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Landkreis Landsberg

29.06.2020

Tiny Houses: Gibt es bald ein Dorf mit winzigen Häusern?

So sehen sogenannte Tiny-Häuser aus: Herbert Maier aus Schwifting möchte im Landkreis Landsberg eine ganze Siedlung gründen.
Bild: Dominik Stenzel (Archiv)

Plus Der Schwiftinger Herbert Maier möchte im Umkreis von Landsberg eine Tiny-Haus-Siedlung gründen. Was sich hinter dieser modernen Wohnform verbirgt.

„Tiny Houses“ oder „Tiny-Häuser“, also winzige Häuser, sind im Trend. Wer googelt, kommt auf 994 Millionen Einträge. Auch im Landkreis Landsberg könnte in der nächsten Zeit ein Tiny-Haus-Dorf entstehen. Das Landsberger Tagblatt hat mit dem Initiator Herbert Maier aus Schwifting gesprochen.

„Es ist eine Bewegung, die Fahrt aufnimmt“, sagt Herbert Maier. Er betreibt mit seiner Frau Gabriela Kaufmann den Thalerseehof in Schwifting, eine Einrichtung für Theapeutisches Reiten. Vor Kurzem hat Maier in unserer Zeitung eine Anzeige und Mitstreiter für ein Tiny-House-Projekt im Landkreis gesucht. Acht oder neun Personen seien zu einem ersten Treffen gekommen, auch ein zweites Treffen fand schon statt, erzählt er.

Herbert Maier aus Schwifting möchte eine Tiny-House-Siedlung errichten.
Bild: Thorsten Jordan

Herbert Maier glaubt, dass viele Tiny Houses mit einem Aussteigermilieu assoziierten. „Ein solches ’Dorf’ hat nichts mit dem Klischee der alten Bauwagenburgen aus den 70er-Jahren, mit Campingplätzen oder Schrebergärten gemeinsam“, sagt Maier. Die Häuser seien komplett eingerichtet mit Bad, Dusche, Toilette, einer Küche mit Herd, Kühlschrank und teils auch mit Geschirrspüler. Es gebe einen Wohn- und einen Schlafbereich. Der Außenbereich bestehe aus Terrasse, Garten und Nutzfläche und könne individuell gestaltet werden.

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Aus zwei Häuschen eines machen

Bei Bedarf könnten auch zwei Tiny-Häuser miteinander verbunden werden. Dadurch erhöhe sich die Wohnfläche erheblich. Alle Häuser des „Dorfes“ seien an das Kanal-, Wasser- und Abwassersystem angeschlossen. Die Stromversorgung könne unter Umständen auch gemischt sein mit einer solaren Eigenstrom-Erzeugung und öffentlichem Strom. „Es gibt keine Zäune und Mauern“, das würde laut Maier der Idee der Gemeinschaft widersprechen. Für den Schwiftinger ist es eine „tolle Wohnform“ mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Vorteilen.

Die ökologischen liegen auf der Hand: Wer klein baut, verbraucht weniger Platz – Stichwort Versiegelung – und Ressourcen in Form von Baumaterial. Dass für ein winziges Haus weniger Geld ausgegeben werden muss als für das übliche Eigenheim, ist auch klar. Bei den Tiny-House-Siedlungen werde auch ein Gemeinschaftshaus aufgestellt. Die Gemeinschaft ist für Herbert Maier ein sehr wichtiger Punkt für die geplante Siedlung. Ein Miteinander, das Maier auch auf das Dorf, in dem die geplante Siedlung entstehen soll, ausdehnen will. In solchen Gemeinschaftsräumen könnten Kurse stattfinden oder auch der Frauenbund einen Vortrag anbieten.

Ein Tiny House ist zwischen 20 und 40 Quadratmeter groß

Wer in einem Miniaturhaus wohnen will, bekennt sich laut Herbert Maier natürlich zu einer Form des Minimalismus. Schließlich bietet ein Tiny House in der Regel Wohnraum von 20 bis 40 Quadratmetern, wie er erzählt. Die Frage, „was brauche ich wirklich?“, stelle sich. Maier fasst die Thematik in dem Slogan „Klein wohnen, groß leben“ zusammen. Der 72-Jährige beschäftigt sich seit gut einem Jahr mit der Thematik. Ausschlaggebend gewesen sei seine Tätigkeit als Ruhestandsplaner: Bei der Beschäftigung mit der Lebenssituation von Senioren stieß Maier auch auf die Diskrepanz zwischen den immer teureren Wohnungen und Renten, die weniger würden. Sehr wichtig ist ihm aber auch der ökologische Aspekt angesichts von Flächenfraß und Bodenversiegelung.

Wie soll das Projekt konkret verwirklicht werden? „Die klare Zielsetzung ist, dass die Tiny-Haus-Siedlung in einem Umkreis von vielleicht 20 Kilometern rund um Landsberg entstehen soll“, erklärt Herbert Maier. Auch die Interessenten, die beim Treffen gekommen seien, stammten aus der näheren Umgebung. In Deutschland gebe es zahlreiche Tiny-Haus-Projekte, viele seien bereits abgeschlossen, viele seien in Planung und in Entstehung. Die passenden Flächen zu finden, sei der schwierigste Teil. Und manchmal tun sich laut Maier auch Baubehörden schwer damit, obwohl vom Grundsatz her das Tiny-Haus durchaus im deutschen Baurecht verankert sei. Projekte würden zum Teil von den Kommunen gefördert und unterstützt.

So viel kostet diese Wohnform

Herbert Maier kann sich auch für sein Projekt vorstellen, dass eine Gemeinde eine Fläche zur Verfügung stellt, „vielleicht zur Erbpacht auf 20 Jahre“. Die Gemeinde erschließe das Gelände auch, sodass Kanal, Wasser und Strom vorhanden seien. An die einzelnen Tiny-Haus-Besitzer würden Parzellen verpachtet, bei 1,5 bis 2 Euro kämen zumeist an die 300 Euro Pacht pro Monat zusammen.

Herbert Maier schwebt vor, dass die Miniaturhäuser auf Aufliegern gebaut werden, also mobil sind. Ab 40.000 bis 50.000 Euro gebe es schon ein Tiny House. Bundesweit, aber auch in der Region gebe es Hersteller. „Es sind oft Schreinereien, die sich spezialisiert haben.“

Die Eckdaten für das Projekt des Schwiftingers sind noch nicht festgezurrt, welche Organisationsform gewählt wird, ist noch offen. Wegen eines Grundstücks ist er schon mit einer Gemeinde im Gespräch. Herbert Maiers Wunschvorstellung wäre, dass die Tiny-Haus-Siedlung im Sommer 2021 verwirklicht werden kann."Kommentar Seite 27

Kontakt Wer sich für das Tiny-Haus-Projekt interessiert, kann sich per Mail an herbert.maier@gmx.com wenden.

Lesen Sie auch: Tiny Houses - ökologisch und nachhaltig

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