1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Viele wollen helfen und einer muss koordinieren

Thema Asyl in Utting

01.10.2015

Viele wollen helfen und einer muss koordinieren

Asylsozialberaterin Michaela Zeilmeir, Landrat Thomas Eichinger und Uttings stellvertretende Bürgermeisterin Margit Gottschalk.
Bild: Stephanie Millonig

Infoabend im katholischen Pfarrrheim. Schondorfer bereit, Halbtagesstelle zu finanzieren, damit Ehrenamt organisiert wird

Utting Mitte bis Ende Oktober werden insgesamt rund 100 Asylbewerber in Utting untergebracht sein. Wie mit der Situation umgegangenen werden soll und wie Integration gelingen kann, darüber ist am Mittwochabend in Utting diskutiert worden. Landrat Thomas Eichinger war mit der Sachgebietsleiterin Asyl, Barbara Rösner, und deren Mitarbeiter Andreas Schwan gekommen, um die rund 150 Interessierten im katholischen Pfarrheim über die Belegung des Seefelder Hofs mit bis zu 60 Personen zu informieren.

Auf die weltpolitische Lage ging Zweite Bürgermeisterin Margit Gottschalk in ihrer Eröffnung ein. Sie erinnerte am Beispiel der von Bürgerkrieg, Bedrohung durch den Islamischen Staat oder grausame Machthaber betroffenen Ländern Syrien, Irak und Sudan an die Gründe, die Menschen zur Flucht zwingen. 60 Millionen seien es weltweit und Deutschland nehme nicht die meisten auf. „Wir schaffen das“, zitierte sie Merkel, forderte aber, dass dies richtig organisiert werden müsse. „Wir brauchen Wohnungen, Bildung und Arbeit.“

Für Ersteres ist der Landkreis zuständig, der derzeit 950 Asylbewerber in 90 Einzelobjekten untergebracht hat. Bis Jahresende kommen laut Eichinger noch einmal 500 dazu, und der Landrat weiß nicht, wie es weitergeht. Ab einer Zahl von 75 Flüchtlingen in einer Einrichtung gibt es staatliche Gelder für einen sogenannten Kümmerer, der etwas weitergehende Aufgaben als ein Hausmeister übernimmt. Eichinger will dies auch schon für Unterkünfte mit 60 Leuten wie in Utting möglich machen. Dabei handle es sich aber nicht um eine Sozialarbeiter-Stelle. Denn diese könnten nur über die freien Wohlfahrtsverbände eingerichtet werden, und derzeit gebe es fünf Sozialarbeiter in der Asylberatung beim Roten Kreuz und eine bei der Diakonie.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Professionelle Organisation ist notwendig

Für den Raum Ammersee ist Michaela Zeilmeir mit Büro in Dießen zuständig. Sie erläuterte, dass es für sie kaum machbar sei, eine Einrichtung mit 60 Personen adäquat zu betreuen. Also müsse es in Utting weiter und verstärkt gelingen, ehrenamtliche Helfer einzubinden. Je größer jedoch der Aufgabenbereich und die Anzahl der zu betreuenden Menschen, desto größer auch die Notwendigkeit, dass das Angebot professionell koordiniert werden – auf ehrenamtlicher Basis sei dies nicht mehr zu leisten, machten verschiedene Beiträge derer deutlich, die sich schon in den vergangenen Monaten am Ammersee um Flüchtlinge gekümmert haben. Der Schondorfer Horst Biallo erklärte sich spontan bereit, eine Halbtagsstelle zu finanzieren. Er ist in der Nachbargemeinde im Helferkreis aktiv und sieht die Notwendigkeit für einen entsprechenden Koordinator, wie er dem LT sagte.

Somit werden auch die verschiedenen Ideen gebündelt werden können, die am Mittwochabend angesprochen wurden. Beispielsweise wollen Margit Gottschalk und Renate Standfest im Gemeinderat das Thema Deutschkurs einbringen, damit, ähnlich wie in Kaufering, über die Volkshochschulen am See Deutschkurse mit Zertifikat angeboten werden können. Ein Flyer oder eine Broschüre, die Neuankömmlinge mit den sozialen Gepflogenheiten in Deutschland vertraut macht, war ein Vorschlag. Denn es wurde auch angesprochen, dass Konfliktpotenzial bestehe, wenn hauptsächlich junge Männer aus Kulturen mit einem völlig anderen Umgang der Geschlechter hier eintreffen – vor allem, wenn diese jungen Männer nur auf den Abschluss ihres Verfahrens warten können, ohne jegliche Beschäftigung.

Sprache, Ausbildung und Betätigung seien wichtige Schlüssel für die Integration, so ein Grundtenor der Beiträge. Schon länger hier weilende Flüchtlinge wollen sich auch einbringen und den Neuankömmlingen erklären, wie manches hier so läuft, wie von einem Betreuer zu erfahren war. Denn sich hier nützlich machen zu können und etwas zurückzugeben, dies sei vielen Flüchtlingen wichtig. Dass jeder der bald Ankommenden einen persönlichen Paten bekommt, war ein Vorschlag, und Willkommenskultur mit Weihnachtspäckchen zu demonstrieren, ein weiterer. Monsignore Heinrich Weiß schlug vor, einen Schritt weiterzugehen und eine Flüchtlingsfamilie zum Fest einzuladen.

Paten Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich um Asylbewerber zu kümmern, kann sich an Michaela Zeilmeir wenden, Telefon: 08807/2069837 oder 0151/ 40908362.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren