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Finning

04.11.2017

Von der Liebe zu den Pferden

Familie Sedlmayr mit ihren Pferden: (von links) Gabi mit Adlerfeder, Richard mit Amrei und Daniel mit Norma.
Bild: Julian Leitenstorfer

Für ihre fünf Pferde tun die Sedlmayrs aus Unterfinning alles. Und ein- bis zweimal im Jahr braucht es auch einen Segen. 

„Einen Segen im Jahr brauchen wir“, darin sind sich Gabi und Richard Sedlmayr mit ihrem Sohn Daniel einig. Denn so liebevoll sie sich um ihre Pferde kümmern, wissen sie doch auch: „Der Mensch allein, hat’s nicht in der Hand, dass immer alles gutgeht.“

Derlei Überlegungen stellen ihre vierbeinigen Schützlinge zwar nicht an, aber, wenn sich’s der Mensch unbedingt einbildet, und da scheinen sich nun die Sedlmayr’schen Rösser einig, lässt man sich nicht unnötig bitten und die alljährliche Prozedur eben brav über sich ergehen: im Sommer, immer um den 7. Juli herum, den Willibaldsritt im eigenen Dorf und ein paar Monate später, Anfang November, vielleicht noch eine Leonhardifahrt.

Heuer geht es an Leonhardi nach Schongau

Heuer soll es nach Schongau gehen, am Samstag, weil da das Wetter noch schön sein wird – mit allem, was dazu gehört, also auch dem leidigen Einsteigen in den für ein g’standenes Kaltblut eigentlich zu engen Pferdehänger und selbstverständlich dem Schönheitstermin am Tag zuvor: Waschen, bei herbstlich niedrigen Temperaturen selbstverständlich mit warmem Wasser; Einschamponieren, aber bitte nur mit hautfreundlichen Babypflegemitteln; Schweif- und Mähnekämmen, möglichst ohne Geziepe; und „Legen“, will in dem Fall heißen Einflechten. Das gibt – die Damenwelt kennt diesen kleinen Friseurstrick – nach dem Lösen der Zöpfe am nächsten Tag, dem Haar die nötige Fülle; zum Schluss noch eine Decke übergelegt, damit es am nächsten Morgen keine böse Überraschung gibt und die ganze Pracht durch „nächtliches Ruhen auf falscher Unterlage“ wieder dahin ist. Da machst was mit!

Aber immerhin muss man als Ross im Hause Sedlmayr sonst nicht allzu viel tun für sein Futter. Bierwagen auf die Wiesn ziehen etwa wie die Münchener Kollegen oder wie andere als Rückepferd Holzstämme aus dem Wald holen. Das mit dem „Rücken“ wird nur gelegentlich einmal geübt „damit wir’s auch lernen“, ist Richard Sedlmayr darauf bedacht, sich nur ja keine falschen Lorbeeren ans Revers zu heften, „die Pferde können’s sowieso.“ Dass er auch beim Kutschfahren die Huftiere klar im Vorteil gegenüber den Zweibeinern sieht, versteht sich da schon fast von selbst. Zwei Kurse haben Daniel und Richard Sedlmayr schon absolviert und damit das 5er- und 4er-Fahrabzeichen bereits in der Tasche. Das 3er kann noch erarbeitet werden, „2 und 1 sind besondere Auszeichnungen, die bekommt man verliehen“.

Dass heute fünf Pferde im neuen, alle geforderten bau- und tierschutzrechtlichen Standards übererfüllenden Stall der Sedlmayrs stehen und ihre Menschen „auf Trab“ halten, damit hat es seine eigene Bewandtnis: „die Liebe zu den Viechern“, gibt Gabi Sedlmayr die ebenso kurze wie zumindest Tierfreunden einleuchtende Erklärung.

Mit Norma hat alles angefangen

Angefangen hat alles mit Norma. Mit der Süddeutsches-Kaltblut-Stute Jahrgang 2002 hat sich der Jungmädchentraum vom eigenen Pferd ihrer heutigen Halterin endlich erfüllt. Aber – Norma so ganz allein – wer sein Pferd liebt, tut ihm das nicht an. Und so leistete ihr schon bald Adlerfeder Gesellschaft. Aber – zwei prachtvolle, kerngesunde junge Stuten – denen sollte man doch wenigstens einmal im Leben ein Fohlen gönnen. Und so hatte ein Jahr später Norma den kleinen Normanus und Adlerfeder die quicklebendige Amrei neben sich in der Box stehen. Pech nur, dass es nichts geworden war mit dem gleichgeschlechtlichen Fohlenpaar.

Denn schon nach einem Jahr musste der kleine Hengst von den Stuten getrennt werden. Aber, man ahnt, was kommt: Normanus so ganz allein? Bald hielt Andiamo, der einzige Mischblüter im Bunde, als Ziehvater für Normanus Einzug in den Stall und machte die Runde komplett. Wer der Logik der „Liebe zu den Viechern“ folgt, versteht, wie eines zum anderen kommen musste und die Sedlmayrs „gar nicht anders konnten“, als anstelle nur eines Pferdes heute eine kleine Herde zu halten.

Zum Dank werden die Zweibeiner, wenn sie frühmorgens das Haus verlassen, um – einer muss das Futter ja nun doch verdienen – ihren Berufen als Industrieelektroniker in München beziehungsweise als Betreuungsassistentin in einem Peißenberger Altenheim nachzugehen, mit einem freundlichen Wiehern verabschiedet. Das macht Pferd doch gerne, und die Menschen freuen sich, sie sind ja so bescheiden.

Falsch verstandene Tierliebe ärgert sie

So harmonisch das Miteinander von Mensch und Tier auf dem Sedlmayrhof, so sehr bringt Gabi Sedlmayr ihrer Meinung nach falsch verstandene Tierliebe in Rage. Die Kennzeichnung von Pferden ist da so ein Thema. Ihre jüngeren Pferde sind alle – wie es seit 2009 Vorschrift ist – gechippt. Sie tragen aber auch das Edelweiß, den Brand des Süddeutschen Kaltbluts, was Tierschützer oft verurteilen. Doch Gabi Sedlmayr sagt: „Beim Brandzeichen kann nichts im Körper rumwandern und sich auch nichts entzünden. Beim Brand haben die nicht mal gezuckt, gerumpelt hat’s nur beim Chippen, und zwar alle beide – was jetzt da wohl mehr weh getan hat?“

Auch den Antrag der Tierschutzorganisation PETA, die Wiesngespanne durch Lkw zu ersetzen, sieht Gabi Sedlmayr kritisch, vor allem, wenn mit ihrer Meinung nach falschen Argumenten gehandelt wird: „Pferde schlafen auch im Stehen. Wenn die ein Bein entlasten, heißt das meistens nicht, dass ihnen was fehlt, sondern, dass sie ruhen“, macht sie sich über die Unkenntnis selbst ernannter Tierschützer lustig. „Auf die Tiere gehört gut aufgepasst“, sagt sie, liebevolle Fürsorge und artgerechte Haltung ist auch für sie selbstverständlich, „schlecht ist nur, wenn dauernd Leute mitreden, die nichts davon verstehen.“

Leonhardifahrten im Landkreis sind heute ab 9.30 Uhr in Wengen und Reichling (Umritt ab 11 Uhr) und am Sonntag in Utting ab 9 Uhr und in Kaufering ab 9.30 Uhr (Segnung ab 13 Uhr).

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