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Landsberg

04.12.2020

Vertragen sich in Landsberg Maskenpflicht und Glühwein?

Ganz ohne Bratwürste und Glühwein geht es auch im Corona-Advent nicht: Die Villa Rosa (im Bild Thorsten Endt) bot auch schon am ersten Adventswochenende diese Winterspezialitäten an.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ganz ohne Glühwein und Bratwurst muss man in Landsberg auch heuer nicht auskommen. Die Wirte bewegen sich mit ihren To-go-Angeboten auf einem schmalen Grat zwischen Infektionsschutz und Adventsstimmung.

Maskenpflicht in der Landsberger Altstadt und zugleich Essen und Trinken to go im Advent auch mit Glühwein und Bratwurst. Passt das zusammen? Darüber gehen auch bei den Landsberger Gastronomen die Meinungen auseinander. Das LT hat mit Wirten gesprochen – und fragt, wie die Polizei mit dieser Thematik umgeht.

Der ansonsten im Dezember allgegenwärtige Duft von Bratwurst und Glühwein ist heuer aufgrund der Corona-Infektionslage kaum wahrnehmbar. Ein paar Oasen mit den saisonalen Heißgetränken gibt es aber zumindest an den Adventswochenenden schon. So passt Valentina Hamberger vor der „Villa Rosa“ im Vorderanger ihr To-go-Programm an die Vorweihnachtszeit an und bietet Bratwurst in der Semmel und Glühwein an. „Ich finde das wichtig“, sagt Hamberger, „weil wir den Leuten signalisieren wollen, dass wir da sind und wir auch ein Stückchen Weihnachtsstimmung zaubern wollen.“ Denn die Atmosphäre in der Altstadt sei heuer „komplett anders“. Die Besucherfrequenz sei deutlich geringer als in den Vorjahren und die geschlossenen Lokale schadeten auch dem Einzelhandel, meint sie.

Ein bisschen Spaß beim Spazierengehen

Ähnlich sieht das auch Dominik Wengert von der „Stufe 15“, die seit Freitag wieder „To go“ anbietet – an Samstagen und Sonntagen auch Glühwein und heißen Ingwer. Man wolle zwar nicht, dass sich Grüppchen bilden, sagt er, „aber man soll den Leuten auch noch ein bisschen Spaß beim Spazierengehen lassen. Geselligkeit tut der Seele gut, und solange sich keine Menschentrauben bilden, sehe ich auch in einem Glühweinverkauf kein Problem“.

Seit Freitag sind auch Billie Salzeder und Dominik Wengert von der "Stufe 15" wieder im To-Go-Betrieb - am Wochenende auch mit Glühwein und heißem Ingwer.
Bild: Julian Leitenstorfer

Manuela Sauter („Sonderbar“ und „Zim-mer“) sieht die Sache anders. Sie hat keinen To-go-Betrieb, „weil wir es nicht verantworten können, dass um uns herum gegen die Maskenpflicht verstoßen wird. Wir befinden uns mit unserem Zim-mer mitten in der Maskenpflicht-Zone. Kaum einer wird mit seinem Glühwein erst einmal diese Zone verlassen, um ihn dann woanders trinken zu können“, schreibt Sauter auf Facebook.

Manuela Sauter blickte mit schlechtem Gewissen auf die Lechmauer

Die eigene überstandene Corona-Erkrankung habe für diese Entscheidung zwar noch den letzten „Schubs“ gegeben, allerdings habe sie auch im Sommer teilweise sorgenvoll auf das Geschehen in Landsberg geblickt: „Da habe ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen gehabt, als ich gesehen habe, was auf der Lechmauer war“, sagt Sauter. Sie sieht zwischen ihren Lokalen und der „Villa Rosa“ einen wesentlichen Unterschied: Auf dem Gehsteig im Vorderanger sei weniger zu befürchten, dass sich Leute mit einem Becher Glühwein in der Hand in Gruppen aufhielten als an der Karolinenbrücke unweit der Lechmauer und am Hellmairplatz.

Aber wie wird es nun mit Essen und Trinken in einem Gebiet mit Maskenpflicht gehandhabt? Polizeichef Bernd Waitzmann erläutert den derzeitigen infektionsschutzrechtlichen Rahmen: To-go-Verkauf sei auch in Gebieten mit Maskenpflicht erlaubt, hält er fest. Die Gastronomen dürften keine Steh- und Sitzgelegenheiten anbieten. Auf einer Mauer oder einer Parkbank sitzend in eine Bratwurstsemmel zu beißen oder einen Glühwein zu trinken, sei auch in der Altstadt nicht verboten. „In der Maskenpflichtzone darf ich die Maske abnehmen, wenn ich was esse oder trinke“, betont Waitzmann. Ob es sich dabei um ein Nahrungs- oder Genussmittel handle, mache keinen Unterschied. Die einzige Einschränkung sei bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50, dass in den Maskenzonen zwischen 22 und 6 Uhr kein Alkohol verkauft werden dürfe. Am Freitag lag die Inzidenz im Landkreis bei 152. Sollte sie die 200er-Marke überschreiten, könnte der Konsum von Alkohol auf stärker frequentierten Plätzen ganztägig verboten werden, so Waitzmann.

Am ersten Tag kam die Polizei zum "Wein und Sein"

Auch Dr. Helene Wiesehoff von „Wein und Sein“ in der Schulgasse schenkt freitags ab 16 und samstags ab 12 Uhr „Glühwein to go“ aus. Am ersten Tag dauerte es freilich nicht lange, bis die Polizei kam, erzählt Wiesehoff. „Da standen acht Pärchen in weitem Abstand auf der Schulgasse“, berichtet die Weinhändlerin. Der Glühweinausschank wird weitergehen. Allerdings wird Wiesehoff keinen Stand mehr aufbauen. Sie sei aufgefordert worden, das Getränk aus dem Laden heraus zu verkaufen. Grund dafür sei wohl, dass es noch weitere Anfragen auf Errichtung von Verkaufsständen gegeben habe.

Im „Wein und Sein“ schenkt Helene Wiesehoff am Freitag- und Samstagnachmittag Glühwein aus.
Bild: Julian Leitenstorfer

Dazu heißt es auf LT-Nachfrage von der Stadt: „Wir können leider keine Verkaufsstände auf öffentlichem Grund für Speisen und Getränke genehmigen. Wir haben natürlich absolutes Verständnis für die Situation der Gastronomen. Die Gefahr, dass sich vor den Ständen zu viele Personen treffen und das Virus sich ausbreitet, ist einfach zu groß. Was jedoch selbstverständlich möglich ist, ist die Abgabe von Speisen und Getränken zur Mitnahme aus dem Geschäft heraus.“

So ist es am Untermüllerplatz in Dießen

In Dießen gibt es eine Maskenpflicht in den Seeanlagen und am Untermüllerplatz. Genau zwischen drin bietet das „essen’s art“ von Karin Kleber Speisen und Getränke zum Mitnehmen an: „Wenn schönes Wetter ist, dann ist sehr viel los, die Leute wollen raus und suchen nach Möglichkeiten, wo sie etwas konsumieren können, und nutzen jeden Stein aus, wo sie sich hinsetzen können“, sagt die Inhaberin. Die Maskenpflichten in Dießen könne sie nicht nachvollziehen. Aber sie betont: „Wir halten uns an die Vorschriften, und sagen den Leuten, dass sie bitte weitergehen sollen.“

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