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Landsberg

02.12.2019

Tanztheater in Landsberg: Wenn der Körper spricht

David Hughes und Gwendolyn Berwick tanzten gemeinsam unter anderem zu abstrakt-elektronischen Klängen.
Bild: Christian Rudnik

Plus Die David Hughes Company gastiert mit modernem Tanztheater in Landsberg. Der Inhalt des Programmhefts stört den Kunstgenuss.

Nur ein einzelner Körper und sein Schatten. Das ist nicht viel auf einer großen Bühne. Keine Worte, kein Bühnenbild, nur ein Hocker als Requisite. Ein einzelner, nicht mehr ganz junger Mann, der sich nach den Talkings Heads, nach Debussy und Mahler sowie nach modernen Klängen bewegt, nicht im Rhythmus, sondern expressiv. Solistischer Ausdruckstanz. Keine oberflächliche Unterhaltung also, sondern individuelles, künstlerisches Darstellen von Gefühlen und Geschichten. Nur der Körper als Sprache. Das und noch mehr war im Landsberger Stadttheater zu sehen.

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Nun ist der Mann nicht irgendwer, sondern David Hughes, ein langjähriger, international erfahrener Tänzer und Direktor einer kleinen eigenen Dance Company in Edinburgh. Zwei der vier jeweils rund 15 Minuten dauernden Stücke tanzte Hughes im Duett mit seiner Tanzpartnerin Gwendolyn Berwick: So kommt das Element der (getanzten) zwischenmenschlichen Kommunikation hinzu.

Schattenspiele im Hintergrund

Im ersten Stück „Fragile Pilgrim“ – laut Veranstalter Roland Grevesmühl von „bussarts“ eine Welturaufführung – startet Hughes zu „Road to Nowhere“ sowie „Once in a Lifetime“ von den Talking Heads. Wer die Texte der amerikanischen New-Wave-Band aus den 1980er-Jahren um den Künstler David Byrne kennt, fällt es leicht, Hughes tastende Bewegungen in einen suchenden Kontext zu bringen. Schön dazu die Verdopplung des Tanzes durch die Schattenspiele des Tänzers im Hintergrund.

Tanztheater in Landsberg: Wenn der Körper spricht

Ansonsten sind die ausführlichen Interpretationen und Hintergrundgeschichten im Programmheft dem sinnlichen Genuss eher hinderlich. Die Geschichte der Untreue des heiligen Sebastian aus dem dritten Jahrhundert (Stück drei) irritiert als Information, da braucht es wohl ausgewiesene Kennerschaft des modernen Tanzes, um diese Feinheiten auf der Bühne zu sehen. Das ist mit modernem Tanz nicht anders als mit moderner Kunst, die ohne viel Hintergrundinformationen mit dem Betrachter interagieren kann, und zwar subjektiv. Das Programmheft gibt so eine Sicht der Dinge vor, die nicht für jeden unmittelbar ersichtlich ist und von der eigenen Interpretation eher ablenkt.

Ein ästhetischer Genuss

Höhepunkt war das letzte Stück „soft centre“, das Hughes gemeinsam mit Berwick zu abstrakten-elektronischen Klängen tanzte. Wechselnd zwischen Pantomime, roboterähnlichen Bewegungen und klassischen Elementen bewegten sich die beiden mal spielerisch, mal tastend und zögerlich, mal in Harmonie, dann wieder in gegenseitiger Ablehnung über die Bühne: zwischenmenschliche Kommunikation in wunderbar getanzter Form – ein ästhetischer Genuss.

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