1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Vor 50 Jahren kollidierten zwei Kampfjets über Asch

Kreis Landsberg

22.01.2020

Vor 50 Jahren kollidierten zwei Kampfjets über Asch

Das Pressefoto von Maria Kübler zeigt ein Flugzeugteil in der Nähe des Weilers Wildbad. Am 22. Januar 1970 stürzten bei Asch zwei Starfighter der Bundeswehr ab.
Bild: Andreas Hoehne (Repro)

Plus Ein Pilot stirbt vor 50 Jahren bei einem Übungsmanöver über Asch. Die Gemeinde hatte Glück, dass es nicht zu einem großen Unglück gekommen ist. Zeitzeugen erinnern sich.

Nur einen Moment dauert es, da spricht der Metalldetektor von Hans Peter Müller an. Nach kurzem Graben zieht er auf der Wiese neben der Straße, die von Asch in Richtung Lengenfeld (Ostallgäu) führt, ein etwa drei Zentimeter langes Metallstück aus dem Boden. Viele seiner Funde sind auf ein schreckliches Ereignis heute vor 50 Jahren zurückzuführen: Am 22. Januar 1970 stießen an einem wolkenverhangenen Tag zwei Starfighter in knapp 2000 Metern Höhe über Asch und Leeder zusammen. Einer der Piloten verlor dabei sein Leben. Die Maschinen waren vom Fliegerhorst Lechfeld gestartet.

Hans Peter Müller fand einen Teil  vom Starfighter-Tank.
Bild: Andreas Hoehne

Das Aufspüren von Gegenständen aus der Vergangenheit ist Hans Peter Müllers große Leidenschaft. Was für den Laien nur wie Müll aussieht, kann der Buchloer dank seiner beruflichen Erfahrung identifizieren. Er hat in Memmingerberg Luftfahrzeugmechaniker gelernt und auch mit diesem Flugzeugtyp zu tun gehabt. Müller hat unter anderem auch den Flugzeugtank aus Kunststoff gefunden, obwohl damals Mitarbeiter der Bundeswehr vor Ort waren und aufgeräumt haben. „Dass der Tank damals nicht gefunden wurde, könnte damit zusammenhängen, dass sich dort eine dichte Fichtenschonung befand, die erst viel später begehbar war“, vermutet Müller. Da beide Maschinen in der Luft explodiert waren, verteilten sich die Trümmerteile in einem großen Umkreis. Allein auf der Staatsstraße 2051 von Asch hinauf zum Stock seien sie kilometerweit verstreut gelegen, hieß es im damaligen Zeitungsbericht. Für die Suche setzte die Bundeswehr auch Hubschrauber ein. Das unwegsame Gelände erschwerte aber die Arbeiten.

Die Bundeswehr sperrt das Gebiet ab

Dass es bei dem Absturz nicht zu einer größeren Katastrophe kam, war Glück. So schlug beispielsweise nur 80 Meter westlich des Wohnhauses der Familie Ruf ein größeres Trümmerteil ein, von dem damals auch ein Foto im Landsberger Tagblatt veröffentlicht wurde. Die Eltern waren zu dem Zeitpunkt unterwegs, allerdings waren die beiden Söhne daheim. Ein Augenzeuge sprach damals gegenüber unserer Zeitung von einem lauten Knall, und als er in den Himmel blickte, habe er Trümmerteile zu Boden fallen und einen Piloten am Fallschirm gesehen.

Vor 50 Jahren kollidierten zwei Kampfjets über Asch

Eine Familie findet den überlebenden Piloten

Das langjährige Gemeinderatsmitglied Josef Weber war 1970 als 23-Jähriger in den Uher-Werken am Bahnhof beschäftigt. Die Meldung von dem Absturz habe sich in Windeseile herumgesprochen und er sei nach Arbeitsschluss nach Wildbad aufgebrochen, das etwa einen Kilometer von der Leederer Dorfmitte entfernt ist. Dort sei er in Richtung Wald gegangen, doch Bundeswehrangehörige hätten ihn zurückgeschickt. Man habe ihm gesagt, dass einer der Piloten mit seinem Fallschirm noch im Wald hing. „Er soll furchtbar zugerichtet gewesen sein.“

Waltraud Nirschl zeigt auf die vom Lechsberg etwa 700 Meter entfernte Absturzstelle eines der beiden Starfighter.
Bild: Andreas Hoehne

Sogar unmittelbaren Kontakt mit dem überlebenden Piloten hatte die damals 30-jährige Waltraud Nirschl am Lechsberg. Im Auto des Nachbarn seien sie und ihr Mann in Richtung Absturzstelle gefahren, erinnert sie sich im Gespräch mit dem LT. „Uns ist der Pilot mit seinem Fallschirm in der Hand entgegengekommen. Er war augenscheinlich unverletzt. Wir sind dann nach kurzer Fahrt von einem Jeep mit Feldjägern gestoppt worden. Gesprochen haben wir mit dem Piloten über die Ereignisse kein einziges Wort“, erinnert sie sich.

Zum Dank gab es eine Plakette

Beendet war das Thema für Nirschl damit allerdings noch nicht. Am Abend fuhr ein Mannschaftswagen der Bundeswehr vor und die Soldaten quartierten sich in ihrer Küche ein, so die Ascherin. Sie waren in der kalten Nacht mit der Absperrung und den Aufräumarbeiten beauftragt. Etwas kompliziert sei es gewesen, berichtet sie, da sie damals einen Säugling gehabt habe und deshalb auch immer wieder in die Küche musste.

Ein Teil der militärgeschichtlichen Sammlung ist dieser Starfighter auf dem Fliegerhorst Lechfeld.
Bild: Andreas Hoehne

Nach einigen Wochen erhielt Waltraud Nirschl für ihre Unterstützung eine Tafel mit einer Plakette des damals in Lagerlechfeld stationierten Jagdbombengeschwaders 32. Auf der Rückseite klebte ein Brief, in dem sich die Bundeswehr für die freundliche Aufnahme der Soldaten der Lehr- und Sicherungsstaffel bedankte.

Wäre das Unglück nur ein wenig später passiert, hätte es noch viel schlimmer ausgehen können. Ende des Jahres, in dem der Absturz passierte, begann die Bundeswehr unmittelbar angrenzend an die Absturzstelle mit dem Bau eines großen Munitionslagers, in dem zeitweise auch Atomwaffen gelagert waren.
 

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren