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Dießen

17.05.2019

Töpfermarkt: Der Einzug in die gehobene Gastronomie

Topfermarkt Dießen
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Der Dießener Töpfermarkt lockt alljährlich Zehntausende Besucher in die Seeanlagen.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Beim Dießener Töpfermarkt präsentieren sich 170 Keramiker aus 16 europäischen Ländern. Der Trend geht zu hochwertigen Geschirr-Serien. Warum viele Bewerbungen abgelehnt wurden.

170 Keramiker aus 16 Ländern, 46 Werkstätten aus dem nicht-deutschsprachigen markieren die Kennzahlen des 19. Dießener Töpfermarkts. Dort werden von Christi Himmelfahrt, 30. Mai, bis Sonntag, 2. Juni, in den Seeanlagen Keramik der ausgewählten Qualität präsentiert. Veranstalter Wolfgang Lösche und sein Team hoffen auch in diesem Jahr wieder auf Besucherzahlen, die sich um die 50.000er-Marke und mehr bewegen sollten.

Zehn neue Aussteller bietet dabei Wolfgang Lösche in diesem Jahr wieder auf und auch das hat bei ihm Tradition: „Wir schauen immer, dass wir rund zehn Prozent Neuheiten mit dabei haben.“ Das Publikum des Töpfermarktes sei nämlich ein sehr aufmerksames und fachkundiges, was die Aussteller offenbar sehr zu schätzen wissen. Rund 200 der 360 Bewerbungen müssten aus Platzgründen, manchmal aber auch aufgrund schwächerer Bewerbungsunterlagen eine Absage erteilt werden. Das wiederum komme aber der Qualität des Marktes zugute, die zu halten und weiterzuentwickeln wichtiger Beweggrund des Veranstalters ist.

Einige Bewerbungen müssen abgelehnt werden

Wie sehr sich der Markt seit der Gründung 1978 als süddeutscher Töpfermarkt durch den im März verstorbenen Arthur Sudau entwickelt hat, verdeutlicht Lösche mit weiteren Zahlen: „Arthur Sudau und mein Vater haben mit zwölf Ausstellern im eigenen Garten begonnen.“ Inzwischen sind es 170. Damit ist der Töpfermarkt, auch aus Platzgründen, ausgereizt. Deshalb achten Wolfgang Lösche und sein Team auch sehr darauf, dass die Mischung der Aussteller und des Angebotenen stimmt. „Zehn bis 15 Prozent holen wir an Neuheiten jährlich dazu“, lautet sein Parameter.

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In diesem Jahr sind dies unter anderem die beiden Südkoreaner Bokyung Kim und Minsoo Lee, die sich inzwischen auch in Dießen niedergelassen haben, beim Pressetermin auch Einblick in fernöstliche Teezeremonien gaben und das Getränk auch in ihren fein gearbeiteten Trinkgefäßen offerierten. Sie sind Meisterschüler der koreanischen Töpferlegende Kap Sun, der sich selbst bereits seit 19 Jahren auf dem Töpfermarkt präsentiert.

Auch Töpfer aus Asien sind dabei

Eine Alleinstellung in Österreich und vermutlich auch auf dem Töpfermarkt hat der Naturlehmkeramiker Josef Wieser aus Waidhofen. Aus selbst gegrabenen, lange gereiften Lehmen und Tonen formt und brennt er Kacheln für Öfen sowie Gebrauchskeramik. Ebenfalls zum ersten Mal mit dabei ist Sebastian Scheid, der in Japan ausgebildet wurde. Wolfgang Lösche: „Er ist der Sohn von Karl und Ursula Scheid, den wohl berühmtesten deutschen Keramikern.“

Eine große Rolle unter den Neuzugängen spielen auch die Kunsthandwerker aus Berlin. Anna Sykora oder Claudia Schoemig fertigen zum Beispiel elegantes Porzellan, das einem Trend in der Keramik folgt: dem Einsatz in der gehobenen Gastronomie. Nicht zuletzt deswegen lautet das Sonderthema in diesem Jahr unter anderem im zentralen Ausstellungspavillon auch „Kochen-Essen-Trinken“.

Dieses Motto zieht sich von den Ständen hinein bis in den seit 2001 von der Brennofen-Firma gestifteten Dießener Keramikpreises, der laut Roland Müller, Mitglied der Geschäftsleitung, heuer von 3000 auf 4000 Euro von dem Rosenheimer Unternehmen angehoben wurde. Er dreht sich um den Themenkreis „Serie und Unikat“. Viele Keramiker fertigen Geschirrserien, die im Gegensatz zu industriell gefertigter Ware innerhalb der scheinbaren Gleichförmigkeit einer Serie wiederum Unikate, weil handgefertigt, entstehen lassen.

Es gibt auch einen Keramikerweg

Natürlich führt auch 2019 wieder der Keramikweg durch Dießen. Sechs Stationen von den Seeanlagen hinauf bis auf den Klosterberg und den Ortsteil St. Georgen. Dabei sollen die Töpferei Höfle, der Taubenturm, der Traidtcasten, das Keramikmuseum Lösche, die Keramikwerkstatt Dagmar Larasser neben dem Markt selbst auch zu Begegnungsstätten von Besuchern mit den Kunsthandwerkern werden – was übrigens auch für die Aussteller gilt. Wolfgang Lösche: „Der Töpfermarkt ist nicht nur Markt, sondern für die Keramiker eine wichtige Veranstaltung der Begegnung und des Austausches.“ So stellen inzwischen deutsche Keramiker, die in Dießen mit dabei waren und sind, inzwischen in London und Paris aus.

Und die Wichtigkeit des Marktes als Highlight-Veranstaltung in und für die Region unterstrich Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der GWT Starnberg: „Die Gastronomie, die Hotellerie und der Einzelhandel brauchen solche Spitzentage.“ Schließlich lasse jeder Tagesgast bis zu 30 Euro in der Region. Und außerdem sei ein solch wertiger Markt wichtig „für das Selbstwertgefühl einer ganzen Region“.

Lesen Sie auch den Kommentar: Dießener Töpfermarkt: Nicht nur schöne Tassen

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