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Landsberg

06.11.2015

Vier Frauen und ihr Höllentrip

Die Büchse der Pandora, wird sie geöffnet? Hannah Aires (Angelika Engl), Paola Erdmann (Dr. Regina Kläger), Marzella Feuerbach (Christine Wachsmuth) und Pezi Walters (Nikita Janson) meditieren.

Theater „Gott der Träume“ im Landsberger Stadttheater. Wenn Freundinnen sich nach 40 Jahren wiedertreffen

Landsberg Vier Frauen, vier Leben – und vier so ganz unterschiedliche Schicksale über vier Jahrzehnte. Marzella, Paola, Hannah und Pezi sind nur durch eins verbunden, ihre Freundschaft aus der Jugendzeit. Autor und Regisseur Max von Theben machte aus dieser Geschichte das Theaterstück „Der Gott der Träume“ und ließ die Zuschauer an einem Treffen dieser Frauen nach 40 Jahren teilnehmen. Und Theben überzeugt dabei vor allem als Autor eines sehr besonderen Stücks.

Nichts lief im Leben der Frauen so wie gewollt, wer Liebe wollte, bekam Geld, wer Ruhm wollte, musste sich verkaufen, wer eine Familie suchte, bekam einen schwulen Mann und wer ein Heim wollte, musste die Spielschulden des Mannes auf ungewöhnliche Weise bezahlen. Nach 40 Jahren treffen sich die vier Freundinnen wieder und versuchen, sich gegenseitig etwas vorzuspielen, sie scheitern natürlich bei diesem Versuch und bald wird gestritten, was das Zeug hält, und so manche Wahrheit kommt ans Tageslicht. Anerkennung, Macht, Bestätigung – all das scheint den Frauen nicht vergönnt zu sein und so begeben sie sich auf eine Reise in die Träume, mithilfe von Drogen und – erfahren noch mehr über sich.

Max von Thebens Stück ist eine echte Herausforderung für die Schauspielerinnen, denn er schickt sie auf eine emotionale Tour de force. Die vier – alle Laien – spielen mutig, die Rollen verlangen viel Einsatz – einen Seelenstriptease der besonderen Art, der auch so manche Profischauspielerin vor eine Herausforderung stellen würde. Christine Wachsmuth ist Marzella Feuerbach – eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit einem Geheimnis. Sie hält beim Treffen die Fäden in der Hand – boshaft beobachtet sie die anderen und wie Stück für Stück die Masken fallen. Sie traktiert die Frauen und spielt mit ihnen. Sie fürchten sich vor ihr, können sich aber ihrem Bann nicht entziehen. Wachsmuth freut sich sichtbar, wenn sie wieder eine in die Falle gelockt hat. Ihre Stärke sind die ruhigen Momente, aber auch die gezielt eingesetzten kleinen Bosheiten. Dr. Regina Kläger ist in der Rolle der Filmdiva Paola Erdmann zu sehen und spielt dies genüsslich aus. Es macht ihr sichtlich Spaß, auf der Bühne zu stehen – und sie zieht alle Register. Dabei muss sie eigentlich gar nicht viel machen, denn sie ist eine Powerfrau mit Bühnenpräsenz. Gegen diese beiden starken Frauen gilt es anzuspielen, und das schaffen Angelika Engl und Nikita Janson an diesem Abend hervorragend. Engl als leidgeprüfte Ehefrau und Mutter, Hannah Aires, die von ihrem schwulen Mann mit einem Teenie betrogen wird und vier pubertierende Söhne hat. Hysterisch, tablettensüchtig – kämpft sie – Engl überzeugt in den leisen Tönen wie auch, wenn sie ausflippt. Janson ist Pezi Walters, die christliche Hausfrau, mit dem dubiosen Nebenjob, die ihr Landhaus liebt und ihren spielsüchtigen Ehemann hasst. Sie macht die größte Wandlung durch – von der spießigen Ehefrau bis zur zugedröhnten rebellischen Hausfrau.

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Alle vier müssen eine Unmenge von Text beherrschen und zeigen kaum Schwächen. Und wenn sie mal den Text vergessen, dann wird das wie bei Wachsmuth so gekonnt umspielt, dass man daran besonderen Spaß hat. Norbert Waldmann gibt den Ehemann von Pezi und überzeugt wie immer. Souverän, unaufgeregt ist er völlig natürlich – und wirkt keine Sekunde unsicher auf der Bühne. Nadine Waldmann und Markus Schaumann bilden als Hausmädchen und Assistent ein Duo, das das Beste aus der Situation macht. Schaumann war auch für die Regieassistenz zuständig – und er und Regisseur Maxi Huber (der als Max von Theben schreibt und arbeitet) hatten ein sehr lernfähiges Team. Ein guter Regieeinfall sind die Videosequenzen, die die Freundinnen in jungen Jahren an der Schule zeigen. Lena Wachsmuth, Verena Hamel, Tine Polzer und Franziska Rotthat spielen die Mädchen – rasant und mit viel Power. Und man bekommt Einblicke in das Leben der jungen Frauen, die sich bei ihrer Freundin Pezi auf einen Höllentrip treffen.

Termine Noch zu sehen am Samstag, 7. November, 19 Uhr, Sonntag, 8. November, 19 Uhr und Mittwoch, 11. November, 20 Uhr. Karten gibt es im Reisebüro Vivell, 08191 917412 oder im Landsberger Stadttheater unter 08191 128333.

Im Internet

www.landsberger-tagblatt.de

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