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Landsberg

19.10.2019

Transit: Ermüdende Inszenierung im Stadttheater in Landsberg

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3 Bilder
Landestheater Tübingen im Stadttheater: Seidler (Jürgen Herold), Strobel (Jens Lamprecht)
Bild: Thorsten Jordan

Das Landestheater Tübingen kann mit seiner Inszenierung des Anna Seghers Romans Transit nicht überzeugen. Warum das Stück die Landsberger kaum berührte.

Es geht um die großen Themen: Flucht und Identität. Liebe, Sehnsucht und Mitmenschlichkeit. Aber auch um Pragmatismus, Täuschung und Desillusion. Das Landestheater Tübingen war mit Reto Fingers Bühnenbearbeitung des Anna-Seghers-Romans „Transit“ (Regie Akillas Karazissis) zu Gast im Stadttheater. Warum die Inszenierung nicht überzeugen konnte. 

Der erzwungene Verlust der Heimat gehört zu den grundlegenden traumatischen Erfahrungen eines Menschen. Flucht und Vertreibung führen zu Ohnmachtserfahrungen, zu Unsicherheit und (Identitäts-) Ängsten. Bürokratische Willkür auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft lässt Menschen nur zu oft zu Spielbällen des Schicksals werden. Das ist heute nicht anders als früher.

Eine verworrene Liebesgeschichte

Während heute (Bürger-)kriege, Armut und Perspektivlosigkeit verzweifelte Menschen übers Mittelmeer treiben, trafen sich früher im von Nazis unbesetzten Teil Südfrankreichs Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen von den Deutschen verfolgt wurden, um nach Süd-, Mittel- oder Nordamerika auszuwandern. Unter ihnen die Schriftstellerin Anna Seghers und ihre Familie. Ihre Erfahrungen sind Anfang der 1940er-Jahre in den Roman „Transit“ eingeflossen. Eine verworrene Liebesgeschichte, in der der Erzähler die Identität eines toten Dichters annimmt, eine mysteriöse schöne Frau, als schwer greifbarer Spielball zwischen drei Männern (einer davon ihr toter Ehemann), dazu eine Reihe abstruser Figuren, die alle auf ein Visum, eine Aufenthaltsberechtigung, eine Ausreisebescheinigung oder eben Transit warten. Haben sie das eine, fehlt das andere, und die Deutschen rücken näher.

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„Ein einziges sinnloses Warten auf nichts“, resümiert einer der Protagonisten, und das, „während der Untergang der Welt bevorsteht“. Die Bühnenadaption bleibt nah an der Vorlage des Romans, dennoch erscheint das Geschehen reichlich verworren und somit über die Dauer von zwei Stunden streckenweise auch ermüdend.

Schauspielerisch solide bis hervorragend

Obwohl schauspielerisch solide bis hervorragend umgesetzt (allen voran die zart-verwirrte Erscheinung der Marie, gespielt von Florenze Schüssler), will der berühmte Funken doch nicht so recht überspringen. Die Liebe des Erzählers zu Marie bleibt ein Rätsel und damit wenig nachvollziehbar.

Die in ihrer eigenen Hilflosigkeit gefangenen Figuren wirken seltsam abstrakt und vermögen den Zuschauer kaum zu berühren. Zuviel klassisches Erzähltheater, zuwenig packende Bilder. Insgesamt macht der rote Faden ein paar Schleifen und Knoten zu viel. Allein die elektronischen Klänge (Kornilios Selamis in Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Nicolai Gonther) unterstreichen die Idee der Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit. Vielleicht hätte dem Stück eine moderne Interpretation gutgetan.

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