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Premiere

24.10.2017

Vom Abenteuer, ein Haus zu sanieren

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2 Bilder
Paul Stikkelorum (blaues Poloshirt) bei einer Führung am Tag des offenen Denkmals.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der Franz Xaver Dengler Preis des Verschönerungsvereins geht an Martin Schleske und Paul Stikkelorum. Was die Hausbesitzer bei der Preisverleihung zu erzählen hatten

Er ist mit 500 Euro nicht sonderlich hoch dotiert, der Franz Xaver Dengler Preis, den der Verschönerungsverein zum ersten Mal auslobte und auch verlieh. Doch er entspricht dem Anspruch des Namensgebers, der als ehemaliger Stadtbaumeister nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem eines im Sinn hatte: die Schönheit der Landsberger Innenstadt zu bewahren. Als würdige „Nachfolger im Geiste“ erwiesen sich dabei die beiden ersten Preisträger Martin Schleske und Paul Stikkelorum, die im Festsaal des Historischen Rathauses ihre preisgekrönten Sanierungsprojekte auch gleich vorstellten.

Vermutlich wäre Franz Xaver Dengler mit zufriedenem Gesichtsausdruck in der ersten Reihe der Ehrengäste gesessen und wäre den Ausführungen der beiden Sanierer gefolgt, wenn er den Festtag noch miterlebt hätte. Dafür verfolgte sein Enkel die Auszeichnung im Namen des 1994 im Alter von 84 Jahren Verstorbenen. Stadtarchivarin Elke Müller, Hüterin der Landsberger Vergangenheit, ließ die Gäste ein wenig teilhaben am Leben und Wirken des ehemaligen Stadtbaumeisters. 1910 geboren, lernte Dengler Zimmerer, studierte anschließend zunächst den Hoch- und dann den Tiefbau. 1945 aus dem Krieg zurückgekehrt, wurde er zunächst stellvertretender Stadtbaumeister, um dann ganz schnell nach Absetzung seines Vorgesetzten dieses Amt ganz zu übernehmen. Elke Müller: „Seine größte Aufgabe galt in jenen Zeiten kurz nach den Kriegswirren dem sozialen Wohnungsbau, auch wenn Landsberg kaum unter Zerstörungen zu leiden hatte.“

Neben der Entwicklung der Ost- und der Weststadt sowie der Friedhofserweiterung hatte Dengler ein Steckenpferd: Er wollte wieder Farbe in die doch sehr grau und düster wirkende Stadt zurückbringen. „Beharrlichkeit und Geduld“ musste er dabei aufbringen und ein gewisses Maß an Schlitzohrigkeit. So war sich Dengler immer bewusst: Um seine Vorstellungen durchzusetzen, musste er immer das Ohr der Bauherrinnen gewinnen.

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Das hatte sich der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Axel Flörke, wohl zu Herzen genommen. So änderte er kurzerhand das ursprüngliche Protokoll, das eine Auszeichnung lediglich der Bauherren vorgesehen hatte. Zum Festakt organisierte er jedenfalls noch zwei große Blumensträuße und bat die Ehepartnerinnen mit aufs Podium.

Zuvor hatte Martin Schleske sein Projekt am Georg-Hellmair-Platz 382 vorgestellt. Von Beruf und Berufung Geigenbauer war er überzeugt – und nach den ersten Arbeitsschritten und dem ersten Schock ob des Zustands des Gebäudes umso entschlossener, mit dem Haus eine „innige Beziehung“ aufzubauen und das zum Maßstab seines Tuns zu machen. „Wir waren einigermaßen entsetzt, was dem Haus in der Vergangenheit angetan wurde.“

Seinen Vortrag hatte er mit dem Titel „Sanierung eines 1000-jährigen Hauses“ überschrieben und offenbar reicht die Geschichte des Gebäudes tatsächlich weit in die Vergangenheit zurück. Laut seinen Ausführungen datiert es ins Jahr 956 zurück, die innere Stadtmauer entstand zum Vergleich im Jahr 1050. Nach Schleskes These wäre das Haus noch viel älter als der erste urkundliche Nachweis 1391. Das Haus stecke voller Besonderheiten. Nur ein Beispiel: der Dachstuhl. Der stamme laut Schleske zwar aus dem 18. Jahrhundert, wurde aber im Stil des 15. Jahrhunderts ausgeführt. Doch bevor er überhaupt ans Sanieren denken konnte, hatten er und seine Mitstreiter erst einmal ein halbes Jahr zu tun, das Haus, wie er es ausdrückte, zu retten: „Wenn es regnete, stand im Keller zehn Zentimeter das Wasser.“

Elektroden mussten am Mauerwerk angelegt und dieses damit 24 Stunden auf 150 Grad erhitzt werden. Anders wäre die Feuchtigkeit nicht herauszubekommen gewesen, um anschließend einen horizontalen Wachsgürtel zu injizieren. Der Geigenbauer ließ sich von Gefühl und viel Sachverstand, den er auch immer wieder einholte, leiten. „Wir hatten tolle Handwerker aus Landsberg, die ebenfalls lernten, dass ein Geigenbauer höchste Ansprüche stellt.“ Befreundete Kirchenmaler fertigten den Schriftzug an der Fassade, 18 Monate und einige Überraschungen später war das Haus, in dem er heute mit fünf Angestellten hochwertigste Instrumente entwickelt und baut, fertig.

Ähnliches hatte dann auch Paul Stikkelorum zu erzählen, der inzwischen schon beinahe ein Profi im Sanieren von Altstadthäusern ist. Er präsentierte als Beispiel sein Projekt im Hinteren Anger nahe des Sandauer Tores. Sechs Jahre habe er sich damit beschäftigt, ähnlich wie Schleske die Häuser in einem „sehr schlechten Zustand übernommen. „Vieles in der ehemaligen Militärkaserne, um die es sich bei den Häusern Nummer 324 und 326 handeln soll, war einsturzgefährdet. Stikkelorum ersetzte die Teile originalgetreu, verbaute viel einheimisches Material und integrierte, was erhaltenswert schien.

Dabei verfolgte er stets den Anspruch, den original Landsberger Stil wiederherzustellen. Ganz im Sinn des früheren Stadtbaumeisters Franz Xaver Dengler.

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