1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Taubheit sieht man nicht

Gehörlosigkeit

27.05.2014

Taubheit sieht man nicht

Sie freuen sich auf das Bezirksfest in Landsberg: Jürgen Lindner, Mathias Fischer, Konrad Schreiber, Rudolf Gast (Bezirksvorsitzender) und Karl Baur vom Ortsverband der Gehörlosen Weilheim-Landsberg.

Das Bezirksfest in Landsberg soll als Schaufenster genutzt werden und auf die Probleme Betroffener aufmerksam machen

 

Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit trennt von den Menschen.“

Wer ein neues Auto kaufen will, der geht zum Händler und lässt sich beraten. Klingt einfach, ist es aber nicht, wenn man hörgeschädigt ist. Man benötigt die Hilfe eines Dolmetschers. Der muss vier bis sechs Wochen vor dem Termin mit dem Autohändler informiert werden. Denn es gibt nicht viele, die Gebärdensprache übersetzen können. 75 Euro in der Stunde verlangt ein solcher Dolmetscher. Da wird der Autokauf schon schwieriger.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Ein Beispiel von vielen, mit welchen Problemen Hörgeschädigte konfrontiert werden. Ihr Bezirksfest, das am Samstag, 31. Mai, im Landsberger Sportzentrum stattfindet, wollen sie als Schaufenster nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn: Taubheit sieht man nicht, man muss darüber sprechen, wie Rudolf Gast, der Vorsitzende des Bezirksverbands der Hörgeschädigten Oberbayern sagt.

Veranstalter des Bezirksfests ist der Ortsverband Weilheim-Landsberg. Allein im Landkreis gibt es über 500 Menschen, die schwerhörig oder gehörlos sind. Dazu zählen jene Menschen nicht, die altersbedingt schwerhörig werden. Treffpunkt für die Gehörlosen des zweitgrößten Vereins in Bayern ist das Begegnungszentrum „Haus der Gehörlosen“ in Alt-Kaufering. Rund 140 Mitglieder hat der Ortsverband, der seit 2005 von Jürgen Lindner geführt wird. Neben den Begegnungen finden im Haus auch Gebärdenkurse und Sozialberatungen statt. „Die Inklusion hat bei uns schon begonnen, bevor die UN-Konvention dies proklamiert hat“, sagt Lindner.

Wer sie nicht versteht, ist erst mal hilflos

Um mühelos und entspannt untereinander kommunizieren zu können, benutzen gehörlose und stark schwerhörige Menschen die Gebärdensprache. Wer sie nicht versteht, ist erst mal hilflos. Doch viele Gehörlose haben das Sprechen künstlich erlernt, und sie können das Gesprochene von den Lippen ablesen, wenn sie wissen, um was es geht und ihnen bekannte Wörter verwendet werden. Dennoch bleiben viele lieber untereinander, wie Jürgen Lindner sagt. Zu viele Barrieren würden auf sie im Alltag warten.

Rudolf Gast nennt als Beispiel den Krankenhausaufenthalt. Zur morgendlichen Visite benötige der Gehörlose eigentlich einen Dolmetscher. „Wie soll er sonst Diagnose und Fachbegriffe verstehen?“ Daher fordert Gast schon lange, dass Krankenpfleger im Rahmen ihrer Ausbildung die Gebärdensprache erlernen. Er geht sogar noch weiter: Auch Personen, die im öffentlichen Dienst tätig sind oder in Sparkassen, bei Versicherungen, Anwaltskanzleien, Kindergärten oder Arztpraxen sollten auf diese Weise mit Gehörlosen kommunizieren können. Der Besuch eines Gebärdenkurses bei der Volkshochschule oder im Haus der Gehörlosen in Kaufering wäre ein gutes Angebot.

Wie Inklusion gelingen kann, zeigt laut Jürgen Lindner ein Projekt an der Grundschule in Kaufering. Dort besucht ein hörgeschädigtes Kind die erste Klasse. „Jeweils montags unterrichtet ein Dozent für Gebärdensprache die Klasse.“ Die Kinder hätten Spaß dabei. Bezahlt werde der Dozent von der Gemeinde, den Rotariern und Regens Wagner Holzhausen. Weniger Erfolg hatte der Ortsverband mit einem Schreiben an Ärzte im Landkreis. „Wir hatten darin angefragt, ob Interesse besteht, einen Kurs in Gebärdensprache zu besuchen“, sagt Lindner. Nur zehn Prozent der Ärzte hätten darauf geantwortet.

Das 5. Bezirksfest des Bezirksverbands der Hörgeschädigten Oberbayern findet am Samstag, 31. Mai, im Landsberger Sportzentrum statt. Höhepunkt ist der Festabend um 17 Uhr. Das komplette Programm und Infos zum Ortsverband im Internet.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren