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Konzert

26.11.2019

Um Kopf und Kragen gespielt

Einen Abend der musikalischen Superlative boten Omer Klein (Klavier) und Avi Avital (Mandoline) im Landsberger Stadttheater.
Foto: Thorsten Jordan

Omer Klein bietet mit seinem Trio und mit Avi Avital einen Abend der musikalischen Superlative. Das Beste kommt zum Schluss

Keith Jarrett äußerte einmal den Gedanken, dass er innerhalb seiner Musik versuche „... die leicht begehbaren Auswege zu verbauen“. Diese Umsetzung, das scheinbar Schlüssige diffizil zu gestalten – es am Ende aber doch relativ leicht klingen zu lassen, ist dem Jazz insgesamt eigen. Auch Omer Kleins Klavierspiel ist von dieser Denkweise und deren Umsetzung gekennzeichnet. Er setzt diese Philosophie in seinen Soloauftritten ebenso um wie auch in den Triobesetzungen. Und erst recht, wie im Stadttheater zu erleben war, mit seinem Landsmann, dem klassischen Mandolinenspieler Avi Avital, der das Trio am Ende des Konzerts zu einem Quartett aufstockte.

Es war ein Abend der musikalischen Superlative, bei dem weder der Jazz im Mittelpunkt stand noch die Klassik. Es war kein traditionell israelischer Liederabend und es wurde auch keine Rock-Pop-Indie-Beschwörung, wie Kleins letztes Album „Radio Mediteran“ zumindest vom Titel her hätte vermuten lassen können. Und doch war von alldem eine Menge zu spüren. Mal zurückhaltend als Miniatur, mal deutlicher im Vordergrund stehend. Omer Klein, Haggai Cohen-Milo, Amir Bresler und Avi Avital zelebrierten ein schäumendes Klangfest, in dem die Musik an sich im Mittelpunkt stand. Die vier Kosmopoliten schöpften aus dem riesigen Universum der Musik, tauschten Noten und Befindlichkeiten, stellten Altvertrautes in neue Zusammenhänge und arbeiteten mit modernem Equipment, um scheinbar Konventionelles in die Gegenwart zu lotsen.

Der erste Teil des Konzerts gehörte dem Duo Omer Klein und Avi Avital. Klein stand für die zeitgenössische Improvisation, Avital konzentrierte sich stärker auf die notierten Sektionen. Wie verschieden ihr jeweiliger Ansatz ist, aber mit welchem Feingefühl und welcher Selbstlosigkeit sie gemeinsame musikalische Wege suchen und finden, machten die Interpretationen und Improvisationen um Johann Sebastian Bachs Partiten deutlich. Wer zuvor dachte, Klavier und Mandoline würden nur schwer zueinander passen, wurde eines Besseren belehrt. Beide blühten in einer Art Dialog auf, der von Respekt, aber auch von Selbstbewusstsein gekennzeichnet war. Hier der unglaublich virtuose Avital, der sich eng an das notierte Gerüst der Vorlagen hielt. Auf der anderen Seite der technisch nicht weniger versierte Klein, dessen Improvisationen stärker von einer an- und abschwellenden Dramaturgie lebten und der von Bach auch schnell einmal in tiefere Blueslagen wechselte.

Nach der Pause dann das Omer Klein Trio mit Bassist Haggai Cohen-Milo und Schlagzeuger Amir Bresler. Und die brannten dann ein gehöriges musikalisches Feuerwerk ab. Perfekt aufeinander eingespielt durchforsteten sie Populäres und Avantgardistisches, Experimentelles und leicht Zugängliches. Im Mittelpunkt ihres Programms stand das letzte Album Kleins „Radio Mediteran“. Lustvoll stürzten sie sich kopfüber in die einzelnen Kompositionen, holten sowohl klanglich als auch inhaltlich weit aus und machten dabei ihre Musik sogar körperlich spürbar. Ein Erlebnis, allein ihrer fast unverschämten Melodiosität zu folgen: Unverkrampft, herausfordernd, leidenschaftlich. Und zum Schluss gab es dann das erwähnte große Finale, als Avi Avital sich in das Trio mit einbrachte und die so formierte Band sich begeisternd um Kopf und Kragen spielte.

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