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Konzert

14.05.2019

Verrückter Musikgenuss

Das Ensemble Kassiopeia mit Felicia Graf (Barockvioline), Sophia Rieth (Blockflöte), Kirstína Chalmovská (Barockcello), Fabian Löbhard (Percussion).
Bild: Leitenstorfer

Das Ensemble Kassiopeia überschreitet Grenzen. So war der Auftritt in der Landsberger Christuskirche

Verrückt, irre, durchgeknallt – „Lunatic!“: La Luna, der Mond, hat mitgemischt beim Konzert in der Landsberger Christuskirche. Im Rahmen der Kreiskulturtage Mut war dort ein Konzert zu hören, bei dem in fröhlicher Verrücktheit, mit frechem Mut manche musikalische Grenze überschritten, der Zuhörer aber immer wieder in die (scheinbare) Einfachheit gleitender Harmonien zurückgeholt wurde.

Zu Gast waren fünf junge, vielseitig tätige und in unterschiedlichen Gruppierungen agierende Musiker, die sich als „Ensemble Kassiopeia“ – der Name ist Programm – der alten Musik verschrieben haben. Die Zuhörer bekamen Musik serviert, die sich zwischen Ausgelassenheit bis zur Ekstase und meditativer Introvertiertheit bewegte und zur Zeit ihrer Entstehung meist als unmöglich galt. Wie es halt so ist, wenn sich gewohnte Traditionen auflösen und weiterentwickeln.

Am Beginn stand mit Claudio Monteverdi ein Komponist der Renaissance, der mit seiner Musik die Tür zum Barock bereits einen Spalt breit geöffnet hatte. Das Quintett musizierte auf alten Instrumenten, was für Akteure wie Zuhörer stets eine Herausforderung, aber auch ein Extragenuss ist. Barockvioline und Barockcello punkten im Gegensatz zu ihren modernen, obertonreichen Geschwistern, mit warmem Klang. Beim Cembalo war und ist auch heute noch normal, dass es in den Mittellagen schräg zu klingen scheint, was aber zur Hochzeit dieses Instruments üblich, ja verpflichtend war. Mit der Folia von Andrea Falconieri zeigte das Quintett erste Ansätze von Wildheit. In ungestümem Wechsel tobten sich die Instrumente aus und mancher Zuhörer wurde zum Mitwippen verführt.

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Ein erster Höhepunkt war eine mittelalterliche Estampita, bei der sich Fabian Löbhard (Rahmentrommel) und Sophia Rieth (Blockflöte) in einen wahren Rausch spielten und die ansonsten still lauschenden Zuhörer zu Beifall hinrissen. Mit einem Capriccio von Merula für Cembalo solo (Umberto Kostanic) kehrte, wenn auch nur kurzzeitig, erneut Ruhe ein. Es war eine göttliche Idee der Musiker, den vier Sätzen einer Sonata von Gabrieli mit Perkussion Pep zu verleihen.

Irrer Schluss des Abends: La Follia von Vivaldi, bei der das Quintett in wilder Entschlossenheit sich dem Übermut hingab. Fehlte nur noch ein Tanzpaar, das den Rhythmus in einem Gotteshaus in Bewegung umsetzte – und der Mut hätte ein Ausrufezeichen bekommen.

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