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Apfeldorf

21.02.2019

„Vogelwilde Zustände“ im Apfeldorfer Untergrund

In der Hauptstraße in Apfeldorf gibt es 21 nicht sachgerechte Abzweigungen im Kanal.
Bild: Ingenieurbüro Wolfgang Buchner

Ein Ingenieurbüro stößt im Kanalnetz von Apfeldorf auf erstaunliche Dinge. So soll das Problem jetzt gelöst werden.

Ingenieur Wolfgang Buchner aus Dießen staunte nicht schlecht, als er im Auftrag der Gemeinde Apfeldorf den Kanal fürs Regenwasser in der Hauptstraße untersuchte. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sprach er von „vogelwilden Zuständen“ und „Schindluder“, als er die Ergebnisse seiner Untersuchung präsentierte. „Die Hausbesitzer haben sich teils einfach einen Zugang zum Kanal verschafft. Teils ist das Rohr ausgeschlagen, teils wurden Öffnungen mit Blechen oder Plastikeimern wieder verschlossen, weil sie den Anschluss doch nicht oder nicht an der Stelle benötigten. Wir haben 21 nicht sachgerechte Abzweigungen gezählt“, berichtete Buchner.

Die Hochwasserproblematik wird dadurch verschärft

Untersucht hat sein Unternehmen den Bereich der Hauptstraße zwischen der Straßeneinmündung zum Schelmengraben und der Kurve, wo die Kinsauer Straße beginnt. Während der Abschnitt vom Schelmengraben bis auf Höhe Raiffeisenstraße noch weitgehend intakt sei, bestehe im weiteren Verlauf Handlungsbedarf, auch weil der Kanal viele kleine Risse habe. Negativ ist laut dem Experten zudem, dass im weitgehend intakten Teil ein 600 Millimeter großes Rohr liegt, aber im weiteren Verlauf nur noch ein 500er-Rohr. Dadurch staue sich das Wasser an der Stelle, was auch angesichts der Hochwasserproblematik in Apfeldorf kritisch sei.

Vor drei Jahren waren im Ort viele Keller vollgelaufen, als die Wassermassen während eines Unwetters von den umliegenden Hängen herunterschossen, erinnerte Bürgermeister Georg Epple. Die Leidtragenden bei Hochwasser seien die Bewohner des Unterdorfes. Was in Apfeldorf laut Experten auch fehlt, sind Sickerschächte. Das Problem beschrieb Bürgermeister Epple auf Nachfrage des LT wie folgt: „Heute wird alle 50 bis 70 Meter ein zugänglicher Schacht gebaut, in den das Wasser abläuft. Im betroffenen Abschnitt gibt es nur Sinkkästen ohne Zugang, in die das Wasser hineinfließt und dann seitlich in den Kanal weitergeleitet wird.“

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Nächstes oder übernächstes Jahr soll die Sanierung beginnen

Der Bürgermeister sprach sich dafür aus, die Sanierung des Kanals gemeinsam mit dem geplanten Ausbau der Straße anzupacken, eine Lösung, die auch Buchner befürwortete. „So günstig bekommen Sie es nie wieder, wenn das Bauamt beispielsweise die Kosten für den einzubauenden Frostschutz trägt. Außerdem würde der Kanal in Teilen wahrscheinlich sowieso zerstört, wenn schweres Baufahrzeug darüber fährt.“ Epple sprach sich dafür aus, dass die Gemeinde sich im ersten Schritt mit der Behörde abstimmt. „Wir haben keinen Zeitdruck.“ Die Sanierung sei im Jahr 2020 oder 2021 denkbar, wagte er eine Prognose.

An Kosten dürften laut Buchner etwa 147.000 Euro anfallen, wobei es noch einen Unsicherheitsfaktor gebe. „Wir haben nur den Hauptkanal befahren, nicht aber die Abzweigungen zu den Hausanschlüssen. Da lauern unter Umständen noch Überraschungen.“ (chmü)

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