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Dießen

30.09.2020

Verkehr: Auf der Herrenstraße in Dießen wird demonstriert

Der Gastro-Unternehmer Peter Kaun junior (links) und der Café-Betreiber Klaus Zwettler organisieren eine Demonstration, die am Donnerstagnachmittag auf der Herrenstraße und der Hofmark auf die Verkehrssituation in der Dießener Ortsmitte aufmerksam machen soll.
Bild: Gerald Modlinger

Plus Lärm, Schmutz und Gefahren: Die Anwohner der Hauptverkehrsstraßen in Dießen sind genervt. Peter Kaun junior und Klaus Zwettler rufen zum Protest auf. Welche Forderungen sie stellen.

Vielen Anwohnern der Herrenstraße und Hofmark in Dießen reicht es: „Zu laut, zu dreckig, zu gefährlich“ sei es an den Hauptverkehrsstraßen in der Marktgemeinde. Und jetzt wollen sie am Donnerstag, 1. Oktober, von 16 bis 18 Uhr ihrem Unmut Luft machen: mit einer Demonstration auf der Herrenstraße und Hofmark. Verkehrsteilnehmer müssen sich auf Behinderungen einstellen.

Bei Klaus Zwettler, dem Betreiber des Cafés „M2“ am Marktplatz, und Peter Kaun junior, der in der Herrenstraße wohnt, laufen die Fäden zusammen. „Wir machen das Gleiche wie in Wallgau, nur in Dießen“, spielt Kaun auf die dortigen Proteste gegen den (Ausflugs-)Verkehr an. „Wir wollen, dass die Leute, die hier an den Straßen leben, endlich ernstgenommen werden. Es gibt hier sehr viele Leute, die viel auszuhalten haben.“

Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer

Fünf Forderungen stellen die beiden auf. „Das Wichtigste ist, dass die Schulwege gesichert werden“, sagt Kaun, der auch schon mal im Dießener Gemeinderat war. „Das ist oft ein Drama, man kann nicht mit ansehen, wie Erstklässler die Straße überqueren wollen.“ Es brauche Querungshilfen und breitere Gehwege. Wie das alles auf dem meist engen Straßenraum in der Herrenstraße und Hofmark realisiert werden kann? „Da sind die Verkehrsplaner gefragt“, sagt der 50-jährige Gastro-Unternehmer. Wenn nötig, müsse auch über Einbahnregelungen nachgedacht werden, um den nötigen Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Dafür müssten dann möglicherweise auch Fahrbahn- und Parkflächen wegfallen. Dießen benötige „ein vollumfängliches Radwegenetz“.

Außerdem fordert er auch weiträumigere Tempo-30-Regelungen im Bereich der Schulwege, also auch an der Landsberger und Rotter Straße. Auch der Von-Schorn-Weg könnte zu einem Rad- und Schulweg ausgebaut werden, so Kaun weiter, da müssten mit den Anliegern entsprechende Verhandlungen geführt werden.

Lkw sollen woanders fahren und die Motorradfahrer sollen leiser sein

Anwohner und Geschäftsleute wie der Café-Betreiber Klaus Zwettler klagen vor allem über den Verkehrslärm. „Die Situation ist schwer zumutbar“, sagt Zwettler mit Blick auf seine Gäste, „wenn es warm ist, wollen sie draußen sitzen, aber da herrscht Verkehrslärm.“ Seine Forderung: Der überörtliche Schwerlastverkehr zwischen Landsberg und Weilheim solle über Rott beziehungsweise Utting geführt werden. Und speziell an Motorradfahrer hat er eine Bitte: „Es geht tatsächlich auch leiser.“

Diejenigen, die lauter unterwegs sind als notwendig, hat auch Peter Kaun junior im Blick. Neben einer dauerhaften Überwachung der Höchstgeschwindigkeit (auf Herrenstraße und Hofmark gilt Tempo 30) solle auch die „Poserszene“ konsequent verfolgt werden, die sich beim Fahren mit Motorrad und Auto besonders laut bemerkbar machen. Der Lärm, sagt Kaun, nehme inzwischen Ausmaße an, die es oft sogar unmöglich machten, sich auf seiner 50 Meter entfernt von der Herrenstraße im rückwärtigen Grundstücksteil liegenden Terrasse zu unterhalten. Er habe zwar Verständnis, dass Menschen mobil sein müssen, merkt Kaun an, „aber es gibt kein Recht, anderen Menschen auf die Nerven zu gehen. Wer gerne laut und schnell fährt, soll es halt auf dem Nürburgring tun“.

Die Demonstration soll keine einmalige Sache bleiben

Und dazu komme auch der Schmutz. „Wir wissen nicht, wie oft wir unsere Fenster noch putzen sollen“, sagt Kaun. Er sieht auch einen deutlichen Zwiespalt zwischen der eingeschränkten Lebensqualität für die Anrainer und dem Umstand, dass sein Haus und die Herrenstraße praktisch auf jedem Prospekt und Postkartenmotiv von Dießen zu finden seien.

Dichter Verkehr: ein typisches Bild der Dießener Hofmark, den Anwohnern reicht es allmählich.
Bild: Gerald Modlinger

Die erste Demo, die am Donnerstag zwei Stunden lang auf der Straße stattfinden soll, solle auch nicht die einzige zu diesem Thema bleiben, betont Kaun. „Das ist erst die erste Versammlung dieser Art, vielleicht machen wir das auch mal am Sonntagnachmittag.“

Das Staatliche Bauamt sieht nicht so viel Spielraum

Welche Forderungen möglicherweise irgendwann erfüllt werden, ist offen. Die Sanierung von Herrenstraße und Hofmark wird seit Jahren als notwendig erachtet, momentan sind im diesjährigen Dießener Haushalt aber erst einmal nur Planungskosten in Höhe von 100.000 Euro vorgesehen und in den Folgejahren eine Million Euro für Baumaßnahmen. Ob die dazu führen, dass sich die räumliche Situation und die Nutzung des Straßenraums im Sinne von Anwohnern ändern, ist offen. Eine Planung gebe es noch nicht, hieß es im August vonseiten des Staatlichen Bauamts in Weilheim, das Baulastträger der Staatsstraße ist. Und der Spielraum für Änderungen sei aufgrund der teilweise engen Straßenschlucht begrenzt. Auch zu Forderungen nach Ampeln, die einen wechselnden Einbahnverkehr regeln, äußerte sich die zuständige Sachgebietsleiterin zurückhaltend. Die Kapazität der Straße würde dadurch gleichsam halbiert, was zu Staus und vor allem zu Verkehrsverlagerungen in andere Straßen führen würde. Diesen Effekt habe man bereits während der Baustelle in der Hofmark im Frühsommer spüren können.

Die erste Versammlung zur Verkehrssituation im Ortskern findet am Donnerstag, 1. Oktober, von 16 bis 18 Uhr statt. Die Veranstalter weisen auf Mindestabstand und Maskenpflicht hin.

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