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Musikkabarett

07.02.2018

Vom Wahnsinn des ganz normalen Lebens

Martina Schwarzmann im Landsberger Sportzentrum.
Bild: Thorsten Jordan

Martina Schwarzmann spricht den Besuchern im ausverkauften Sportzentrum aus der Seele. Und sie erklärt, warum sie sich nicht mehr aufregen will und worin der Reiz des Einfachen besteht

Genau richtig waren im ausverkauften Sportzentrum am Sonntagabend die Zuschauer, die geschmackvollen Humor, Kabarett mit Hintergrund oder einfach unbeschwerte Fröhlichkeit genießen wollten. Martina Schwarzmann konnte, trotz Erkältung, mit all dem gleichzeitig aufwarten.

„Genau richtig“ heißt ihr neues Programm, in dem die Oberbayerin, die mit Mann und drei „minderjährigen Mitbewohnern“ den ganz normalen Wahnsinn eines Familienalltags lebt, diesen so treffend wieder gibt. Dass sie damit nicht nur den Zahn der Zeit trifft, sondern auch ihren Zuhörern aus der Seele spricht, macht das mittlerweile sechste Programm zu einem ihrer besten. Und es wird im Gedächtnis bleiben. Spätestens, wenn beim nächsten Besuch im Freundeskreis ein Thermomix in der Küche seine Arbeit verrichtet, wird Martina Schwarzmann vor so manchem geistigen Auge erscheinen. Wobei das noch die harmloseste Variante des Kopfkinos sein dürfte. Denn wer am Sonntagabend dabei war, der weiß, dass ein Thermomix durchaus Belohnung sein kann dafür, dass „Frau“ die innigen Sexwünsche des Ehemanns endlich erhört hat.

Dass Frau beim Weiberstammtisch niemals aufs Klo oder gar als eine der ersten nach Hause gehen sollte, verrät die Kabarettistin und gibt den Tipp mit auf den Weg, im Alltag einfach mal abzutauchen, um größeren Problemen aus dem Weg zu gehen. Als dreifache Mama sind Katastrophen an der Tagesordnung. Da gelte es eben, Ruhe zu bewahren, den geordneten Rückzug anzutreten und den eventuell entstandenen Schaden durch eine Spende an eine wohltätige Einrichtung zu begleichen. Im Falle des Schwarzmann-Clans habe es sich übrigens bewährt, monatlich im Voraus eine entsprechende Überweisung zu tätigen.

Die Schwarzmann kann auch tiefgründig, ruhig und nachdenklich sein. Das erlebte das Publikum gleich mehrfach. Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit macht sie zum Teil ihres neuen Programms und denkt darüber nach, warum ein Preiß an den Tegernsee zieht und sich dort über eine Bäckerei in der Nachbarschaft beschwert. „Der ist nicht da hergezogen, weil er daheim so viele Freunde hat“, bittet sie um „Verständnis für so einen“.

Sie mag es auch nicht, wenn andere Menschen wegen ihres Dialekts diskriminiert werden, wie eine ihrer Freundinnen aus dem Osten. Wenn die bei ebay-Kleinanzeigen etwas kaufen möchte, lasse sie die Schwarzmann anrufen. „Weil die weiß, wenn sie anruft, kostet das mit ihrem Dialekt gleich einen Zehner mehr.“

Einen Aufruf für mehr Toleranz hat die Kabarettistin mit ihrem Lied „Der oane machts a so, der ander machts a so“ mitgebracht. Leben und leben lassen ist eine der zentralen Botschaften der 38-jährigen Liedermacherin, die von sich selbst sagt „I reg mi nimmer auf“. Denn im Laufe ihres Lebens sei sie zu der Erkenntnis gekommen, dass „kein einziger Depp gscheiter worden ist durch des dass i mi aufgregt hab.“ Lieber konzentriere sie sich auf das einfache Leben ohne Facebook und Co., auf Frotteeunterhosen oder ihren großen Traum, irgendwann ihre Punkband „Heißer weißer Radi-Salzer“ als Pendant zu den Red Hot Chili Peppers ins Leben zu rufen. Doch bis es soweit ist, will die Musikkabarettistin einfach nur „Mei Ruah“.

Eines aber muss noch erwähnt werden: Wenn ein Bühnenstar wie Martina Schwarzmann den Auftritt in der Lechstadt einem Date mit George Clooney vorzieht, na dann muss es ja für uns Zuhörer „genau richtig“ gewesen sein, den Abend mit Martina Schwarzmann zu verbringen, oder?

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