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Landsberg

09.09.2020

Verkehr in Landsberg: Warum der Hinteranger eine Problemzone ist

Der Hinteranger in Landsberg an einem normalen Wochentag.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seit Jahren kritisieren die Anwohner den schlechten Zustand und das hohe Verkehrsaufkommen im Hinteren Anger in Landsberg. Dabei hat die Verwaltung schon eine Lösung parat.

Über zwei Wochen lang war der Landsberger Hauptplatz im August wegen Pflasterarbeiten einseitig gesperrt. Der Verkehr aus Richtung Neuer Bergstraße wurde in dieser Zeit über die Schlossergasse, den Holzmarkt und den Hinter-anger umgeleitet. In Spitzenzeiten wälzten sich an die 12.000 Fahrzeuge über das in die Jahre gekommene Kopfsteinpflaster. Das hohe Verkehrsaufkommen und der schlechte Zustand der Fahrbahn im Hinteren Anger ärgert die Anwohner schon lange. Doch es passiert nichts. Unsere Zeitung hat sich auf eine Spurensuche begeben.

Die Suche geht zurück ins Jahr 1994. Damals wurde der Hinteranger letztmals saniert. Der Plan der Verwaltung, die Gehwege zu verbreitern und Parkplätze abzubauen, wurde vom Stadtrat abgelehnt, erinnert sich Tiefbauamtsleiter Hans Huttenloher heute. Seinerzeit seien auch bauliche Fehler gemacht worden. Beim Verfugen des Kopfsteinpflasters wählte man das falsche Material, zudem sei der Hinteranger auf politischen Druck zu früh wieder für den Verkehr geöffnet worden. In der Folge gab das Pflaster nach und schon früh bildeten sich Spurrillen. Mittlerweile sieht Huttenloher dringenden Handlungsbedarf, was den Zustand der Straße angeht.

Sollen Vorderer und Hinterer Anger autofrei werden?

Bauliche Veränderungen im Hinteranger waren politisch immer wieder ein Thema, konkreter wurden sie im Frühjahr 2014 bei einem Treffen des Runden Tisches Innenstadt, als der damalige Oberbürgermeister Mathias Neuner ( CSU) die Bürgergruppe Urbanes Leben am Papierbach bat, ein Konzept für eine Bürgerbeteiligung im Vorder- und Hinteranger zu entwickeln. Im Mai 2018 schlug Neuner ein anderes Pflaster, keine Bordsteine mehr und eine deutliche Reduzierung der Stellplätze vor. Er sah darin eine Stärkung des Einzelhandels und folgte dem Gutachten des Verkehrsplaners Professor Hermann Knoflacher, den Vorder- und Hinteranger weitestgehend autofrei zu halten.

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Im Juli 2018 sprach sich der Stadtrat für eine Bürgerbeteiligung im Vorfeld irgendwelcher Planungen aus. Noch im Mai waren sich einige Stadträte regelrecht in die Haare geraten – auf der einen Seite die Befürworter von Fußgängerzonen und weitestgehender Verbannung von Autos, auf der anderen die Unterstützer der Einzelhändler. Denn besonders die Gewerbetreibenden in Vorder- und Hinteranger hatten im Vorfeld der damaligen Sitzung mit einer Plakataktion gegen eine Verlegung von Parkplätzen und der Schaffung einer weiteren Fußgängerzone mobil gemacht. Als Ergebnis der Sitzung im Juni 2018 sollte Stadtplaner Mathias Rothdach weitere Fachberater einschalten. Diese sollten das Bürgerbeteiligungsverfahren begleiten. Im April 2019 fand eine öffentliche Erörterungsveranstaltung im Festsaal des Historischen Rathauses statt, bei der ein Gesamtkonzept für die Verkehrsströme in der Stadt Thema war.

Doch was ist aus der Bürgerbeteiligung geworden? „Ob die noch unter Herrn Neuner angestoßene Bürgerbeteiligung im Haushalt 2021 eingeplant wird, ist aktuell aufgrund von Corona völlig offen“, teilt Andreas Létang, der Pressesprecher der Stadt, auf Nachfrage mit. Aktuell würden zumindest Maßnahmen für eine Sanierung des Hinterangers erarbeitet.

Im Schnitt fahren bis zu 8000 Fahrzeuge pro Tag über das Kopfsteinpflaster des Hinteren Angers, das an vielen Stellen (unten) sanierungsbedürftig ist.
Bild: Julian Leitenstorfer

Innerhalb der Verwaltung gibt es zudem Überlegungen, wie die baulichen Probleme im Hinteranger zumindest übergangsweise gelöst werden könnten: mit Asphaltstreifen zwischen dem Kopfsteinpflaster. Diese Variante nennt Ernst Müller, der Leiter des Amts für öffentliche Sicherheit und Ordnung. So könnten schadhafte Stellen ausgebessert, die Verkehrssicherheit verbessert und das Lärmaufkommen deutlich minimiert werden.

Ernst Müller hat durchaus Verständnis für die Beschwerden der Anwohner. Schon in normalen Zeiten fahren an die 8000 Fahrzeuge pro Tag über den Hinteranger. Während der Sperrung des Hauptplatzes seien bis zu 12.000 Fahrzeuge gezählt worden. Hinzu komme, dass trotz Verbots des Schwerlastverkehrs auch Lastwagen über das Kopfsteinpflaster fahren.

Gibt es wirklich keine Umleitungs-Alternative?

Auch zur Kritik, dass es keine Alternative zu einer Umleitung über den Hinteranger gibt, äußert sich Ernst Müller. Bei einer Sperrung des Hauptplatzes bliebe nur die Autobahn als mögliche Alternative. Zum Nadelöhr würde dann die Anschlussstelle Landsberg-Nord. Dort seien in normalen Zeiten schon über 20.000 Fahrzeuge unterwegs. Mit dem Umleitungsverkehr inklusive Schulbusverkehr gerate auch der Bereich rund um die Anschlussstelle an seine Kapazitätsgrenze.

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Verkehrsprobleme in Landsberg: Wenn eine Straße spricht

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