da“, sagt Bader.

Nur ein bis zwei Kunden pro Tag werden tätowiert, Laufkundschaft gebe es nicht. So gibt es keine Begegnung zwischen Kunden und das Arbeiten geschehe hochsteril, darauf verweisen beide Tätowierer – und bedauern sehr, dass sie nicht gleichzeitig mit den Friseuren wieder öffnen dürfen. „Die Leute haben jetzt Zeit und beschäftigen sich mit Motiven, gerade junge Leute wollen nicht warten“, hat Sabine Nagel beobachtet.

Alle Messen wurden bereits abgesagt

Das Schlimmste ist für Bene Bader derzeit die Ungewissheit. „Wenn es wenigstens einen Wiedereröffnungstermin gäbe, dann könnten wir planen.“ Von Messe zu Messe, nach New York, Barcelona, Moskau und Bergen, wäre er heuer noch gereist – alles abgesagt. So bleibe ihm jetzt mehr Zeit für das kleine Töchterchen, das Lager ist wieder gefüllt, das Studio wurde ausgemistet und auf Vordermann gebracht und zudem schiebt Bader gerade ein weiteres Fernsehprojekt für einen Privatsender mit dem bekannten Tätowierer Randy Engelhard aus Zwickau an. Die kreative Arbeit des Motivstechens fehlt den beiden Tätowierern sehr – etwas Abhilfe schaffe da das Zeichnen. Kundenwünsche werden zuerst in Zeichnungen umgesetzt, bevor sie als Hautkunstwerk entstehen. Und Nagel ist zudem mit dem Fotoapparat unterwegs auf Motivsuche.

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