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Landsberg

12.07.2018

Urteil in Landsberg: Bewährungsstrafe für Hanf-Anbauer

Wegen verbotenen Hanfanbaus stand ein junger Mann vor dem Landsberger Amtsgericht. Diese Hanfpflanzen sind jedoch unbedenklich, sie wurden im Labyrinth in Utting fotografiert.
Bild: Sibylle Seidl-Cesare/Symbolbild

Einem jungen Mann wird in Landsberg der Prozess gemacht, weil er verbotene Pflanzen anbaute. Er habe damit die Leiden seiner kranken Mutter lindern wollen, sagt er vor Gericht.

Der unerlaubte Anbau und Besitz von Cannabispflanzen bringt einen jungen Mann, 25, aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck zwar nicht hinter Schloss und Riegel. Ungeschoren kommt er aber nicht davon. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Alexander Kessler verhängte eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Sie wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Angeklagte 100 Sozialstunden leisten.

Für eine Verkaufsabsicht fanden sich keine Beweise

Entgegen der Anklage ließ das Gericht nach der Beweisaufnahme aber einen der Anklagepunkte fallen: Der Vorhalt, dass der 25-Jährige Cannabispflanzen angebaut habe, um später mit dem Verkauf der Betäubungsmittel Geld zu machen, wurde nicht weiterverfolgt. Dies geschah unter anderem deswegen, weil bei der Durchsuchung eines von ihm angemieteten Austragshäuschens in einem Dorf im Landkreis Landsberg nichts Verdächtiges wie Tütchen, Waage, Crasher und Ähnliches gefunden wurde.

Zu dem Mietobjekt gehört, wie in der Hauptverhandlung bekannt wurde, ein Garten, in dem der Beschuldigte Gemüse und Kräuter anbaute, aber auch drei Cannabispflanzen. Darauf stieß die Polizei zufällig: Es ging um den Führerschein, den der Mann abgeben sollte – und das nicht tat. Also fuhren die Ordnungshüter vor Ort. Ihn trafen sie nicht an, die Beamten sahen aber viel Grün im Garten und nahmen plötzlich einen süßlichen Geruch wahr. Drei 1,70 Meter hohe Cannabispflanzen mit einem Rohgewicht von über drei Kilo fielen ihnen in die Hände. Die „Fundstücke“ wurden abgeerntet, getrocknet und dem Landeskriminalamt zur Untersuchung zugeleitet. Ermittelt wurde ein THC-Gehalt – das ist der Teil mit der berauschenden Wirkung – von 44,1 Gramm. Laut Strafprozessordnung ist das eine Menge, die fast um das Sechsfache über dem Schwellenwert liegt.

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Der Angeklagte kam barfuß in den Gerichtssaal

Der Angeklagte, der barfuß in den Gerichtssaal gekommen war – ein Novum in der Geschichte des Amtsgerichts – räumte dies nach anfänglichem Schweigen ein. Die Begründung überraschte Gericht und Zuhörer: Er habe dies seiner jetzt 65-jährigen schwerkranken Mutter zuliebe getan: Seit einem Schlaganfall im Jahr 2004, einem Schilddrüsenkarzinom Jahre später und mehreren Bandscheibenvorfällen erleide die Frau unsägliche Schmerzen. Tabletten in der gesamten Bandbreite, auch Morphine, würden, so der Sohn, nicht weiterhelfen. So habe er Hanfsamen ausgesät – und sich gewundert, wie schnell die Pflanzen in die Höhe schossen.

Vorher habe er sich bei verschiedenen Ärzten lange Zeit bemüht, ein Cannabis-Rezept zu erhalten. Vergeblich. „Da sind uns viele Steine in den Weg gelegt worden“, sagte die 65-jährige Frau enttäuscht, die mit einem Rollator da war. Vor allem störte die beiden das lange Genehmigungsverfahren, das ihnen angeblich bevorstehen würde. Die Schwerkranke sprach „Cannabis“ eine lindernde Wirkung zu: „Wir haben die Blüten abgezupft und Tee gekocht“, berichtete sie.

Der Richter rät zu einem strukturierten Leben

„Sie haben gewusst, dass das strafbar ist“, hielt Richter Kessler Mutter und Sohn vor. Er sagte weiter: „Wenn sich jeder über Gesetze hinwegsetzen und machen würde, was er will, würden wir ein totales Durcheinander bekommen.“ Dem Angeklagten, der sich bisher ohne festen Wohnsitz „auf der Walz“ sieht, riet der Richter, sich um feste Strukturen in seinem Leben zu bemühen. Schließlich habe er eine Verlobte und mit ihr zwei Kinder im Alter von drei Jahren und sechs Monaten. Der Mann will, wie er ankündigte, im Februar mit einem Studium beginnen. Ihm wird für drei Jahre ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Eine Weisung, die Staatsanwältin Manuela Kaiser angeregt hat.

Die von ihr geforderte Zahlung von 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung muss der Angeklagte nicht leisten. Sein Verteidiger Stefan Mittelbach erklärte, sein Mandant lebe quasi von der Hand in den Mund und halte sich mit Tätigkeiten wie Erntearbeiten oder Helfen beim Ausbau eines Hauses über Wasser. Dies geschehe für Kost und Logis und kleine Trinkgelder, erläuterte der Angeklagte.

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