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Landsberg

22.01.2020

Verkauft eine Bettelmafia in Landsberg eine Zeitung?

Heinz Mennecken mit einem Exemplar der "Strassen Bildung", die er auf dem Landsberger Hauptplatz gekauft hat.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Heinz Mennecken kauft einem vermeintlichen Obdachlosen in Landsberg eine Ausgabe ab, doch zu Hause kommen ihm Zweifel. Jetzt will er andere Menschen warnen.

Heinz Mennecken aus Landsberg hat etwas für obdachlose Menschen übrig. Deswegen kauft er auch Zeitungen, die Obdachlose in den Städten anbieten. Vor Kurzem auch in seinem Wohnort Landsberg: Dort erstand er am Hauptplatz ein Blatt mit dem Titel „Strassen Bildung“. Doch das Druckwerk, das sich „Obdachlosen Selbsthilfezeitung“ nennt, kommt ihm merkwürdig vor. Jetzt warnt er die Landsberger.

Das Prinzip der Obdachlosenzeitungen dürften die meisten kennen: Menschen, die in der Regel auf der Straße leben, verkaufen Straßenzeitungen für 1,50 Euro, die Hälfte davon dürfen sie selbst behalten. Oftmals wirken sie auch selbst an der Redaktion und der Herstellung mit, so etwa bei der Münchner BISS, was für „Bürger in sozialen Schwierigkeiten“ steht.

Hinweise auf den Urheber der Zeitung fehlen

Diesem Prinzip – so der erste Eindruck – folgt auch die "Strassen Bildung", die Heinz Mennecken kürzlich von einem Straßenverkäufer in Landsberg kaufte. Sie kostet 1,50 Euro und 75 Cent davon sollen laut Preisangabe dem Verkäufer zugutekommen. Als sich Mennecken das Blatt genauer anschaute, kamen ihm jedoch Zweifel: „Über den Inhalt war ich überrascht“, erzählt er dem LT: Es stellte sich als buntes Sammelsurium von gedruckten Online-Texten dar. Da fand sich ein längeres Traktat über „Gesellschaft und Staat – soziales Wesen: Mensch“, Artikel über „Plastikmüll im Meer“ aus zeit.de, „Eisbären: Die Lebensgrundlage schmilzt“ von WWF.de, den Reggae-Sänger Bob Marley und „Krieg um Öl“. „Interessante Fakten“ bieten unter anderem den vielleicht einmal lebenswichtigen Hinweis, dass man Krokodilen auf dem Land am ehesten zickzack entkommen kann, und berichten über Unglückszahlen und einen Furz-Weltrekord. Daneben werden auf vier Druckseiten Obdachlosenhilfen in Nordrhein-Westfalen aufgelistet. Hinweise auf den Urheber des Blatts gibt es nicht: Ein Impressum fehlt. Unter dem Vorwort steht der Name „Herbert L Lalinon“.

Verkauft eine Bettelmafia in Landsberg eine Zeitung?

Von falschen Obdachlosen und unseriösen Blättern

Heinz Mennecken hegt einen Verdacht: Er habe gar keine echte Obdachlosenzeitung gekauft, sondern er könnte auf eine südosteuropäische Bettelmafia hereingefallen sein. Das seien organisierte Bettler- und Verkäufergruppen, die am Abend ihr Geld an ihren Clan abliefern müssen. Tatsächlich gibt es aus etlichen Großstädten Berichte von falschen Zeitungsverkäufern, die aggressiv und bettelnd aufträten. Daneben wird über nicht seriöse Blätter berichtet, die den Verdacht nahelegen, nur Passanten abzocken zu wollen. Manchmal ist auch unklar, woher diese Druckwerke kommen, die oftmals Menschen aus Südosteuropa anbieten.

Was es mit der "Strassen Bildung", die Heinz Mennecken gekauft hat, tatsächlich auf sich hat, bleibt aber unklar: Die Polizei habe darüber bislang keine Erkenntnisse, erklärt Andreas Engel, der stellvertretende Leiter der Landsberger Inspektion. Wem eine Obdachlosenzeitung merkwürdig vorkommt, der solle sich bei der Polizei melden, empfiehlt Engel: „Die Bürger können sich gerne an uns wenden, um das auch zu verifizieren.“

Aggressive Bettlergruppen werden aus der Stadt verdrängt

Grundsätzlich sei gegen einen Verkauf von Straßenzeitungen nichts einzuwenden, erklärt Ernst Müller, der Leiter des städtischen Ordnungsamts. Solange jemand keinen Stand aufbaue und den Verkehr nicht behindere, falle dies unter dem „Gemeingebrauch“ einer öffentlichen Verkehrsfläche. Allerdings brauche ein solcher Verkäufer, wenn er kein ortsfestes Geschäft habe, eine Reisegewerbekarte.

Mit organisierten und aggressiven Bettlergruppen habe man in der Vergangenheit durchaus immer wieder zu tun gehabt, berichtet Müller weiter. Man habe sie aber in Zusammenarbeit mit der Polizei durch wiederholte Personalienfeststellungen zurückdrängen können. Es gehe dabei darum, dass deren Hintermänner und mafiöse Strukturen nicht unterstützt werden, sagt Müller.

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