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Reichling

27.06.2019

Transalp: Alexander Graf aus Reichling muss nach Hitzschlag aufgeben

Alexander (links) und Reinhold Graf hatten zur Vorbereitung für den Transalp tausende an Trainingskilometern zurückgelegt. Konditionell waren sie bestens vorbereitet – nur auf die Hitze konnten sie sich nicht vorbereiten.
Bild: Thorsten Jordan

Reinhold und Alexander Graf aus Reichling wollten beim Wettkampf Transalp von Innsbruck nach Riva del Garda radeln. Temperaturen von über 40 Grad machten den beiden viel mehr zu schaffen als die Pässe.

Die Enttäuschung ist riesig bei Reinhold und Alexander Graf. „Aber so ist der Sport, man kann nicht immer gewinnen“, sagt Reinhold Graf. Zusammen mit seinem Sohn war der 56-jährige Reichlinger bei der Transalp am Start: An sieben Tagen wollten die beiden mit dem Rennrad von Innsbruck an den Gardasee fahren, knapp 800 Kilometer, an denen über 18500 Höhenmetern überwunden werden mussten. Doch nach dem dritten Tag war Schluss: Ein Hitzschlag warf Alexander Graf (30) aus dem Rennen.

Für die beiden sollte es ein ganz besonderes Abenteuer werden: Früher im Motocross-Sport erfolgreich, hatten sie schon vor Jahren aufs Rennrad umgesattelt. Das besondere bei der Transalp ist, dass man in Zweier-Teams fährt und „die Chance, mit meinem Sohn zusammen an den Start zu gehen, wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt Reinhold Graf. Akribisch hatten sie sich monatelang auf das Rennen vorbereitet, sogar ein Trainingslager auf Teneriffa eingelegt. Doch worauf sie sich nicht vorbereiten konnten, war die extreme Hitze in den vergangenen Tagen.

Reinhold Graf war angesichts der Wettervorhersage schon besorgt gewesen, denn „Alexander taugt es nicht, wenn es so heiß ist“. Dass ausgerechnet während dieses Rennens die Hitzewelle hereinbrechen würde, damit hatte man bei der Anmeldung nicht rechnen können. „Aber Alexander hat es in den ersten beiden Tagen gut weggesteckt“, erzählt Reinhold Graf. Da habe er selbst die größeren Probleme gehabt. „Er hat mich immer wieder motiviert und angefeuert“, erzählt er.

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Das Pensum war enorm, die erste Etappe von Innsbruck nach Brixen sei noch gut machbar gewesen, wobei da schon ein Problem sichtbar wurde: „Es gab nur sehr wenig Verpflegungsstellen entlang der Strecke.“ Angesichts des Startgelds in Höhe von fast 1000 Euro „war ich sehr enttäuscht“, sagt Graf. Doch es war machbar. Und die beiden waren schnell unterwegs: Im Starterfeld mit 1000 Amateuren belegten sie Platz 196 – eine hervorragende Leistung.

„In der ersten Nacht habe ich dann aber sehr schlecht geschlafen“, berichtet Reinhold Graf. Zusammen mit seiner Frau Gerti und Christine, der Freundin von Alexander, hatten sie sich ein Wohnmobil gemietet. Die beiden Frauen steuerten dieses immer wieder zum Zielort und bereitete alles für die beiden Wettkämpfer vor. Doch gegen die hohen Temperaturen waren die beiden auch machtlos.

Trotz der schlechten Nacht fand Reinhold Graf am zweiten Tag gut ins Rennen. Auch Alexander fühlte sich zunächst nicht so gut, überwand aber die anfänglichen Schwierigkeiten. Gemeinsam meisterten die beiden die Strecke von Brixen nach Kaltern am See. Auf den 143 Kilometern waren fast 3500 Höhenmeter zu bewältigen. Zwar büßten sie einige Plätze ein, doch Rang 300 in dem riesigen Startfeld war für die beiden Neulinge auf dieser Tour mehr als nur respektabel.

Vor allem, da Alexander Graf eine extrem brenzlige Situation meistern musst: „Bei der Abfahrt nach Bozen hat es ihm einen Reifen zerrissen“, sagt sein Vater. Aufgrund der hohen Temperaturen und der Felgenbremsen der Rennräder sei die Hitze für den Reifen einfach zu groß gewesen – und das, mit etwa 70 Stundenkilometern. „Zum Glück konnte er sich fangen und ist nicht gestürzt, aber die Reparatur hat uns viel Zeit gekostet“, sagt Graf.

Dann allerdings kam der verhängnisvolle dritte Tag. „Die Strecke wurde geändert“, erzählt Reinhold Graf. Wegen Erdrutschgefahr wurde statt des Gavia Passes der Passo Mortirolo eingebaut. Zuvor ging es über den Mendelpass und den Passo Tornale. „Wir hatten eine gute Gruppe erwischt, wechselten uns in der Führung immer wieder ab und es lief prima“, erzählt der 56-Jährige. Es ging zum Passo Tornale und „die Sonne hat ins Tal reingebrannt, das war Wahnsinn“, sagt Reinhold Graf. Sein Tacho am Rennrad hat auch eine Temperaturanzeige. „Da standen 50 Grad drauf, das war sicher etwas zu hoch, aber über 40 Grad hatten wir gewiss.“

Trotzdem lief es für bei den beiden, doch „von einer Sekunde auf die andere sagte Alexander ,Papa, ich kann nicht mehr, es ist aus.’“ Reinhold Graf redete seinem Sohn erst noch gut zu, „aber es war klar, da geht nichts mehr. Er hatte einen Hitzschlag“. Graf verständigte seine Frau, dass sie Alexander abholen sollte, versorgte seinen Sohn und fuhr weiter den Tornale hoch, es waren nur mehr neun Kilometer bis zur Wertung. So hatten sich die beiden abgesprochen, um vielleicht mit einer Zeitstrafe wieder einsteigen zu können.

Doch dazu sollte es nicht kommen. „Die Gesundheit geht einfach vor“, sagt der frühere Motocross-Fahrer und es sei klar gewesen, dass Alexander nicht mehr würde weiterfahren können. „Er ist natürlich wahnsinnig enttäuscht“, schildert sein Vater, aber: „Das ist eben der Sport.“ Auch wenn dieses Abenteuer vorschnell endete – das letzte Rennen war es sicher nicht.

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