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Landsberg

17.10.2018

Vom Werkzeugmacher zum Industriezulieferer

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2 Bilder
Mitarbeiter Vjacheslav Grebel beim Einbau eines Werkzeugs in einen 400-Tonnen-Stanzautomat.
Bild: Ulrike Reschke

Vor 90 Jahren gründete Georg Meindl seinen Betrieb für Präzisionswerkzeugbau in München. Seit einem Vierteljahrhundert ist Meindl-Köhle in Landsberg und auf Wachstumskurs.

Als Georg Meindl 1928 einen Betrieb für Präzisionswerkzeugbau im Münchner Westend gründete, hätte er sich wohl nicht zu träumen gewagt, dass daraus 90 Jahre später europaweit tätiges Unternehmen für Spezialanfertigungen für viele Branchen werden würde. Vorankommen, das wollte der damals 25-jährige Firmengründer. Das symbolisiere ein Foto, auf dem er um 1930 mit seinem Motorrad abgebildet ist, meint seine Enkelin Birgit Meindl-Köhle.

Zusammen mit ihrer Mutter Hermine Meindl-Köhle führt sie heute die Geschäfte. Meindls Nachfahren haben den Betrieb sukzessive erweitert und sind heute im Bereich „Fräsen, Biegen, Lasern“ tätig. Anfangs fertigte der Präzisionswerkzeugbauer im Münchner Westend Schnitt- und Stanzwerkzeuge für ehemals große Unternehmen wie Agfa-Gevaert (Film- und Laborprodukte) oder Zündapp (Motorräder). Auch Nixdorf und Mannesmann als Hersteller von Nadeldruckern wurden beliefert. „Unsere Produkte waren immer Unikate“, sagt Matthias Müller, Assistent der Geschäftsführung und Vertriebsleiter bei der aus Meindls Gründung hervorgegangenen Meindl-Köhle Umform- und Systemtechnik GmbH. 1974 – drei Jahre nach der Übernahme durch Meindls Tochter Hermine und deren Ehemann Fritz Köhle – siedelte der Betrieb aus dem eng gewordenen Westend nach Gräfelfing aus. Nachdem Meindl-Köhle 65 Jahre lang ausschließlich Werkzeuge gebaut hatte, kam 1990 das Teile-Stanzen hinzu.

2005 schlossen sich beide Unternehmen zusammen

Birgit Meindl-Köhle sagt: „Unsere Kunden wollten statt der Werkzeuge gleich die Teile.“ Für diesen Unternehmenszweig wurde in Landsberg ein neues Firmengebäude errichtet. 1993 erfolgte auch der Umzug von Meindl-Köhle Präzisionswerkzeugbau in die Lechstadt. Durch die größeren räumlichen Möglichkeiten konnten nun auch größere Werkzeuge gebaut und die Landwirtschaftsindustrie beliefert werden. 2005 wurden die vormals getrennten Firmen Meindl-Köhle Präzisionswerkzeugbau und Köhle Stanztechnik in der Meindl-Köhle Umform- und Systemtechnik GmbH zusammengeführt.

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Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich der Werkzeugbauer zum Zulieferer für die Automobil-, Landmaschinen-, Luftfahrt- und Maschinenbaubranche sowie auch für die Bahn. Der Schwerpunkt liegt auf der Teileproduktion, wie beispielsweise Armlehnen für Luxuslimousinen. Nach Kundenwunsch angefertigt werden Prototypen wie Batteriespeicher oder Standladesäulen für E-Fahrzeuge, bei deren Herstellung 3D-Laser-Schweißen und -Schneiden angewendet wird. „Wir können Edelstähle und normale Stähle bearbeiten“, betont Müller. Mittels CNC-Technik werden Bauteile wie Motor- oder Pumpengehäuse gefertigt.

Zum Geburtstag beschenkt sich das Unternehmen selbst

Und wie kann der Schritt in die Zukunft aussehen? Ein erster Schritt erfolgte im Jubiläumsjahr 2018, als die Firma 1,5 Millionen Euro in eine CNC-Stanz-Laser-Kombimaschine zur Dünnblechbearbeitung investierte. Mit ihr werden zum Beispiel Bauteile für große landwirtschaftliche Maschinen gefertigt. Matthias Müller bleibt vorsichtig: „Irgendwann werden wir vielleicht automatisiert Bauteile fertigen, bis hin zur nicht-personalbesetzten Schicht.“ Darüber hinaus stehe das Ziel im Fokus, die Produktivität mit einem eigenen Produkt weiter zu steigern.

Eines aber soll sich nicht verändern: „Wir sind 100 Prozent Made in Germany und wollen das auch bleiben“, sagt Müller. Für die Familie Meindl-Köhle ist das größte Kapital die Belegschaft mit ihrem Know-how – „das Faustpfand des Mittelstands“, wie Matthias Müller es nennt. „Durch die Erweiterung der Aufgabenbereiche bieten wir Entwicklungspotenzial“, sagt er. Dank der Vielseitigkeit in der Produktion könne jeder Mitarbeiter für das eingesetzt werden, „was er am besten kann“.

Momentan beschäftigt Meindl-Köhle 70 Mitarbeiter

Ein wichtiger Bestandteil ist die Ausbildung. Von 70 Mitarbeitern stehen derzeit neun in einer Ausbildung zum Feinwerkmechaniker (Fachrichtung Werkzeugbau) und Zerspanungstechniker (Fachrichtung Metalltechnik). Die Übernahmequote nach bestandener Prüfung liegt bei 100 Prozent. „Der Werkzeugmacher ist der König der Metallberufe“, sagt Matthias Müller. Schon während der Ausbildung könnten alle Technologien durchlaufen und Unikate geschaffen werden.

Neben der Ausbildung ist die Weiterbildung bei Meindl-Köhle hoch aufgehängt. „Genügend fitte Facharbeiter zu finden, bleibt eine Herausforderung“, sagt Müller. Ein weiteres Ziel sei es, den Standort Deutschland zu erhalten. Erreichen wolle das Unternehmen dies dadurch, dass es weiterhin – wie sein Gründer auf dem schnellen Motorrad – „vorneweg geht in Lücken, in die die großen Unternehmen nicht gehen können“.

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