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Landsberg

07.06.2018

Ute Geier näht Augen an und sorgt für Haltung

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2 Bilder
Diese Puppe bekommt eine neue Perücke.
Bild: Julian Leitenstorfer

In der Redaktion des Landsberger Tagblatts war eine Puppen- und Bärendoktorin zu Gast. Um zehn Uhr warten schon die ersten „Patienten“ mit ihren Begleitern auf ihre Behandlung.

Schon vor 10 Uhr warten die „Patienten“ vor dem Besprechungszimmer, das zur Puppenklinik umfunktioniert wurde: Puppen- und Bärendoktorin Ute Geier ist zu Gast im Landsberger Tagblatt und viele kommen, um langvertrautes Spielzeug reparieren zu lassen. „Um 1900 herum“, schätzt Ute Geier eine Gliederpuppe, die ihr Elke Hartmann reicht: „Das ist Holzfaser-Gussmasse“, erläutert Geier. Die Fixierung der Glieder ist ausgeleiert, neue Gummis werden im Körper verspannt und eine Gretchenfrisur ziert künftig das Köpfchen.

Ein kleiner Kopf ist geborsten

Irmgard Hartl aus Landsberg bringt eine Gliederpuppe, die sie selbst in einem Kurs beim ehemaligen Handwerksgeschäft Doll gemacht hat. „Wir haben die Puppen bemalt“, erzählt sie. Eine kleine Bubenfigur, die am Kopf geborsten ist, kann Ute Geier nicht mehr heilen, sie wurde einst mit laienhaft geklebt. Aber ein Mützchen drüber und schon macht der kleine Kerl wieder etwas her. Und auch die aus der ehemaligen DDR stammende Gliederpuppe von Ingrid Hartls Tante bekommt wieder neue Gummis, Augen und eine Perücke.

Kleider und Glieder

Die nötigen Utensilien kramt Ute Geier aus großen Sortierschachteln: Augen verschiedenster Größen finden sich hier, Schühchen liegen am Tisch, Kleider und Glieder. „Früher hat man solche Dinge auf Antik- und Flohmärkten eingekauft, heute läuft viel auch über das Internet“, erzählt Ute Geier. Sie hat die Puppenklinik von ihrem Mann Günter übernommen, der 56 Jahre lang als Puppendoktor unterwegs war. Beide leben in Lisberg im Steigerwald und Günter Geier lernte Schneider, bevor er sich den Puppen zuwandte.

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Auch die Bärenmamas sind dabei

Elisabeth Grötsch aus Landsberg ist mit einem hellbraunen Bären gekommen. Sie zieht an einer Aufziehschnur, doch das Stofftier bleibt stumm. Hier kann auch Ute Geier nicht helfen, das entsprechende Sprechgerät gibt es nicht mehr. „Ich hab’ den Bären von meiner Schwiegermutter bekommen“, erzählt Elisabeth Grötsch, „ich denke, er stammt aus der Nachkriegszeit“. Früher habe er mal sagen können: „Ich hab dich lieb.“ Margrit Höll aus Landsberg ist mit einer Puppe der Marke Schildkröt gekommen. „Die Puppe hat mir meine Oma geschenkt.“ Zumeist sind es Erwachsene, die kommen, Kinder spielten heutzutage eher mit Digitalem, vermutet die Puppendoktorin. So sind es die Erwachsenen, die mit einer Puppe oder einem Bären Kindheitserinnerungen verbinden. Oder das Spielzeug den eigenen Kindern kauften, wie Barbara Klappert, die eine Puppe einst für ihre Tochter kaufte.

Eine alte Schaufensterpuppe

Etwas Besonderes hat Brigitte Parzich dabei: „Die Schaufensterpuppe bekam ich von Frau Brand vom damaligen Modegeschäft Brand und Nill für meine Tochter geschenkt.“ Uli heiße der Schaufenster-Bub, der bei ihr immer einen Kamelhaarmäntelchen trug. Angesichts von fünf Enkel bedarf Uli jetzt jedoch einer Generalüberarbeitung. Über Mittag wird repariert und nachmittags holen die Puppen- und Bärenmütter ihre Lieblinge wieder ab. Anna Mayr aus Landsberg ist glücklich, dass ihre Schildkröt-Puppe Ella wieder richtig sitzen kann. Sie bekam eine Standardüberarbeitung: Frische Gummizüge. „Ich hab’ sie in den 1950er-Jahren von meiner Taufpatin bekommen“, hat auch für Anna Mayr die Puppe einen besonderen Status. Freude auch in der LT-Redaktion: Die eigene mitgebrachte Puppe, ist wirklich eine Käthe-Kruse-Puppe, wie Oma es sagte.

Also ein wertvolles Stück, das auch weiterhin einen guten Platz auf dem Wohnzimmerschrank bekommt.

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