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Penzing

01.09.2019

Ute Funk radelt von Ehrenamt zu Ehrenamt

Ute Funk und ihr Fahrrad, mit dem sie beinahe täglich in Penzing und Umgebung unterwegs ist.
Bild: Julian Leitenstorfer

Kommuniondienst, Demenzbegleitung oder Gemeinderat: Ute Funk aus Penzing hat viel zu tun. Warum ihr ein früherer Bürgermeister einst das Wort entzogen hat.

Ute Funk zu Hause in Penzing anzutreffen, ist gar nicht so einfach. Meist sitzt sie auf ihrem Fahrrad und ist unterwegs zu einer ihrer vielen Aktivitäten von Kommuniondienst bis Demenzbegleitung. Seit 2002 ist Ute Funk zudem für die CSU Mitglied im Penzinger Gemeinderat. Und nimmt das Amt sehr ernst, wie die Anwesenheitslisten beweisen. „Ich hab’ noch nie gefehlt“, berichtet sie mit ein wenig Stolz. Lediglich einmal, als die Sitzung eine Stunde früher als üblich begann und das erst kurzfristig bekannt gemacht wurde, habe sie es nicht rechtzeitig geschafft.

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Wenn es nach ihr geht, soll das auch so bleiben, denn sie ist für eine vierte Amtsperiode bereit. Voraussetzung sei natürlich, dass sie erneut auf die Liste gesetzt und dann auch gewählt werde. Ute Funk ist 1951 im Landsberger Krankenhaus in eine Welt hinein geboren worden, in der zu leben, es zwar nicht einfach war, aber aufwärts ging. Die Eltern waren Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, „Flichtling“, wie sie deren Dialekt schmunzelnd dafür verwendet. Die Familie, es gab bereits einen etwas älteren Bruder, wohnte in Penzing im „Waldlager“.

Kindheit und Jugend verbrachte sie im Waldlager

Zur Erklärung: Das Waldlager waren sieben Baracken, die für die Flüchtlinge im Südosten des Orts errichtet wurden. Dort hatten sich zuvor Schießstand und Waffenmeisterei befunden. Bis zu 300 Menschen drängten sich teilweise in den Unterkünften und teilten sich drei Wasserstellen. Heute sind Schrebergärten auf dem Gelände zwischen Fußballplätzen, Tennisclub und Streuobstwiese. Ute Funk denkt gern an die Kindheit und Freiheit im Lager zurück. „Wir hatten nicht viel“, erinnert sie sich, so sei beispielsweise in leeren Konservendosen gekocht worden. „Aber gejammert, geklagt so wie heutzutage, hat keiner.“ 1964 wurde ins neu gebaute Haus umgezogen.

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Ute Funk absolvierte die Mittlere Reife in der von den Dominikanerinnen geführten Mädchenmittelschule. Viele Jahre, auch nach der Heirat mit Günther und der Geburt von Tochter Andrea bis zum zweiten, männlichen Familienzuwachs Christopher, war sie im Landratsamt beschäftigt, zuletzt im Bauamt. Sie hatte also bereits Einblick in Kommunalpolitik. Nach dem Ausscheiden aus der Kreisbehörde war sie deshalb in der Verwaltung der Gemeinde Penzing willkommen, erledigte zwischenzeitlich kommunale Tätigkeiten wie das Aufmaß für den Kanal, der gebaut werden sollte. Politisch allerdings rührte sich da noch nichts. Aber kirchlich: Nach der Erstkommunion ihrer Tochter sei sie gefragt worden, ob sie für den Pfarrgemeinderat kandidieren würde. Sie sagte zu, wurde gewählt und war schnell gut beschäftigt.

