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Kaufering VII

18.05.2013

Von nationaler Bedeutung

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Das ehemalige KZ-Außenlager VII wurde jetzt als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ anerkannt.

Bundesrepublik beteiligt sich am Erhalt des ehemaligen KZ-Außenlagers. Neue Pläne für ein Dokumentationszentrum

Landsberg Das ehemalige Außenlager VII des Konzentrationslagers Dachau an der Erpftinger Straße ist seit Kurzem ein „Denkmal von nationaler Bedeutung“. Eine entsprechende Bestätigung des Bundesbeauftragten für Kultur und Bildung erhielt die Eigentümerin der Anlage, die Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung, über das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (LfD). In der Konsequenz wird sich der Bund künftig am Erhalt der in Deutschland wohl einzigartigen Anlage auch finanziell beteiligen.

Der Bund übernimmt den Löwenanteil

„Wir sind nun voll förderfähig“, freut sich der Vizepräsident der Stiftung, Manfred Deiler, über die Zusage des Bundesministeriums. Konkret bedeutet dies, dass der Bund einen Löwenanteil der rund 700000 Euro beisteuern wird, die zum Erhalt der vom Zerfall akut bedrohten Tonröhren-Bauwerke notwendig sein werden. Der verbleibende Eigenanteil der Stiftung beträgt rund fünf Prozent (40000 Euro). Seit dreieinhalb Jahren betreibt Manfred Deiler unter anderem zusammen mit dem Kurator der Stiftung, Wolfgang Bechtel, sehr intensiv den Erhalt der Gedenkstätte. Große Unterstützung kam dabei von Landeskonservator Dr. Bernd Vollmar und der Oberkonservatorin Dr. Susanne Fischer vom LfD. Wolfgang Bechtel: „Der Erhalt von Kaufering VII hat inzwischen beim Landesamt sehr hohe Priorität.“

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Das war nicht immer so. Bechtel weiß von Kontaktversuchen der Landsberger vor vielen Jahren, die das Landesamt als „wenig zielführend“ ablehnte. Schwierige Besitzverhältnisse – der Grund gehörte der Bürgervereinigung Landsberger im 20. Jahrhundert, heute der Europäischen Holocaustgedenkstätte um den Präsidenten Anton Posset, die darauf befindlichen Hochbauten der Bundesrepublik – und die sich daraus ergebenden ungeklärten Haftungsfragen ließen das Projekt ins Stocken geraten. Dabei hatte die Bürgervereinigung bereits in ihrer ersten Satzung 1983 als Grundpriorität den Erhalt des ehemaligen KZ-Außenlagers festgeschrieben.

Doch es sollte aus den verschiedensten Gründen noch drei Jahrzehnte dauern, bis die teilweise zerstrittenen Parteien einen gangbaren Weg zum Erhalt dieses wichtigen Denkmals der Zeitgeschichte fanden. Am 31. Dezember 2011, so Manfred Deiler, habe die Stiftung die ehemaligen Funktionsbaracken und Unterkünfte – oder das, was davon übrig geblieben ist – von der Bundesrepublik übernommen.

Behörden und Bundeswehr an einen Tisch gebracht

Damit war die Frage der Verkehrssicherungspflicht geklärt. Von da an konnte geplant, vor Ort untersucht und letztlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Wolfgang Bechtel erinnert sich: „Manfred Deiler gelang es in dieser Zeit, die inzwischen handelnden Personen, entscheidend auch die Einbeziehung von Behörden wie Land, Stadt, Landkreis und Bundeswehr, an einen Tisch zu bringen.“

Der Landeskonservator Dr. Vollmer selbst sei als treibende Kraft wiederholt im Lager VII gewesen und kümmere sich sehr intensiv um den Erhalt der Anlage. Eine Machbarkeitsstudie wurde erstellt, im vergangenen Jahr erfolgte die Notsanierung der Tonröhren-Bauwerke, die von den Nationalsozialisten auf diese Art nur in Landsberg gebaut wurden.

Dann erfolgte die Einstufung zum Denkmal von nationaler Bedeutung. „Damit ist die Finanzierung endgültig gesichert, die Anlage vor dem Verfall gerettet ist. Nun folgen die weiteren Schritte. Selbst Versuche, das Projekt erneut zu verzögern, erklärt Wolfgang Bechtel, würden durch die Beteiligung des Bundes wirkungslos. „Die Vereinbarungen mit Bauingenieuren und Architekten sind unterschriftsreif.“

Fertigstellung im Jahr 2015 angestrebt

Nach der Notsicherung 2012 werde, nach den Planungen und Ausschreibungen in diesem Jahr, 2014 mit der Sanierung der südlichsten und noch am besten erhaltenen Tonröhren-Unterkünfte unter den drei zu sanierenden Bauwerken begonnen. Parallel dazu laufen die Voruntersuchungen für die Bauwerke zwei und drei an. Deiler, der seitens der Stiftung sämtliche Vollmachten zur Sanierung des Lagers besitzt: „2015 sind wir dann fertig.“

Doch er weiß auch, dass es mit dem Erhalt des Lagers allein nicht getan ist. Parallel zu diesem Konservierungsprojekt hat er erste Pläne für eine wissenschaftliche Begleitung durch ein Dokumentationszentrum ausgearbeitet. Auch dabei hätten sich die jüngst gemachten Erfahrungen bestätigt: „Inzwischen ziehen viele an einem Strang.“ Nach 30 Jahren sei dies ein Novum – allerdings ein sehr erfreuliches.

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