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Serie (10)

22.09.2012

Vom Schulhaus zur Apotheke

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2 Bilder
Vom Schulhaus zur Apotheke: die Rottal-Apotheke in Rott.
Bild: Susanne Schmidt-Tesch

Die Geschichte der Alten Schule in Rott

Sie sind hübsch anzusehen, haben Stil und, wenn man genau hinschaut und hinhört, eine Menge zu erzählen. Das Leben in ihnen und um sie herum war aufregend, tragisch und manchmal vielleicht auch ein bisschen langweilig. Die Rede ist von reizvollen Häusern, deren Charme der Vergangenheit bis in unsere Tage erhalten geblieben ist. In unserer neuen Serie „Häuser-Geschichte(n)“ stellen wir einige dieser idyllischen Kostbarkeiten vor, die in unserem Landkreis zu finden sind. Heute: Die Alte Schule in Rott.

Bei einer Fahrt durch Rott fällt einem die Apotheke an der Kreuzung nach Dießen auf. Das schmucke Haus mit Walmdach ist umgeben von Bäumen und einem kleinen Heilkräutergarten am Ladeneingang. Getöpferte Schildchen benennen die Pflanzen. Ein Spalierbirnbaum und Schlingknöterich zieren die Wand. An der Ostseite befindet sich ein größerer Anbau. Hier fällt dem Betrachter die hübsche Sonnenuhr ins Auge.

Klaus Schöpplein hatte 1986 beschlossen, sich als Apotheker dort niederzulassen. Seine Frau unterrichtete damals in der Rotter Schule, als die Gemeinde ihm das vordere Gebäude zur Miete für eine Apotheke anbot. Der Standort erschien Schöpplein gut. Auch der damalige Allgemeinarzt Dr. med. Albrecht Langrock war sehr interessiert, für seine Patienten eine Apotheke in der Nähe zu haben. Die Praxis im alten Pfarrhaus befindet sich damals wie heute nur über die Straße. Also wagte das Ehepaar den Sprung ins kalte Wasser. Bis zur Geburt des dritten Kindes wohnten sie auch im oberen Stockwerk. Jetzt bietet es zusätzlichen Platz für die Apotheke.

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Ursprünglich stand dort der Zehentstadel der Benediktinerabtei Wessobrunn. Im Zuge der Säkularisierung ging dieser an den Staat. Von diesem kaufte die Gemeinde den Stadel 1830, um ein Schulhaus zu errichten. Der einstige Getreidespeicher war nicht – wie vielleicht der Name andeutet – aus Holz, sondern fest gemauert. Vom Abbruchmaterial konnten 7000 Steine für den Schulbau verwendet werden, heißt es im Rotter Heimatbuch. Das Gebäude bekam einen gewölbten Keller, eine Lehrerwohnung mit Stall und im Obergeschoss ein Klassenzimmer.

Der Lehrer war gleichzeitig auch der Mesner

Das Geld war auch für den Lehrer damals knapp, daher musste er sich zum Teil mit selbst angebauten Lebensmitteln versorgen. Außerdem war er gleichzeitig Mesner. Im Jahr 1867 sollen laut Ortsgeschichte 98 Werktagsschüler und 25 Sonntagsschüler unterrichtet worden sein. 1879/80 wurde die Enge im Klassenzimmer unerträglich, und aus dem Stall entstand ein zweites Klassenzimmer. 22 Jahre später, im Jahr 1912, errichtete die Gemeinde dann den Anbau. Dort waren und sind bis heute zwei Klassenzimmer untergebracht. Der Dachboden diente damals als Abstell-, Holz- und Torflagerplatz. Die Eltern mussten das Heizmaterial mühselig nach oben tragen.

Heute ist das Schützenheim dort untergebracht. Ins „alte Schulhaus“ kam nun im ersten Stock die Lehrerwohnung und im Erdgeschoss konnte der Hilfslehrer beziehungsweise die zweite Lehrkraft wohnen. Was heute kaum vorstellbar ist – es gab oft nur den Hauptlehrer für beide Klassen.

Ein älterer Schüler musste auf die jüngeren im unteren Klassenzimmer aufpassen. Wenn eine Beerdigung stattfand, erzählt der Rotter Konrad Erhard – er hat unter anderem am Heimatbuch mitgewirkt –, waren die Schüler sich selbst überlassen. Der Lehrer musste als Organist in die Messe.

Wenn der Schüler die Hefte aus der Lehrerwohnung holen muss

Noch heute ist einigen Rottern Oberlehrer Joseph Bleicher in Erinnerung. 40 Jahre, von 1912 bis 1952, unterrichtete er in Rott. Es reichte ein Klingeln mit dem Schlüssel und der dafür eingeteilte Schüler wusste, er muss die Hefte aus der Lehrerwohnung holen, weiß Erhard. Denn es gab eine Verbindungstür von der Wohnung zum Schulhaus. Auch bei der Herausnahme des Rohrstocks war klar, jetzt gab es „Tatzen“. Bis 1972 blieb das Haus Lehrerwohnung. Dann bezog es 1976 für einige Jahre Dr. Langrock. Außerdem befand sich die Gemeindebücherei darin.

Als der Gebäudeteil dann wieder frei wurde, baute die Gemeinde ihn für die Apotheke um. Karl Schöpplein bereute die Entscheidung nicht. Die Rotter nehmen die Apotheke gut an und sie ist eine große Bereicherung für den Ort. Einzig die politischen Entwicklungen im Medizin- und Apothekenbereich bereiteten Schöpplein ein wenig Sorgen, da die Landapotheke überwiegend auf Kassenrezepte angewiesen ist. Der Apotheker kann sich jedoch nichts Schöneres vorstellen, als hier zu arbeiten. Mittlerweile hat auch Tochter Laura das Studium zur Apothekerin abgeschlossen und arbeitet mit.

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