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Landsberg/Ellighofen

28.11.2019

Vom Profi-Boxer zum Brunnenwirt: Toni Selak boxt immer noch

Toni Selak in seiner „Hall of Fame“ im Brunnenwirt in Ellighofen: Dort finden sich zahlreiche Andenken an berühmte Sportler.
Foto: Thomas Ernstberger

Plus Toni Selak führt seit zwölf Jahren den Brunnenwirt in Ellighofen. Der 72-Jährige hat eine große Vergangenheit als Boxer und trainierte mit Sportlern wie Muhammad Ali oder Arnold Schwarzenegger.

Unzählige Fotos, Wimpel, Medaillen, Pokale, Urkunden, Boxhandschuhe – darunter ein Paar, das eigentlich in ein Sportmuseum gehört: Original-Handschuhe mit Autogramm und Widmung von Schwergewichts-Weltmeister Max Schmeling (1905 bis 2005). Das ist die Welt von Toni Selak. Der 72-Jährige ist immer noch fit wie ein Turnschuh. Gerade kommt der in Split geborene Kroate aus dem Garten seiner Gaststätte „Brunnenwirt“ in Ellighofen. Dort hat er einen stehenden Punching-Ball bearbeitet: „Fünf Runden á drei Minuten, wie jeden Tag“, erzählt der älteste noch aktive Boxer im Landkreis Landsberg.

Bei den Münchner Löwen begann seine Boxkarriere

Seine 72 Jahre merkt dem liebenswert-umtriebigen Wirt und Sportler kein Mensch an. Die schulterlangen Haare sind sein Markenzeichen. „So kennt ihn jeder“, erklärt Ehefrau Claudia, die er 1989 in Schongau als Gast in einer seiner zahlreichen Kneipen kennengelernt hat. Da war Selaks große aktive Karriere schon vorbei. „Ich bin 1964, also mit 17 Jahren, nach Deutschland gekommen. Meine Mutter hatte dort schon seit 1957 den Dalmatiner-Keller, eine der ersten jugoslawischen Gaststätten in München. 1965 habe ich dann mit dem Boxen angefangen“, erinnert er sich.

Der gebürtige Kroate trainiert auch heute noch. 2020 will er bei einer Box-Gala in Landsberg in den Ring steigen.
Foto: Thomas Ernstberger

Sein erster Verein war der TSV 1860 München. „Das zweite Lokal meiner Mutter war am Baldeplatz, also in der Nähe der 1860-Halle in der Auenstraße. Da waren immer Boxer zu Gast. Sie haben mich gefragt, ob ich’s nicht auch probieren möchte. Ich hab’s versucht – und es hat Spaß gemacht“, erzählt der Kroate. „Toni, du hast Talent“, erkannte sein Trainer sofort. Ein Jahr später feierte er seine erste offizielle Premiere für die Löwen und bestritt seinen ersten Kampf: „Der Kollege, der eigentlich vorgesehen war, hatte einen Motorradunfall. So durfte ich einspringen – und ich habe gleich gewonnen.“

Eigentlich wäre er deutscher Meister geworden

Es war der erste von über 300 Kämpfen, die Selak bis 1984 – unter anderem auch für Dachau, Piccolo Fürstenfeldbruck, für schwäbische Vereine und sein Heimatland Jugoslawien – bestritten hat. Die meisten hat er gewonnen: „Im Ring war ich ein Fuchs, die Schnelligkeit war meine Stärke“, sagt er strahlend. Das brachte ihm zahlreiche Titel ein: Münchner Meister, bayerischer Meister, oberbayerischer Meister, jugoslawischer Meister und „inoffizieller deutscher Meister“. Was war das? „Da habe ich den deutschen Meister geschlagen. Aber das wurde nicht offiziell anerkannt, da ich keine deutsche Staatsbürgerschaft hatte.“

Eines der Highlights im Brunnenwirt: Original-Handschuhe von Legende Max Schmeling.
Foto: Thomas Ernstberger

Es waren aufregende Jahre einer aufregenden Karriere, in denen Selak viele prominente Sportler kennenlernte. „Ich habe zum Beispiel mit Arnold Schwarzenegger im Herkules-Sportstudio in der Münchner Schillerstraße Bodybuilding trainiert. Und ich habe im Training mit einem jungen, damals noch unbekannten Sportler namens Cassius Clay geboxt.“ Das war der spätere Box-Weltstar Muhammad Ali, „der Größte“.

Seit zwölf Jahren führt Toni Selak den Brunnenwirt

Auch Max Schmeling war in den 60er-Jahren immer wieder Trainingsgast in München. „Er hat uns oft besucht, da unser Trainer Max Klingenbrunn, wie Schmeling ein Berliner, mit ihm gut befreundet war.“ So kam Toni Selak zu den eher unscheinbaren, braunen Original-Handschuhen der deutschen Box-Legende. Mit der persönlichen Widmung: „Für Toni.“

Der erinnert sich auch gerne an die Kämpfe gegen Günther Meier: „Er war immerhin Bronzemedaillen-Gewinner bei Olympia 1968 in Mexiko und Amateur-Europameister.“ Auch gegen René Weller hat er oft geboxt. Der ehemalige Europameister besuchte ihn immer wieder mal im „Brunnenwirt“, den er jetzt seit genau zwölf Jahren führt.

Trotz seiner 72 Jahre will er es nochmal wissen

Womit wir wieder zurück in der Gegenwart wären. Selak, der 2008 sogar Nationalcoach von Tunesien war, steht immer noch im Ring. Als Trainer in Königsbrunn („zwei- bis dreimal die Woche“) und als Sparringspartner und Coach von kroatischen Boxern, wie vergangenen Sommer in Split von Abel Persut: „Er hat alle acht Profikämpfe durch k.o. gewonnen. Nicht zuletzt dank meiner Tipps“, erzählt er. Und zeigt stolz das You-Tube-Video des Kampfes, bei dem er sogar den Gürtel tragen durfte. 72 Jahre alt, und kein bisschen boxmüde. Im Gegenteil: Für Anfang nächsten Jahres plant Toni Selak eine große Box-Gala im Landsberger Sportzentrum. „Das wird ein Riesen-Sportereignis“, verspricht er.

Und da will Toni Selak sogar selbst wieder die Boxhandschuhe anziehen: „Ich bin fit, habe immer noch mein Kampfgewicht von 71 Kilogramm und warte auf einen Gegner.“ Und dann grinst er übers ganze Gesicht: „72 ist doch gar nichts. Das ist genau das richtige Alter fürs Boxen...“

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