In den Gemeinderat wurde sie auf Anhieb gewählt

„Es kam etwas auf mich zu und ich hab halt nicht nein gesagt“, meint sie und lacht. Das waren dann Aufgaben wie Eine Welt Kreis, Kommunion-, Lektoren- oder Krankenhausbesuchsdienst. Eine zeitlang war sie sogar Vorsitzende. Aus diesem Gremium hat sich die aktive Penzingerin mittlerweile zurückgezogen. Es kamen neue Aufgaben auf die seit vielen Jahren als Übungsleiterin für den Sportverein Tätige zu. So ist sie in der Klinikseelsorge beschäftigt und für die Caritas in der Demenzbegleitung. Und für den Gemeinderat, der ihr auch mehr oder weniger in den Schoß fiel: „Der damalige CSU-Vorsitzende Manfred Schmid hat mich 2001 gefragt, ob ich denn Interesse hätte.“ Sie kam auf die CSU-Liste und wurde auf Anhieb gewählt. Besondere Vorbereitung auf das neue Amt? „Ich bin da ganz unbedarft hingegangen“, meint sie heute und schmunzelt, „und hab mir angeschaut, was da so gemacht wird.“

Interessen hatten sich allerdings schnell herausgeschält. Angetrieben habe sie stets und bis heute zu sehen, wo Not oder Mangel sind. „Eine Vision von Beginn an ist die Installation einer Tages-/Kurzzeitpflege für Senioren am Ort.“ Das hat die Gemeinderätin, die zeitweise einzige Frau im Gremium war, bisher nicht erreicht. Geschafft hat sie hingegen unter anderem, dass Grabplatten auch im Alten Friedhof erlaubt sind. Ihr Wunsch nach alternativen Bestattungsformen wurde in der aktuellen Satzung teilweise, aber noch nicht bei allen ihren Vorstellungen nachgekommen. Als Fußwege im Ort asphaltiert werden sollten, war Ute Funk die erste, die dagegen plädierte und hatte auch gute Argumente. „Wo beispielsweise würde Wasser bei Starkregen hinlaufen als in die angrenzenden Gärten?“ Die Wege blieben in Kiesausführung. Die Radwegsperre an der Schwiftinger Straße konnte die heute 67-Jährige nicht verhindern, sie ist ihr heute noch ein Dorn im Auge.

Die Vereine sollen wieder in der Turnhalle Duschen können

Über die gegenwärtigen Bestrebungen, Bauland zu generieren sagt Funk, natürlich sei auch sie für Wachstum mit Förderung der Region, „aber moderat“. Erst müsse der Bedarf ermittelt und die Infrastruktur geschaffen werden. Bei „Bedarf“ sieht sie die einheimische Bevölkerung im Vordergrund. Überhaupt sollten erst die innerörtlichen Angelegenheiten zu einem guten Ende gebracht werden. Ganz aktuell brennen ihr die nicht nutzbaren Duschen in der Turnhalle unter den Nägeln. Hier müsse eine Technik gefunden werden, die es den Vereinen wieder möglich mache, die Duschen zu nutzen.

„Ich hatte oft einen anderen Blickwinkel als meine Kollegen im Gemeinderat.“ Das habe noch unter Bürgermeister Ottmar Mayr einmal sogar dazu geführt, dass ihr das Wort entzogen wurde. „Du bisch jetz amal still“, habe Mayr sie aufgefordert, was sie auch heute noch erheitert. Dank ihrer wie Ute Funk selbst sagt, „positiven Grundeinstellung“ habe sie Abstimmungsniederlagen nie persönlich genommen und Entscheidungen stets demokratisch mitgetragen. Für die kommenden Kommunalwahlen wünscht sich die Gemeinderätin „neue, junge Kandidaten“ auf den Listen. Schade findet sie, dass die angestrebte gemeinsame Liste für Penzing nicht zustande kommt. Schließlich gehe es um den Ort, ohne Fraktionszwänge. Ihr selbst sind gutes Miteinander, ständiger Austausch untereinander ein reges Vereinsleben wichtig.

Fast jeden Tag im Inselbad anzutreffen

Bei all den Unternehmungen dürfen Familie und auch sie selbst nicht zu kurz kommen. Mann, Kinder, Enkel und vor allem die eigene Gesundheit sind Ute Funk wichtig. Sie wolle schließlich noch lange fit bleiben, um ihre schwelenden Ideen zu einem guten Ende zu bringen. Wie sie das macht? Sie setzt sich aufs Fahrrad, radelt hierhin und dorthin, macht Sport, sauniert, ist in den Sommermonaten bei fast jedem Wetter im Inselbad anzutreffen. War es dort dann doch einmal zu kalt, dann steuert Ute Funk in direktem Anschluss die Sauna im Lechtalbad in Kaufering an.

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