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Ausstellung

23.11.2018

Vom großen Stolpern

PET-Behältnisse und Klebeband sind aktuelle Werkmittel des Künstlers János Fischer (Fotos rechts und links). „Keine Lust auf Linien“ brachte János Fischer zu malerisch-flächigen Bleistiftgemälden (Foto Mitte).

János Fischer zeigt Objekte und Zeichnungen im projekt...raum am Klostereck in Landsberg

„Was es gibt ... Objekte aus entlegenen Kammern des Geistes“, so nennt der Maler, Bildhauer, Zeichner, Autor und Gestalter János Fischer aus Dießen seine aktuelle Ausstellung. Anlässlich der Vernissage gewährte er im Gespräch mit Veranstalterin Catherine Koletzko einen zusätzlichen Blick gleichsam in die Hauptkammer seines Selbst und berichtete: „Ich bin kein Perfektionist oder Arbeiter, der fieberhaft seine Aufgaben verrichtet. Mir ist der Blick aus den Augenwinkeln wichtig und ich würde mich eher als Flaneur bezeichnen.“

Schon das gebräuchliche Wort Arbeit für ein künstlerisches Werk möchte János Fischer „eigentlich nicht verwenden“. Zu sehr klinge es nach „Sklaverei, Mühe und Schweiß“ und damit habe das Entwickeln seiner Objekte und bildhaften Werke nichts zu tun. Vielmehr sei das künstlerische Schaffen für ihn ein Prozess der zunehmenden Befreiung und führe ihn durch den Umgang mit dem Material zu einer veränderten Sichtweise auf das Leben. Er versuche, ständig sich geistigen Raum zu schaffen, und seine Art dies zu ermöglichen, spiegelt er am Beispiel der Harmonielehre: dort höre man den nächsten Ton quasi schon voraus, es entstehe eine formale Selbstverständlichkeit, und eben diese wolle er hinterfragen.

Es geht ihm demnach um das Durchbrechen der zweifelsfreien, da scheinbar natürlichen Stringenz, um die Grenzen des Vorstellbaren zu weiten. Sein nachvollziehbares Beispiel aus der Musik lässt die Aussage der gezeigten Objekte klarer werden. Denn das, was er ursprünglich als intuitive Aneinanderreihung von Formelementen entwickelt, zerschneidet János Fischer nach Fertigstellung, um die Teilelemente dann aufs Neue zusammenzusetzen. Bei den aktuellen Werken bringt er noch eine weitere Komponente ein und verbindet Stücke von vor Jahren hergestellten Betonobjekten mit seinen leichten, durch Klebeband zusammengefügten und teils farbigen PET-Behältnissen. „Einen größeren Gegensatz der Materialien kann ich mir nicht vorstellen.“

Auch mit dem Titel seiner Ausstellung trägt er seiner Philosophie Rechnung, stellt er doch Objekte vor, die sich im Werkprozess ohne dass er es beabsichtigt hätte, fügen. „Ich weiß nicht, wozu es dieses oder jenes Objekt gibt, aber es gibt es und es tritt mir entgegen wie aus der Tiefsee.“ Dass sein Schöpfungsprinzip auch für seine malerischen Zeichnungen gilt, versteht sich von selbst. Es geht um ein spielerisches Zusammenstellen ohne erkennbares Muster, um Unberechenbarkeit zugunsten von mehr Freiraum. Im Zeitalter der Eingliederung in Algorithmen und damit in geschlossene Bewusstseinsblasen ein mehr als bedeutsamer Ansatz.

„Ich habe keine organisierte Entwicklung gemacht“, antwortet er auf die Frage nach den Stationen seines künstlerischen Lebenslaufs, „ich bin in alles irgendwie hineingestolpert. Meine Geschichte ist ein großes Stolpern.“ Dem intellektuellen Stolpern, das János Fischer durch seine ungewöhnlichen Beiträge seinem Publikum beschert, wohnt eine große Chance inne: Nämlich zu erkennen, wie viel Freiraum möglich ist, jenseits der professionalisierten Gefasstheit unserer Tage.

Mit der Ausstellung beweist Catherine Koletzko ein Gespür für beachtenswerte Grenzbereiche in Kunst und Kultur. Die Ausstellung ist bis Mittwoch, 28. November, jeweils Montag bis Freitag zwischen 16 und 18 Uhr zu sehen und findet mit einer Finissage am Mittwoch um 19.30 Uhr, zu der János Fischer eigene Texte lesen wird, ihren Abschluss. Am Freitag, 23. November, gibt es eine weitere Vernissage mit Arbeiten von János Fischer: „Alltägliche Begebenheiten – Cartoons aus dem gezeichneten Tagebuch“ im Studio Rose in Schondorf.

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