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Schauspiel

20.11.2019

Theater ohne Worte

Die Berliner Theatertruppe „Familie Flöz“ brachte das Stück „Hotel Paradiso“ auf die Bühne des Landsberger Stadttheaters.
Foto: Julian Leitenstorfer

Die markanten Masken sind das Erkennungszeichen der „Familie Flöz“. In Landsberg zeigt sie eine turbulente Krimikomödie

Geniale Theaterkunst ist, wenn man keine Worte braucht. Die Berliner Theatertruppe „Familie Flöz“ brachte in Kooperation mit dem Theater Duisburg und dem Theaterhaus Stuttgart das Stück „Hotel Paradiso“ auf die Bühne des Landsberger Stadttheaters. Die Truppe ist mit ihren markanten Masken, die von den Darstellern getragen werden, nicht nur einem internationalen Publikum, sondern auch den Besuchern in Landsberg und Umgebung bekannt – das Haus war restlos ausverkauft.

Theater mit Masken und ohne Worte lebt allein von Gesten, Körperhaltung, Körperausdruck. Und das ist höchst emotional. Unterstützt durch Musik und Beleuchtung, aber vor allem durch die große Schauspielkunst der maskierten Darsteller, wird die Vorstellung zum Erlebnis, bei dem das Publikum unmittelbar reagiert, von der ersten Szene an. Es wird gelacht, geklatscht und vor Mitleid geseufzt.

„Hotel Paradiso“ ist eine Kriminalkomödie, bei der es in einem Hotel einige Leichen gibt, die sämtlich und hörbar (aber nicht sichtbar) vom Koch zersägt werden. Familienzank und Liebesverwicklungen kommen ebenso hinzu wie zwei (wirklich erkennbare) Tatort-Kommissare, die sich so meisterhaft blöd anstellen, dass sie vom Publikum Jubel und Applaus ernten.

Die Handlung vermittelt sich wie durch Magie, intuitiv, aber unmissverständlich, und die Komik der Truppe ist einfach umwerfend. Die umständlichen Versuche der Seniorchefin, auf einen Stuhl zu steigen, um abzustauben; die Szene, in der das Dienstmädchen durchsucht wird, und die erstaunlichsten Dinge unter ihrem Rock hervorkommen – vom Kochtopf bis zum Feuerlöscher –; die Drehtür, die immer wieder zum Hindernis wird, und viele Gags mehr machen das Stück zu einem echten Vergnügen, bei dem so mancher Zuschauer Tränen lacht. Bei alldem könnte man schwören, die Masken würden ihren Ausdruck verändern und die Figuren hätten etwas gesagt.

Mit nur vier Darstellern in unzähligen Rollen bevölkert die Familie Flöz in der turbulenten Krimikomödie die Hotelrezeption, lässt Menschen an- und abreisen, sich verlieben, aber auch morden und sterben. Jede Figur ist ein Charakter für sich, jede Szene hat ihre eigene Stimmung, die sich unmittelbar überträgt. Von Anfang bis Ende ein Vergnügen, das in Landsberg ungewöhnlich lang anhaltenden Applaus und Jubel erntet.

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