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Konzerte

02.01.2020

Von der Orgel an die Philharmonie

Einen Sekt zur Begrüßung gab es im Olympiakino von Klara Gilk. Johannes Skudlik war am Silvesterabend ab 22 Uhr an der Orgel der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu hören.

Johannes Skudlik spielt in Mariä Himmelfahrt. Im Kino sorgen die Berliner für Broadway-Klänge

Was haben das Silvesterkonzert von Johannes Skudlik und das Neujahrskonzert des Wiener Musikvereins gemeinsam? Es ist der Radetzkymarsch, mit dem die Wiener Philharmoniker den Schlusspunkt setzen und den Skudlik an der großen Orgel der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt gern als Zugabe spielt. So auch an Silvester 2019.

Zuvor aber hatte der Organist den mehr als 400 Zuhörern durchaus unerwartetes, aufregend Neues geboten. Da war einmal Bachs Toccata in d-Moll, eigentlich ein Standard am letzten Abend eines Jahres. Skudlik spielte allerdings das, was sich dazu Enjott Schneider einfallen ließ. Der Komponist machte einen Krebs daraus und nannte die Toccata „Ataccot“. Weil Bach meist mit mathematischer Gründlichkeit komponierte, klangen die Motive der Toccata auch rückwärts reizvoll.

Davor hatte bereits die mutige Abfolge erstaunt: Auf das „Meistersinger“-Vorspiel folgte das Intro zu Lohengrin. Die Orgelpfeifen wurden zu romantisch-verklärt tönenden Flöten aus den Orgelpfeifen. Überhaupt schien Skudlik auf einen gleichmäßigen Wechsel von forte und piano, von presto und adagio Wert zu legen. So folgte auf das „Air“ von Bach eine seiner Fugen, die der Organist temperamentvoll interpretierte. Das „Giocondo“ des 2019 verstorbenen Jean Guillou war verrückt, mit viel Pedal und so schnell gespielten chromatischen Tonleitern von unten nach oben und zurück, dass das Hörorgan kaum folgen konnte.

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Dem ebenfalls von Skudlik bearbeiteten „Einzug der Gladiatoren“ (Fucik) ging bei der Schnelligkeit fast ein wenig der Rhythmus verloren.

Sehr tänzerisch schwang sich ein Bolero des französischen Orgelkomponisten Louis Levébure-Wély von der Empore. Mit dem Final aus der 1. Sinfonie von Louis Vierne sorgte Skudlik für einen fulminanten Schlusspunkt.

Ein ungewöhnliches Silvesterkonzert gab es auch im Olympiakino. Dort wurde im voll besetzten Haus das Konzert der Berliner Philharmoniker und Diana Damrau live übertragen. Kein klassisches Konzertprogramm wurde gespielt, sondern es ging musikalisch in die USA. Mit Tänzen aus Bernsteins „West Side Story“ oder Gershwins „Amerikaner in Paris“. Besonders schön: Die Songs, die die Sopranistin Diana Damrau interpretierte, ob von Stephen Sondheim, Kurt Weill oder „Over the Rainbow“ aus „The Wizard of Oz“. Hier bekam man eine Gänsehaut, weil sie diesen bekannten Liedern ihre ganz eigene Interpretation gab. Im Orchester sah man immer wieder bekannte Musiker: Christoph Hartmann, Oboist bei den Philharmonikern, stammt aus Landsberg und war immer wieder zu sehen, ebenso einige Musiker, die mit ihm 20 Jahre in Landsberg für fabelhafte Sommermusiken gesorgt hatten. (löbh/lua)

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