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01.10.2009

Villenkunst in der Kunstvilla

Landsberg 1901 wurde die Villa Romenthal in Dießen mit wunderbaren Ausblicken auf den Ammersee erbaut. In zurückhaltender Form macht sich in vielen Details die Ornamentsprache des Jugendstil auch heute noch bemerkbar. Die schöne Villa in dem großen alten Garten wurde zuletzt gründlich renoviert und steht nun zum Verkauf an. Inspiriert durch die leerstehenden Räume, kamen die jetzigen Besitzer Christiane und Christof Seiffert auf die Idee, hier noch einmal vom Untergeschoss bis zum Dach Kunst zu zeigen.

Die Ausstellung wird von Michael Gausling, dem Leiter der Galerie im Fritz-Winter-Atelier, kuratiert. Dabei ist es ihm gelungen, das gesamte Haus und den Garten abwechslungsreich zu bespielen und dennoch jedem der 21 Künstler ausreichend Raum zu geben. Neben den bekannten Künstlern der Galerie wie Georg Bernhard, Hans Dumler, Antonio Marra, Jusha Mueller u.a. sind hier spannende Arbeiten von Künstlern zu entdecken, die bisher weder im Fritz-Winter-Atelier noch in der Galerie im Unteren Schloss in Pähl zu sehen waren.

Im Garten treten die abstrakten, stelenartigen Stahlfiguren von Max Schmelcher in Dialoge miteinander. Sie reagieren aber auch auf die filigranen Geflechte von Dorothea Reese-Heim, die so selbstverständlich im Gras stehen. Der Kontrast könnte nicht spannender sein: hier die aufwärtsstrebenden Formen, stark und schwer, dort die hauchdünnen Materialen wie Federstahl und Kabelbinder, die sich im Wind bewegen. Die Ausstellung in Garten und Villa lebt von den Kontrasten. Gleich am Eingang wird der Besucher von einem explodierenden Farbenrausch begrüßt. Action Painting von Wang FuQiang, dessen Arbeiten vor gut drei Jahren in Dießen zu sehen waren. Das große Bild korrespondiert am Treppenende mit der "Windsbraut" von Gabriele Pöhlmann. Das Gemälde entstand mit anderen flüchtig-expressiven Windsbräuten 2006. Wie sehr sich ihr Werk seitdem verändert hat, zeigt der Raum mit den Arbeiten, in denen sie dem Mikro- und Makrokosmos nachspürt.

Prächtiges Panorama

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Doch zunächst betreten wir magisch angezogen den großen hellen Salon mit Bildern und Zeichnungen von Georg Bernhard. Vom dahinterliegenden Wintergarten aus erschließt sich, von Bäumen gerahmt, das prächtige Panorama des Ammersees. Schöner könnte die Bronzefigur von Anton Hiller kaum platziert sein. Der anschließende Raum zeigt die Installation "Licht" von Cornelia Rapp, die wohl erst in der Dunkelheit ihre ganze Wirkung entfalten wird. In den beiden Badezimmern und in einem weitern Raum sind Fotografien von Eva Horstick-Schmitt zu entdecken. Sie spielt mit einer imaginären Begleitung, einem jungen Mädchen, das im Zeichnstil von Mangas oder Comics auf die Fotos gezeichnet wurde.

Im Schlafzimmer der Villa korrespondiert in fast kitschiger Weise das Gelb des begehbaren Schrankes mit den Liebenden von Hans Dumler. Es ist ein wunderbar heiterer Raum, in dem man gerne verweilt. Doch gejht es nun weiter nach oben, vorbei an dem Hirschkopf mit Geweih, der bestens an diesen Ort passt. Wie eine Persiflage auf die so beliebte Jagdtrophäe wird er vom hohen Fenster und dem dahinterliegenden Grün gerahmt. Der Restaurator und Künstler John Vere-Hodge ist durch seine venezianischen Papierarbeiten bekannt geworden, die an die Glastechnik der Millefiori erinnert. Der bunt gemusterte Hirsch besteht aus eingefärbtem Pappmaché, das anschließend lackiert wurde.

Ganz oben im großen Dachraum begegnen wir einer ganz besonderen Spurensuche. Annelie Ketterer lebte viele Jahre in Namibia und ist fasziniert von der Wüste und den Spuren, die Wasser und Wind in den Sand zeichnen oder Tiere hinterlassen. In zahllosen Experimenten hat sie Verfahren entwickelt, um die Erdoberflächen mit ihren erstaunlichen Farbspielen und zarten Reliefstrukturen zu konservieren. Durch spezielle Bindemittel werden die obersten Erdschichten derart fixiert, dass sie sich vorsichtig ablösen lassen. Nicht vergessen sollte man nach all diesen Eindrücken auch das Untergeschoss, wo Johann Neuhauser einen gezeichneten Totentanz-Zyklus vorstellt. In den angrenzenden Räumen wird es dann mit den Arbeiten von Andreas Müller und ingefrank farbiger.

Die Ausstellung ist spannend und abwechslungsreich gehängt.

Ausstellung Am kommenden Sonntag, 4.Oktober, findet von 14 bis 19 Uhr ein öffentliches Künstlerfest in der Villa Romenthal statt. Die Ausstellung ist vom 7. bis 11. Oktober, von 14 bis 19 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag auch von 11 bis 19 Uhr. Zufahrt: Von Utting kommend am Ortseingang beim neuen Gewerbegebiet Dießen nach rechts abbiegen, vor dem Gut Romenthal nach links bis zur Villa Romenthal.

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