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Fuchstal

13.07.2020

Theatertherapeutin in Fuchstal arbeitet mit Handpuppen

Sonja Schnieringer aus Fuchstal arbeitet als Theatertherapeutin. Sie hilft Menschen mit Rollenspielen dabei, ihre Probleme zu bewältigen.
Bild: Thorsten Jordan

 Sonja Schnieringer hat in Fuchstal eine Heilpraxis für Theatertherapie. Warum sie sich darüber freuen kann, angeschrien zu werden.

Von einem anderen Menschen lautstark angeschrien zu werden, dürfte wohl von den Allerwenigsten als schönes Erlebnis wahrgenommen werden. Sonja Schnieringer erinnert sich aber mit Freude an genau solch einen Fall. Sie unterhält seit zwei Jahren im Fuchstal eine Heilpraxis für Theatertherapie.

„Ich habe in dem Fall mit einem Jungen gearbeitet, der trotz mehrerer Schulwechsel immer wieder gehänselt wurde. Seine Körpersprache und die fehlende Kraft in seiner Stimme haben seinen Mitschülern signalisiert, dass er wenig Selbstvertrauen hat, und zu diesen Situationen geführt.“ Unter anderem durch Nähe-Distanz-Übungen konnte sie dem Schüler helfen. Dabei nahm die 29-Jährige beispielsweise auch die Rolle des Täters ein. Bei den Übungen schaute sie, welchem Grad von Lautstärke und Nähe der Jugendliche sich gestresst fühlte und gab Tipps, wie er darauf durch entsprechende Körperhaltung und Ausdrucksweise reagieren könne. So verschoben die beiden dessen Grenzen. Es sei für sie ein „bombastisches Gefühl“ gewesen, dass der Schüler letztlich tatsächlich so aus sich herausgehen konnte, dass er seine Bedürfnisse lautstark artikulierte.

Ein wohl einzigartiges Angebot im Landkreis

„Es ist etwas ganz anderes, ob man nur darüber redet, wie man sich fühlt oder man sich aktiv in eine Sitution hinein begibt wie bei der Theatertherapie. Ich denke, da ist der Lerneffekt viel größer“, sagt Sonja Schnieringer, deren ambulantes Angebot wohl einzigartig im Landkreis ist. In Süddeutschland seien Theatertherapeuten, anders als im Norden, noch Exoten und diese Art der Therapie am ehesten noch in Kliniken zu finden, sagt die Fuchstalerin, die in Bayreuth Theaterpädagogik und Medienwissenschaften studiert und später noch eine Qualifikation zur Heilpraktikerin für Psychotherapie in Landsberg absolviert hat.

Immer wieder geht sie an Bildungseinrichtungen und spricht mit den Schülern über das Thema Mobbing. Meist gebe es dann auch einen konkreten Anlass dafür, sagt die 29-Jährige, die seit Januar 2019 Koordinatorin der offenen Ganztagsschule für die Grund- und Mittelschule Fuchstal ist und gemeinsam mit zwei Lehrern die Theater-AG für Schüler ab der 3. Klasse leitet. Zudem ist sie eine Mitbegründerin des Fuchstaler Improvisationstheaters Lafalott.

Rollenspiele helfen Probleme zu lösen

Mit dem Improvisationstheater habe ihre Arbeit viele Gemeinsamkeiten, sagt sie. Es gehe darum, sich auf unerwartete und möglicherweise unangenehme Situationen einzulassen. „Man muss ja nicht gleich alles toll finden, aber man muss Dinge annehmen und damit umgehen können. Wenn ein Problem weggeblockt wird, verschwindet es ja nicht“, sagt die Mutter einer siebenjährigen Tochter. Die Rollenspiele haben dabei im Wesentlichen zwei Funktionen: Sie sollen der Person verdeutlichen, wie sie wahrgenommen wird und Ängste abbauen. Zu Sonja Schnieringer kommen nicht nur Mobbingopfer oder Menschen mit leichten Depressionen, sondern auch Klienten, die beispielsweise Angst vor Bewerbungsgesprächen haben. Sie bespricht dann, welche Sorgen genau bestehen und spielt als vermeintlicher Chef den bestmöglichen und schlimmsten Gesprächsverlauf durch, den sich der Klient vorstellen kann. „Wenn er oder sie es schafft, diese Situation zu meistern, ist das eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe nach Bewerbungsgesprächen schon mehrfach das Feedback bekommen, dass ich das Auftreten des Chefs gut imitiert hätte.“

Handpuppen sollen öfter zum Einsatz kommen

Wenn die 29-Jährige – die auch Verhaltenstherapie anbietet – in Alltagsgesprächen auf ihre Arbeit mit Mitteln des Theaters zu sprechen kommt, seien die Reaktionen oft eher zurückhaltend bis irritiert, sagt sie. „Die Akzeptanz dieser Therapieform könnte besser sein. Ich sehe mich da auch ein Stück weit als Vorreiterin und bin davon überzeugt, dass diese Form in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.“ Was sie bei ihrer Arbeit gerne verstärkt einsetzen würde, sind Handpuppen. „Als ich das erste Mal davon gehört habe, musste ich lachen, aber ich habe dann eine Weiterbildung gemacht und mich überzeugen lassen.“ Die Puppe wird dazu genutzt, die Sorgen und Probleme zu benennen, ohne dass der Patient das vermeintlich selber tun muss. Bislang habe allerdings noch kein Klient Interesse an dieser Form der Therapie gehabt, räumt sie ein.

Zusätzlich erschwert wurde Schnieringers Arbeit in den vergangenen Monaten vom Coronavirus. Ihre Arbeitsweise lebe von der Mimik und Gestik sowie dem Aufbauen von Nähe. „Das funktioniert mit Maske und Abstandsregeln natürlich nicht.“ Mehrere Wochen war die Praxis deswegen komplett geschlossen. Ihre Klienten kommen vor allem aus Landsberg, dem Großraum München und vereinzelt aus Kaufbeuren. Dass sie ihre Praxis nicht dort, sondern in Fuchstal eröffnete, liege daran, dass sie als alleinerziehende Mutter hier ihre Familie als Unterstützung vor Ort habe.

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