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Landsberg

15.05.2020

Vereine im Landkreis Landsberg kämpfen mit den Folgen von Corona

Auf den Plätzen im Kauferinger Sportzentrum ist es ruhig. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Sportanlagen geschlossen. Erst langsam dürfen Sportler wieder ins Training einsteigen. Keine leichte Situation für die Vereine.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie lähmen das Vereinsleben im Landkreis Landsberg. Verantwortliche berichten von schmerzhaften Erfahrungen und Herausforderungen.

In den vergangenen Wochen gab es nahezu kein öffentliches Leben. Die Beschränkungen wegen des Coronavirus machen auch den Vereinen im Landkreis zu schaffen und haben teils schmerzliche Folgen für deren Mitglieder. Unsere Zeitung hat mit einigen Vereinsvertretern gesprochen und erfahren, wie schwierig die Situation teilweise ist.

Paul Blinia, Vorsitzender des Soldaten-, Reservisten- und Kameradschaftsvereins Dießen, hat ein Vereinsmitglied durch Corona verloren. Er wäre gerne zu dessen Beerdigung gegangen. „Dass wir daran nicht teilnehmen konnten, war sehr schmerzhaft für uns. Dass wir am Grab des Mitglieds noch einmal schießen und die Musik spielt, ist gute Tradition und hat der Kamerad auch verdient.“ Mit dem 71-Jährigen habe der Verein zudem ein sehr engagiertes Mitglied verloren.

Geehrt hätte Blinia auch gerne zwölf andere Mitglieder, was ebenfalls nicht möglich war, weil die Jahresversammlung ausgefallen ist. Ebenfalls abgesagt wurde der Besuch des österreichischen Partnervereins aus Schladming. Ob der Dießener Verein, der 140 Mitglieder hat, die geplante Tagestour an den Königssee Mitte August machen könne, sei auch fraglich, so Blinia. Der Termin sei aber noch nicht abgesagt worden.

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Die Mehrheit will auf Maiandacht verzichten

Gerungen wurde beim Katholischen Frauenbund Prittriching mit der Frage, wie der Verein mit der besonderen Situation umgehen soll. Anlass war die Maiandacht, sagt Vorsitzende Christine Weber. „Einige hätten die Veranstaltung gern durchgeführt, mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen, ich auch. Aber die Mehrheit hat sich dagegen ausgesprochen. Letztlich will nachvollziehbarerweise keiner Schuld sein, wenn sich das Virus dadurch ausbreitet.“ Weber hat festgestellt, dass die Sorge vor allem bei den älteren Mitgliedern groß ist. Bei Geburtstagen schaut normalerweise eine Abordnung des Vereins beim Geburtstagskind vorbei. Jetzt bleibe es bei einem Anruf, und das Präsent bei runden Geburtstagen werde vor die Haustür gestellt. „Einige wollen auch gar nicht, dass wir vorbeikommen“, sagt Christine Weber. Momentan hangle man sich von Woche zu Woche, sagt sie. Alle Aktivitäten liegen auf Eis, und die Jahresversammlung wurde abgesagt.

Eventuell finde der Tagesausflug ins Freilichtmuseum in Illerbeuren im Juni statt, so die Vorsitzende. „Doch selbst wenn das Museum auf ist und die Beschränkungen gelockert, kommen dann auch tatsächlich so viele mit, dass es die Buchung des Busses trägt?“ Finanziell seien die Beschränkungen für den Verein nicht dramatisch. Das Geld fehle dann eher bei den Vereinen und Organisationen, an die der Frauenbund Einnahmen spende.

Mit Sorge blickt auch Klaus Rehekampff, Vorsitzender des VfL Kaufering,auf das Thema. Die Mannschaftssportler könnten das gewohnte Training wohl frühestens im September wieder aufnehmen. „Vor allem in den Nachwuchsteams wird es spannend, inwieweit die Kinder wieder zu uns zurückfinden.“ Starten mit dem Training könnten nach den nun beschlossenen Lockerungen für den Breitensport Leichathleten, Fechter und Badminton-Spieler. Auch die Tänzer dürften grundsätzlich wieder beginnen. „Unter Abwägung von Kosten und Nutzen wegen der Auflagen muss man sich überlegen, was sinnvoll ist. Ein Tanzpaar mit Lehrer rechnet sich nicht. Zudem steht die Gesundheit über allem.“

Bislang keine Kündigungswelle

Bislang halten die Mitglieder dem VfL die Treue, ist Rehekampff erleichtert. Es gebe zwar Kündigungen, aber „keine Welle.“ Derweil laufen die Kosten für eigene Sportanlagen und Fixkosten wie Versicherungen weiter, ohne dass der VfL – der fast 1900 Mitglieder hat – Einnahmen generieren könne. Erspart bleiben dem Verein nur die Kosten für externe Hallen, in denen normalerweise Trainingszeiten gebucht werden.

Mit einem blauen Auge was die Finanzen angeht, kommt wohl die Sektion Landsberg des Deutschen Alpenvereins davon, die über 6800 Mitglieder hat. Einbußen hat der Verein beim Klettern in der Halle erlitten, das nicht mehr erlaubt ist. Die strengen Beschränkungen fallen aber genau in die Zeit zwischen dem Ende der Skisaison und dem Sommergeschäft auf der Landsberger Hütte im Tannheimer Tal, sagt Zweiter Vorsitzender Jochen Metzen. „Wir werden ab Pfingsten für österreichische Wanderer öffnen und ab 15. Juni, wenn die Grenzen wieder offen sind, auch für deutsche. Wenn in vergangenen Wintern viel Schnee gefallen war, sind wir auch so spät gestartet.“

Eine Herausforderung werde aus Sicht von Metzen für den Wirt, die Einhaltung der Abstandsregeln zu gewährleisten, auch wenn in Österreich nur ein Meter gefordert sei. Er rechnet mit mehr Andrang in den Bergen, weil Fernreisen heuer wohl flachfallen würden. „Wir werden nur einen Teil der 120 Sitzplätze im Haus nutzen können. Das wird bei der Bewirtung der vielen Gäste eine Herausforderung. Gleiches gilt für die knapp 130 Betten, von denen wir wohl 70 bis 80 nutzen dürfen für Übernachtungen.“

Programm wird 2021 nachgeholt

Mit Galgenhumor nimmt die Situation Beate Tschuri von den Blumen- und Gartenfreunden Asch. „Der Vorteil ist, dass ich so gleich mehrere Programmpunkte für nächstes Jahr habe.“ Der Pflanzentausch wurde abgesagt, der Ausflug zur Landesgartenschau und die Jahresversammlung mit Neuwahlen auch. Da sollte die Position des Kassenwarts neu vergeben werden. Alle anderen Mitglieder des Vorstands machen weiter. „Wir sind im Vergleich zu vielen anderen Vereinen aber noch relativ wenig betroffen und haben immer mal ruhigere Jahre dazwischen“, so Tschuri.

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